erlassjahr.de zu Gast in Bali: Mit und gegen die globale Finanzelite

Kristina Rehbein Kristina Rehbein, erlassjahr.de
10. Oktober 2018

Letzte Woche war Indonesien kurz in den Weltmedien wegen eines zerstörerischen Erdbebens und Tsunamis auf der Insel Sulawesi, eine Katastrophe die ca. 2000 Todesopfer und viele noch immer Vermisste gefordert hat.

Eine Woche später ist Indonesien der Schauplatz des knapp einwöchigen Zusammenkommens von Delegierten globaler Finanzinstitutionen, Regierungen und Zivilgesellschaft, um unter anderem über die bessere Finanzierung der Anpassung an den Klimawandel zu sprechen. Vom 12. bis 14. Oktober findet in Bali die Jahrestagung von IWF und Weltbank statt, mit vorgeschaltetem Programmpunkten und offiziellen und inoffiziellen Treffen von Delegationen, Privatsektor und auch mal Zivilgesellschaft.

Asiatische zivilgesellschaftliche Gruppen kritisierten die „größenwahnsinnigen“ Ausgaben der indonesischen Regierung, die für die Ausrichtung anfallen, angesichts der Katastrophe gleich nebenan. Ein bisschen übertrieben fühlte es sich schon an, als wir am Flughafen mit balinesischem Tanz begrüßt wurden und unser Shuttlebus zum Konferenzort von einer Polizeieskorte begleitet wurde.

Viel wird von IWF und Weltbank dafür getan, um mit der Zivilgesellschaft ins Gespräch zu kommen. Indonesische Zivilgesellschaft wurde von der Weltbank angeregt, einen Gegengipfel vor Beginn der Jahrestagung zu veranstalten, der vom 8.-10. Oktober unter dem Titel People Summit on Alternative Development stattfand. IWF- und Weltbankmitarbeiter/innen wurden angehalten, sich an den Podien der Zivilgesellschaft im Rahmen des Civil Society Policy Forum zu beteiligen, und zumindest der IWF ist emsig damit beschäftigt, dies auch zu erfüllen. Das Forum ist zwar standardmäßig Teil der IWF/Weltbank-Tagungen, wurde in der Vergangenheit jedoch eher als nerviges Laster behandelt, nicht als relevanter Teil der Tagung. Weitere Gelegenheiten zur Beteiligung werden als Teil des offiziellen Programms organisiert, etwa ein Austausch der Zivilgesellschaft mit IWF-Chefin Christin Lagarde.

Gleichzeitig schränkt die indonesische Regierung den Raum der Zivilgesellschaft außerhalb des offiziellen Tagungsrahmens stark ein. Mindestens drei friedliche Gegenmobilisierungen indonesischer und asiatischer Gruppen außerhalb der offiziellen Tagung waren geplant. Kurz vor Beginn der Tagungen sprach die indonesische Regierung ein Bali-weites Verbot für öffentliche Versammlungen jeglicher Art aus und verbreitete so viel Angst, dass Tagungshäuser ihre Bewilligung zur Nutzung von Tagungsräumen mit fadenscheinigen Begründungen plötzlich zurückzogen. Viel nationalen und internationalen Druck hat es dann auf die indonesischen Behörden gegeben, wohl auch durch IWF und Weltbank. Kurzerhand wurde daher die Erlaubnis für die Durchführung von einzelnen Veranstaltungen doch wieder gegeben. Ob das auch für diejenigen Mobilisierungen gilt, die international weniger sichtbar waren, ist unklar.

Noch während ich diesen Blogbeitrag schreibe, ist diese Erlaubnis nun doch wieder von der indonesischen Polizei widerrufen worden. Nach Angaben der Veranstalter einer der Gegenmobilisierungen wurde bereits vorher von der nationalen Polizei auf heimtückische Weise versucht, die Treffen trotz Erlaubnis zu verhindern und bei der Anmeldung einer Demonstration, die völlig im Einklang mit den Vorgaben von IWF und Weltbank gewesen sei, habe die indonesische Regierung plötzlich neue Vorgaben aus dem Boden gestampft, die die Demonstration unmöglich machen würden, etwa, dass die lokalen Organisatoren Kopien der Pässe von ausländischen Teilnehmer/innen vorab einreichen müssen.

Christine Lagarde hat öffentlich während der CSO Townhall am heutigen Nachmittag versprochen, alles dafür zu tun, damit die Gegenmobilisierungen stattfinden können. Nicht nur durch den Einsatz für die demokratischen Rechte der indonesischen Zivilgesellschaft müssen IWF und Weltbank beweisen, dass die Einbindung von zivilgesellschaftlichen Stimmen keine reine PR-Übung ist. Auch müssen sie in den kommenden Tagen zeigen, dass sie die Empfehlungen der Zivilgesellschaft zur Verbesserung der globalen Finanzarchitektur ernst nehmen. So ist die nächste Schuldenkrise im Globalen Süden hier bei eigentlich jedem Event ein Thema und auch könnte man sagen, dass sich unsere Analysen zur weltweiten Schuldensituation im Schuldenreport überhaupt nicht mehr von der offiziellen Diagnose unterscheiden. Gleichzeitig wird jedoch ebenso schreiend laut überhaupt nichts dazu gesagt, wie man denn damit nun umgehen will/muss. Bei ersten Veranstaltungen, die ich bereits besuchen konnte, haben sich die offiziellen Vertreter/innen des IWF und von europäischen Regierungen dem Diskurs gekonnt entzogen, entweder, in dem sie die Frage nach dem Umgang mit Zahlungseinstellungen schlicht nicht beantworteten und aus dem Raum eilten, oder, indem sie uralte, populistisch anmutende Argumente aus dem Hut zauberten, bei denen wir dachten, dass wir diese längst überwunden hätten.

In den nächsten vier Tagen wird es noch viele Gelegenheiten geben, für die Notwendigkeit fairer Entschuldung einzutreten. Wir werden zudem versuchen, Kontakte zu asiatischen Schuldenkampagnen auszubauen und uns auf die uns hier mögliche Weise mit der indonesischen Zivilgesellschaft im Hinblick auf die Ausübung ihres Grundrechts der freien Meinungsäußerung solidarisieren.

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