Debt20: Entwicklung braucht Entschuldung – jetzt!

Alle relevanten Institutionen vom Internationalen Währungsfonds bis zu den wichtigsten weltwirtschaftlichen Denkfabriken warnen vor sich aufbauenden neuen Staatschuldenkrisen in Asien, Afrika, Lateinamerika sowie der europäischen Peripherie. Manche Länder sind bereits in einer Schuldenkrise.

Die achtziger Jahre waren ein verlorenes Entwicklungsjahrzehnt für viele Staaten im Globalen Süden, weil die Schuldenkrisen verschleppt wurden und bis zur Lösung viele Jahre vergingen. Es besteht eine große Gefahr, dass sich die verlorenen Entwicklungsjahrzehnte wiederholen und weiterhin Menschen aus Armut gezwungen sind ihr Land zu verlassen. Denn es gibt nach wie vor kein geordnetes Entschuldungsverfahren, um neue Schuldenkrisen zu bewältigen.

Im Juli 2017 trifft sich die Gruppe der 20 wirtschaftsstärksten Nationen der Welt (G20) in Deutschland, um über die Weltwirtschaft und globale Finanzstabilität zu diskutieren. Das Treffen ist eine große Chance, um die Bedingungen für faire Entschuldung zu schaffen.

Das wollen wir jedoch nicht dem Zufall überlassen! Wir fordern daher mit der Kampagne „Debt20: Entwicklung braucht Entschuldung – jetzt!“ die Bundesregierung auf, die Gefahr der neuen Schuldenkrisen im Globalen Süden wahrzunehmen und die Schaffung eines fairen Verfahrens zur Lösung von Schuldenkrisen auf den Weg zu bringen.

erlassjahr.de wird dazu

  • beim Treffen der G20-Finanzminister/innen am 17. und 18. März 2017 in Baden-Baden und
  • beim G20-Gipfel der Staats- und Regierungschef/innen am 7. und 8. Juli in Hamburg

den Stimmen der Debt20 Gehör verschaffen.

Die Stimmen der Debt20

Die Entscheidungen, die die G20 zu Regeln der Weltwirtschaft und speziell Entschuldung miteinander treffen, beeinflussen auch die Lebensbedingungen von Menschen weltweit, deren Heimatländer keine Mitglieder der G20 sind. Daher möchten wir den Stimmen der Betroffenen Gehör bei den G20 und in der Öffentlichkeit verschaffen. Denn gerade sie haben etwas zu Auswirkungen, Hintergründen und Lösungen von Schuldenkrisen zu sagen!

Wer sind die Debt20?

Die Debt20 repräsentieren ein breites Spektrum von Betroffenen aus kritisch verschuldeten Ländern: Regierungsmitglieder, Akademikerinnen und Akademiker, Bischöfe, Basisaktivistinnen und -aktivisten und Vertreterinnen und Vertreter von Entschuldungsinitiativen und anderen Nichtregierungsorganisationen. Sie kommen aus Ländern mit besonders kritischer Schuldensituation, die sich gerade erst auf eine Krise zubewegen, oder die eine so dramatische oder besondere Schuldengesichte aufzuweisen haben, dass ihre Erfahrungen nicht in Vergessenheit geraten sollten. Sie sprechen aus der Situation heraus die sie durchleben oder durchlitten haben, weshalb ihre Fragen, Beschwerden und Anklagen von den Regierungen der reichen Länder endlich gehört werden müssen.

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Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, unterstützen die Kampagne und fordern in einem gemeinsamen Geleitwort: „Lassen Sie uns solidarisch an der Seite der Menschen im Globalen Süden stehen und ihren Ruf nach globaler Gerechtigkeit verstärken!“

Die Forderung

erlassjahr.de fordert, dass die G20 die Stimmen der Betroffenen nicht weiter ignorieren! In ihren Gipfel-Beschlüssen sollen sie die sich aufbauenden neuen Schuldenkrisen im Globalen Süden als eine Gefahr für das Erreichen der vereinbarten globalen Entwicklungsziele anerkennen. Bislang haben es die G20 gekonnt vermieden, über Lösungen für Staatsschuldenkrisen zu sprechen. Doch die chinesische G20-Präsidentschaft hat 2016 den Anfang gemacht und die Notwendigkeit für geordnete Lösungen angesprochen.

erlassjahr.de fordert von den G20, dass sie die Schaffung eines umfassenden und rechtsstaatlichen internationalen Entschuldungsverfahrens bei ihrem Gipfel in Deutschland auf den Weg bringen.

Wie kann ich mich beteiligen?

  • Kommt am 17. und 18. März zum Treffen der G20-Finanzminister/innen nach Baden-Baden!
    Am 17. März um 14 Uhr werden wir mit einer öffentlichen Inszenierung zeigen, warum ein Schuldenschnitt dringend notwendig ist! Vorher stellen wir gemeinsam mit Alberto Acosta den Schuldenreport 2017 vor. Um 17 Uhr feiern wir in der Stadtkirche einen ökumenischen Gottesdienst.
  • Kommt am 7. und 8. Juli zum G20-Gipfel der Staats- und Regierungschef/innen nach Hamburg!
    Beim Kongress „Auf Augenhöhe: Debt20 meets G20“ am 7. Juli um 16 Uhr bringen wir die Debt20 nach Deutschland. Dort werden sie im direkten Gespräch mit den Vertreter/innen der G20 ihre Erfahrungen und Ideen austauschen. Außerdem werden wir am 8. Juli zusammen mit der Nordkirche einen großen und bunten Open-Air-Gottesdienst feiern.
  • Macht vor Ort auf die Kampagne Debt20 aufmerksam.
    • Zeigt die Roll-Up-Ausstellung „Stimmen der Debt20“.
    • Platziert einen Artikel über die Kampagne in der Lokalzeitung, in eurem Gemeindebrief oder in eurem Mitglieder-Magazin.
    • Organisiert eine Veranstaltung zur Kampagne.
  • Unterstützt uns in den Sozialen Medien.
    • Solltet ihr es noch nicht sein, werdet unser/e Freund/in auf Facebook. Kommentiert und teilt, nutzt das Hashtag #Debt20.
  • Bestellt die Postkarte Debt20 und fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich im Rahmen der G20-Präsidentschaft Deutschlands im Jahr 2017 für eine faire Lösung von Schuldenkrisen einzusetzen. Oder schreibt ihr direkt online eine E-Mail.

Meldet euch dazu einfach bei uns per E-Mail!

EUER LOGO VOR DEM KANZLERAMT!

Macht mit! Unterstützt die Forderung mit eurem Logo!

Erklärt die Unterstützung für die Forderung mit dem Logo eurer Kirchengemeinde, Diözese, Landeskirche, Organisation, eures Verbandes, Weltladens oder Vereins!


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Kampagnenbroschüre „Debt20“ (A4)

Heft „Stimmen der Debt20“ (A6)

Sonstiges, und zwar

Wer ist schon dabei?

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Alle Debt20-Unterstützer als Liste

  1. 2Flügel
  2. AEFJN Belgien – Africa Europe Faith Justice Network
  3. AEFJN Frankreich
  4. AES – Arbeitskreis für Entwicklungspolitik und Selbstbesteuerung e.V.
  5. Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus
  6. Aktion Selbstbesteuerung e.V.
  7. Aktionsbündnis Ostalb gegen TTIP
  8. Aktionskreis Eine Welt Wuppertal-Ronsdorf e.V.
  9. Arbeitskreis Eine Welt /REL
  10. Arbeitsstelle Eine Welt Leipzig
  11. attac Aalen
  12. Baobab e.V.
  13. Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Untermarchtal
  14. Bezirkssynodalrat Main-Taunus
  15. Bischöfliche Kommission „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“
  16. Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR
  17. Bischöfliches Ordinariat Mainz – Referat Gerechtigkeit u. Frieden
  18. Bistum Fulda
  19. Bistum Limburg
  20. Bistum Münster
  21. Bistum Speyer
  22. BLUE 21 e.V.
  23. Brasilienkreis St. Heinrich Marl e.V.
  24. Bremer entwicklungspolitisches Netzwerk e.V.
  25. Brot für die Welt
  26. Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. (BEI)
  27. Campo Limpo – Solidarität mit Brasilien e.V.
  28. Caritasverband für das Erzbistum Hamburg e.V.
  29. Center of Concern
  30. Centro de los Derechos del Campesino
  31. Christen für gerechte Wirtschaftsordnung e.V.
  32. Comboni Missionare-KöR
  33. CRAN-Freundeskreis e.V.
  34. CVJM Landesverband Hannover e. V.
  35. CVJM-Gesamtverband in Deutschland e.V.
  36. Das Hunger Projekt e.V.
  37. DEAB – Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e.V.
  38. Debt Justice Norway
  39. Deutsche Arbeitslosen- und Sozialwerke
  40. Deutsche Provinz der Schwestern vom Guten Hirten, KöR
  41. Dienerinnen der hl. Kindheit Jesu
  42. Dillinger Franziskanerinnen, Provinz Bamberg
  43. Bistum Hildesheim
  44. Don Bosco Mondo e.V.
  45. Dritte Welt Laden Erlangen e.V.
  46. e/motion
  47. Eine Welt Forum Düsseldorf e.V.
  48. Eine Welt Forum Mülheim an der Ruhr
  49. Eine Welt Laden Salzkotten
  50. Eine Welt Leipzig e.V.
  51. Eine-Welt-Forum Münster e.V.
  52. Eine-Welt-Haus e.V. Jena
  53. Eine-Welt-Initiative im Landkreis Mühldorf EWIM
  54. Eine-Welt-Laden Alavanyo
  55. Eine-Welt-Laden Dortmund-Sölde
  56. Eine-Welt-Laden Fürth e.V.
  57. Eine-Welt-Laden Lauf e.V.
  58. EnaBanda Slowenien
  59. Entwicklungspädagogisches Informationszentrum EPiZ Reutlingen
  60. Entwicklungspolitisches Netzwerk Hessen e.V.
  61. Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen e.V.
  62. Erdcharta
  63. Erzbistum Bamberg
  64. Erzbistum Hamburg
  65. Erzbistum Paderborn
  66. Eurodad
  67. Akademikerschaft in Deutschland Landesverband Nordwest
  68. Kgm. Dürnau-Gammelshausen
  69. Kirchengemeinde Steinenbronn
  70. Kirchengemeinde Wolfenhausen-Haintchen
  71. Kirchenkreis Koblenz
  72. Kirchenkreis Recklinghausen
  73. Ev.-luth. Missionswerk Leipzig
  74. Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Puchheim
  75. Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover
  76. Evangelische Christuskirchengemeinde von Bad Vilbel
  77. Evangelische Frauen in Württemberg (EFW)
  78. Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
  79. Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck
  80. Evangelische Kirchengemeinde Johannes zu Rheine
  81. Evangelische Kirchengemeinde Waltrop
  82. Evangelische Studierendengemeinde Siegen
  83. Evangelischen Landeskirche in Baden
  84. Evangelischer-Lutherischer Kirchenkreis Altholstein
  85. Evangelischer Kirchenkreis Schwelm
  86. Evangelisches Schulreferat der Kirchenkreise an der Nahe
  87. fair-ein e.V.
  88. FORUM EINE WELT GAUTING e.V.
  89. Franziskanerinnen von der Buße u. der chr. Liebe
  90. Freedom from Debt Coalition(FDC)-Philippines
  91. Gemeindedienst für Mission und Ökumene / Evang. Kirche im Rheinland – Region Niederrhein
  92. Gemeingut in BürgerInnenhand
  93. GRAL – Akademie e.V.
  94. Herrnhuter Missionshilfe e.V.
  95. Hochschulseelsorge Hof
  96. Informationsstelle Peru e.V.
  97. INKOTA-netzwerk e.V.
  98. J-GCL Region West
  99. Jesuit Centre for Theological Reflection – JCTR Sambia
  100. Jesuitenmission
  101. Jubilee Debt Campaign
  102. Kaffeebohne e.V. – Weltladen La Bohnita
  103. Kgm. Karlsruhe-Hardt
  104. Pfarrgemeinde St. Josef Puchheim
  105. Katholikenrat im Bistum Speyer
  106. Katholische Erwachsenenbildung Bildungswerk Ostalbkreis e.V.
  107. Katholische Kirchengemeinde St. Paul
  108. Katholische Landvolkbewegung (KLB) Bayern
  109. Katholische Landvolkbewegung (KLB) Würzburg
  110. Katholischer Deutscher Frauenbund e.V.
  111. Kindernothilfe e.V.
  112. KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche
  113. Kirchlicher Entwicklungsdienst der ev.-luth. Landeskirchen in Braunschweig und Hannovers – KED Niedersachsen
  114. Kirchlicher Entwicklungsdienst der Nordkirche
  115. Kolping International
  116. Kulturküche Aalen e.V.
  117. Landesjugendpfarramt der Evangelischen Kirche in der Pfalz
  118. Landshuter Arbeitskreis Partnerschaft mit der Dritten Welt e.V.
  119. Lebenshaus Schwäbische Alb – Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.
  120. Lorenzer Laden
  121. Micha Deutschland e.V.
  122. Migranetz Thüringen
  123. Mission EineWelt
  124. Missions-Benediktinerinnen
  125. Missionszentrale der Franziskaner e.V.
  126. MÖWe – Amt für Mission, Ökumene und kirchlichen Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen
  127. NAD – Netzwerk Afrika Deutschland
  128. NaturFreunde Deutschlands e.V.
  129. Netzwerk Steuergerechtigkeit
  130. Nord Süd Forum München e.V.
  131. Nord-Süd-Forum Fürstenfeldbruck
  132. Norddeutsche Mission
  133. Observatori del Deute en la Globalització · ODG
  134. Oikocredit FK Bayern
  135. Oikocredit Förderkreis Baden-Württemberg e.V.
  136. Oikocredit Förderkreis Hessen-Pfalz e.V.
  137. Oikocredit Förderkreis Mitteldeutschland e.V.
  138. Oikocredit Förderkreis Niedersachsen-Bremen e.V.
  139. Oikocredit Förderkreis Norddeutschland e.V.
  140. Oikocredit Förderkreis Nordost e.V.
  141. Oikocredit Geschäftsstelle Deutschland
  142. Oikocredit Westdeutscher Förderkreis e.V.
  143. Ökumenische Akademie Prag
  144. Ökumenische Initiative Eine Welt
  145. Ökumenischer Arbeitskreis Eine Welt mit dem Weltladen Kraichtal
  146. Ökumenischer Eine-Welt-Kreis Friedberg
  147. Ökumenischer Friedenskreis Köln-Pesch
  148. Ökumenischer Zusammenschluss christlicher Eine-Welt-Gruppen Münsters
  149. Ökumenisches Informationszentrum e.V.
  150. Ökumenisches Zentrum Oldenburg e.V.
  151. ONE
  152. Ordensgemeinschaft der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung
  153. Partnerschaftsverein Kreid Groß-Gerau – Masatepe/Nicaragua e.V.
  154. pax christi-Diözesanverband Bamberg
  155. pax christi, DV Speyer
  156. PERU-Freunde / Amigos del PERU e.V.
  157. Peru-Kreis Dossenheim
  158. Pfarrei St. Franziskus und Klara – Usingerland
  159. Pfarrgemeinde Eugenbach Müncherau
  160. Plädoyer für eine ökumenische Zukunft
  161. Protestantische Kirchengemeinde Katzweiler-Mehlbach
  162. Psychologische Beratung & Therapie
  163. Schwestern- und Brüderschaft des Evangelischen Johannesstifts e.V.
  164. Succeed in Ghana e.V.
  165. SÜDWIND e.V. – Institut für Ökonomie und Ökumene
  166. Synod of Victoria and Tasmania – Uniting Church in Australia
  167. Tanzania Coalition on Debt and Development – TCDD
  168. Tax Justice Network
  169. Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburg e.V. – VENROB
  170. Verein zur Förderung der ArbeitnehmerInnenbildung im Sinne Josef Cardijns
  171. Versöhnungskirche Ingelheim
  172. Weigle-Haus
  173. Weltgruppe der Evangelischen Georgs-Kirchengemeinde Dortmund
  174. Welthaus Minden
  175. Weltladen Aalen
  176. Weltladen Bremen
  177. Weltladen El Mundo
  178. Weltladen Frankenthal
  179. Weltladen Gießen
  180. Weltladen Löffingen
  181. Weltladen Minden
  182. Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung – WEED e.V.
  183. World Relief Deutschland e.V.
  184. Zentrum für Mission und Ökumene – nordkirche weltweit
  185. Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW

Mehr Hintergrund zu den Neuen Schuldenkrisen

Anfang der achtziger Jahre  gerieten die meisten Länder der damals so genannten „Dritten Welt“ in den Sog der Schuldenkrise. Sie zahlten jahrelang mehr an ihre Gläubiger im Globalen Norden, als ihre Volkswirtschaften eigentlich aufbringen konnten, und finanzierten dies durch immer neue Kreditaufnahmen. Ein „verlorenes Entwicklungsjahrzehnt“ ohne Fortschritte bei der Verbesserung der vielerorts miserablen Lebensverhältnisse war die Folge. Wenn man sich die weltwirtschaftliche Situation ansieht, die damals zu dieser Katastrophe geführt hat, findet man vieles davon in den Jahren 2015 und 2016 wieder:

Extrem niedrige Zinsen

Um die Krise in Europa zu bekämpfen flutet die Europäische Zentralbank derzeit die Finanzmärkte mit zinsfreien Krediten. Dieses Überangebot an Kapital führt dazu, dass Anleger mit konventionellen Anlagen in den Industrieländern fast kein Geld mehr verdienen. Entsprechend stark ist die Nachfrage nach Staatsanleihen ärmerer Länder, die noch immer Zinsen in Größenordnungen von 7 bis 15 Prozent anbieten. Dementsprechend groß ist auch die Versuchung für dortige Regierungen, Defizite nicht durch Einsparungen oder effizientere Mittelverwendung, sondern durch vergleichsweise billige Kreditaufnahme zu decken. Die Auslandsschulden aller Entwicklungs- und Schwellenländer steigen deshalb rasant: Von 3.665 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf 5.393 Milliarden US-Dollar zum Jahresbeginn 2015. Genau so entstand auch die Krise der achtziger Jahre: Die „Petrodollars“ nach der Ölkrise 1973 wurden in die westlichen Bankensysteme gepumpt, die Zinsen sanken und Anleger machten sich mit Koffern voll Geld auf den Weg zu den damaligen Diktatoren in Afrika und Lateinamerika.

Hohe Verwundbarkeit der Volkswirtschaften in vielen kreditnehmenden Ländern

Nur wenige Staaten konnten seit den achtziger Jahren ihre Volkswirtschaften erfolgreich weiterentwickeln. Viele sind weiterhin von wenigen Exportprodukten – häufig mineralischen oder landwirtschaftlichen Rohstoffen – abhängig. Fallen dafür die Preise, zum Beispiel wegen der aktuellen Nachfrageschwäche in China, brechen Einnahmen weg und werden ihrerseits durch weitere Kreditaufnahmen ersetzt. Den gleichen Teufelskreis können Naturkatastrophen wie Dürren in Ostafrika oder Wirbelstürme in der Karibik auslösen.

Schlechte Regierungsführung

Trotz Bemühungen internationaler Organisationen sind in vielen Ländern Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit nicht vorangekommen. Die demokratischen Aufbrüche der neunziger Jahre sind in vielen Ländern stecken geblieben oder haben sich – wie in Ägypten oder Syrien nach dem Arabischen Frühling – sogar wieder in autoritäre Strukturen oder Schlimmeres verwandelt. Autoritäre Regierungen nehmen aber, wie seinerzeit die Kleptokraten in der Zeit des Kalten Krieges, gerne Kredite auf, um sich damit Loyalität zu kaufen oder ihren Unterdrückungsapparat aufrecht zu erhalten. Und viele westliche und östliche Geldgeber vertrauen darauf, dass die Rückzahlung ihrer Kredite nötigenfalls durch Repression oder das Aushungern der Bevölkerung sichergestellt wird.

Schuldenbumerang

Auch wenn natürlich die Menschen in den verschuldeten Ländern am meisten unter einer Krise zu leiden haben: Wir sind genauso betroffen, wenn unsere eigenen Banken und Investmentfonds oder auch die Bundesregierung rücksichtslos Schulden in ärmeren Ländern eintreibt. Der Effekt kommt zurück wie ein Bumerang: Die Überausbeutung der natürlichen Ressourcen zur Aufbringung des Schuldendienstes bedroht die globale Umwelt und heizt den Klimawandel an. Menschen, denen ihre Lebensperspektiven genommen werden, suchen ihr Glück im Ausland und vorzugsweise in den Ländern, in die zuvor schon ihr Geld verschwunden ist. Wenn Staaten und Völker verarmen, heizt das soziale Konflikte an. Für aggressive Bewegungen sind perspektivlose Jugendliche ein reiches Rekrutierungsfeld. Und schließlich blühen Schwarzgeld- und Drogenökonomie, wenn Staaten unter dem Druck von Strukturanpassungsprogrammen ihre Banken und Finanzsysteme nicht mehr regulieren können.

Die fatale Rolle der Internationalen Finanz­institutionen

Die Finanzierung des Schuldendienstes von eigentlich insolventen Staaten ist das Geschäftsmodell des Internationalen Währungsfonds. Ende der achtziger Jahre waren mehr als vierzig Staaten zahlungsunfähig. Ihre Schulden wurden aber nicht gestrichen, sondern Weltbank und IWF stellten frisches Geld zur Verfügung, damit die Banken und Gläubigerregierungen im Globalen Norden weiter bezahlt werden konnten. Am Ende waren die Internationalen Finanzinstitutionen selbst die größten Gläubiger der ärmsten Länder und verlangten im Gegenzug für weitere Finanzierungen drastische Einsparungen zulasten der ärmsten Bevölkerungsschichten. Eine massive Verelendung in vielen Ländern war die Folge. Seither hat es mehrere kritische Evaluierungen dieser sogenannten Strukturanpassungsprogramme gegeben und allerlei Verbesserungen im Detail, aber keinen grundsätzlichen Politikwechsel. Im Gegenteil: Das gleiche Modell der Umverteilung von unten nach oben im Interesse des Schuldendienstes hat der IWF als Teil der Troika zu Beginn dieser Dekade auch in Griechenland angewandt – und damit die Krise in der europäischen Peripherie zur Katastrophe gemacht.

Kein Ausweg

Wie vor dreißig Jahren gibt es auch heute kein geordnetes Verfahren zur Überwindung von Staatspleiten. Ein Staat, der nicht mehr zahlen kann, muss mit allen seinen Gläubigern einzeln verhandeln: mit den Regierungen, die Geld für Handelsgeschäfte oder Entwicklungshilfe geliehen haben, im Gläubigerkartell des „Pariser Club“; mit den Banken im „Londoner Club“;  mit den Eigentümern seiner Staatsanleihen einzeln und die gerade für die ärmeren Länder wichtigen multilateralen Gläubiger wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds verhandeln überhaupt nicht, sondern wollen unter allen Umständen Geld sehen. Es gibt kein rechtlich verankertes oder zumindest informell von Gläubigern und Schuldnern gemeinsam akzeptiertes unparteiisches Verfahren, welches eine schnelle und rechtsstaatliche Lösung hervorbringen könnte. Entsprechend lange ziehen sich die Verhandlungen hin: Der Senegal verhandelte vierzehnmal mit seinen Gläubigern im Pariser Club, bevor der größte Teil der untragbaren Schulden gestrichen wurde. Grenada war zuletzt fast zwei Jahre offiziell pleite, bevor eine halbherzige Lösung von einigen Gläubigern zugestanden wurde.

„Wer nichts aus der Geschichte lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“
G. Santayana, amerikanischer Philosoph, 1863-1952

Downloads

Heft „Stimmen der Debt20“ (A6)

Kampagnenbroschüre Debt20 (A4)

Fragen und Antworten zur Kampagne

Warum sammeln wir Logos statt Einzelunterschriften?

erlassjahr.de ist ein Bündnis aus vielen verschiedenen Organisationen, die sich für faire Entschuldung einsetzen. Das ist unsere große Stärke, daher sammeln wir für die Kampagne die Unterstützung von Organisationen, in denen viele Menschen gemeinsam aktiv sind. Die Diskussion um eine sichtbare Beteiligung an der Kampagne mit dem eigenen Logo kann auch ein Fokus für eine wichtige Diskussion über Globale Gerechtigkeit in den eigenen Gremien sein.

Doch auch Einzelpersonen können sich an der Kampagne beteiligen. Hier könnt ihr die Kampagnenforderung per E-Mail an Angela Merkel zu schicken.

Sollen wir auch als Gemeinde unterschrieben, wenn unsere Landeskirche oder Diözese schon dabei ist?

Ja. Während bundesweite und regionale Organisationen politische Prozesse beeinflussen können, sind es die lokalen Initiativen und Zusammenschlüsse, die sich im direkten Dialog mit den Menschen an der Basis befinden und nachhaltig zu Themen Globaler Gerechtigkeit informieren. Beides ist wichtig, wenn es darum geht, die große Politik zu verändern.

Wie kann ich die Aktion in meinen Gemeinderat/Vorstand einbringen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Du kannst die benötigte Anzahl an Kampagnenbroschüren Debt20 (Format A4) für den Gemeinderat/Vorstand bei uns anfordern und damit selbst das Thema vorstellen. Die Broschüre enthält alle wichtigen Informationen rund um die Kampagne und das Thema.
  • erlassjahr.de bietet für Multiplikator/innen eine Powerpoint-Präsentation mit Sprechnotizen zur Kampagne an, die man per E-Mail bei uns anfordern kann. Du kannst damit die Kampagne ganz einfach selbst vorstellen.
  • Alternativ kann auch ein/e Referent/in von erlassjahr.de das Thema und die Kampagne beim Gemeinderat/Vorstand vorstellen. Wir freuen uns auf eure Anfrage im erlassjahr.de-Büro.

Darüber hinaus sind wir gerne bei der Zusammenstellung benötigter Informationen oder Unterlagen behilflich.

Was passiert mit den Logos und verpflichten wir uns über die Präsentation der Logos hinaus?

DIGITAL CAMERADie Logos werden im Herbst 2016 an die Bundesregierung zusammen mit den Stimmen der Debt20 und der Kampagnenforderung übergeben. Zu dem Anlass der Übergabe wird auch eine Medienaktion vor dem Bundeskanzleramt oder dem Bundesfinanzministerium stattfinden. Für die Aktion werden die Logos auf ein Großbanner gedruckt. Einen Eindruck davon vermittelt das Foto von einer ähnlichen Aktion, die wir vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 durchgeführt haben.

Über diese Präsentation der Logos hinaus gibt es keine Verpflichtungen für die Unterstützerorganisation. Auch werden die Logos in keinem anderen Kontext als der Debt20-Kampagne genutzt.

Können auch Partner-Organisationen im Ausland mit ihrem Logo dabei sein?

Selbstverständlich. Die Entscheidungen, die die G20-Mitglieder über die Regeln der Weltwirtschaft treffen, betreffen viele Länder und Menschen weltweit. Daher freuen wir uns über globale Unterstützung.

Meine Organisation unterstützt die Kampagne bereits. Was können wir darüber hinaus noch tun, um das Ziel der fairen Entschuldung zu unterstützen?

Die Mitträgerorganisationen und Einzelunterstützer/innen von erlassjahr.de bilden das politische Rückgrat des Bündnisses. Neben der Unterstützung von Aktionen und Kampagnen kann man den Einsatz für faire Entschuldung durch eine Mitträgerschaft (Organisationen) oder Einzelunterstützung (Personen ohne Organisationsbindung) unterstützen. Alle Informationen zur Mitträgerschaft und Einzelunterstützung findest Du hier.

 

Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des

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