Albanien

Hat Albanien ein Schuldenproblem?

Albanien weist durchweg kritische und mittelfristig zunehmende Schuldenindikatoren auf. Auch wenn keine unmittelbare Insolvenzgefahr besteht, ist der Trend sehr bedenklich.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)71,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)232,1150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)15,215
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)73,249
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)267,4200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)8,437 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)553,9 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Albanien?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Albaniens Auslandsschulden entfallen zu knapp der Hälfte auf die albanische Privatwirtschaft und zum etwas größeren Teil auf den öffentlichen Sektor. Die öffentlichen Auslandsschulden bestehen zu etwas mehr als der Hälfte gegenüber multilateralen Gläubigern. Wichtigste Gläubiger in dieser Kategorie (letzte Aufschlüsselung des albanischen Finanzministerium zum Ende 2014) sind die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD). Unter den bilateralen öffentlichen Gläubigern spielen Italien und Deutschland (letzteres mit Forderungen aus der Finanziellen Zusammenarbeit in Höhe von aktuell 128 Millionen Euro) die wichtigste Rolle. Insgesamt hält der Pariser Club mehr 517 der 675 Millionen US-Dollar bilateraler öffentlicher Forderungen. „Alternative“ Kreditquellen wie China spielen in Albanien eine weniger bedeutende Rolle als in anderen Ländern der Region.

Trend

Drei von fünf Schuldenindikatoren haben sich von 2012 bis 2016 um wenigstens 10 Prozent verschlechtert. Bei den Auslandsschulden hat sich allerdings eine leichte beziehungsweise teilweise deutliche (Schuldendienst zu Exporteinnahmen von 27,9 Prozent auf 15,2 Prozent) Verbesserung von 2015 auf 2016 ergeben, den die normale Methodologie im erlassjahr.de-Schuldenreport noch nicht abbildet.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Albanien

1993, 1998 und 2000 hat Albanien Verbindlichkeiten gegenüber den OECD-Staaten im Pariser Club umgeschuldet. Nur das Abkommen von 1998, das einen Teilerlass und eine langfristige Streckung der verbliebenen Beträge vorsah, ist noch aktiv.

Bereits 1995 handelte Albanien mit seinen Gläubigerbanken im Londoner Club eine Streckung seiner damaligen Zahlungsverpflichtungen aus.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Für den Internationalen Währungsfonds (IWF) stellen die hohen Schuldenindikatoren eines der Hauptrisiken für die albanische Wirtschaft bei einer insgesamt vielversprechenden Entwicklung dar. Der IWF bescheinigt dem Land ein hohes Wachstumspotenzial. Externe Schocks durch Wachstumsverlangsamung in der Europäischen Union können angesichts der hohen Schulden aber schnell zu einer gravierenden Krise führen.

Interessanterweise benennt der IWF das Umsichgreifen von Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPPs) als eines der Hauptrisiken für die Schuldentragfähigkeit. Dies liegt unter anderem an den schwachen Verwaltungs- und Kontrollkapazitäten der Regierung, bei der es offenbar zu Finanzierung und Genehmigung „unverlangt eingesandter“ ÖPP-Projekte kommt.

Politische Empfehlungen

Unter allen Umständen stellen die schwachen öffentlichen Strukturen eine Gefährdung für die Schuldentragfähigkeit Albaniens dar. Auf den erheblichen Reformbedarf im öffentlichen Sektor weist der IWF zu Recht hin. Besonders eindringlich sollten die Behörden die Warnungen des IWF vor der Vereinbarungen weiterer ÖPPs beherzigen.

 

Stand: April 2018