Angola

Hat Angola ein Schuldenproblem?

Angola hat weniger ein Auslandsschulden- als ein Staatsschuldenproblem. Allerdings verschlechtert sich die Situation des Landes infolge des Ölpreisverfalls rasant, so dass das Land in naher Zukunft zahlungsunfähig werden könnte. Allein 2015 ist die Wirtschaft des Landes deswegen um 3,4 Prozent geschrumpft.

In einem „stillen“ Zahlungsausfall befand sich die Regierung bereits 2014. Die Regierung kündigte im Januar an, dass sie Schulden bei Lieferanten, die seit diesem Jahr nicht mehr beglichen wurde, nun sukzessive abbauen will

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)41,240
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)123,5150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)26,515
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)75,849
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)*406,3200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)35,347 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)7,583 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Angola?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Sämtliche Auslandsschulden Angolas bestehen von Seiten des Staates oder sind von ihm garantiert. Private Unternehmen sind nicht im Ausland verschuldet. Mehr als die Hälfte aller Schulden entfallen auf bilaterale öffentliche Gläubiger, also andere Regierungen. Davon entfällt wiederum die deutliche Mehrheit auf Entwicklungshilfebedingungen – also mit niedrigen Zinsen, Freijahren und langen Laufzeiten.

Unter den Privatgläubigern spielen Anleihekäufer seit der ersten Anleiheplatzierung 2012 in Höhe von 1 Milliarde. US-Dollar eine Rolle. Wichtiger sind aber weiterhin private Banken und andere Kreditgeber.

Die traditionellen Gläubiger im Pariser Club halten Entwicklungshilfeforderungen in Höhe von 451 Millionen US-Dollar und Handelsforderungen in Höhe von 853 Millionen US-Dollar. Das ist jeweils weniger als ein Zwanzigstel dieser beiden Schuldenkategorien. Deutschland hält keine Forderungen an Angola. Wichtige bilaterale Gläubiger Angolas sind aktuell China, Brasilien und Israel. Alle drei haben sich jüngste Kredite mit der Verpfändung künftiger Öleinnahmen absichern lassen.

Die Bundesrepublik hatte 1990 rund 130 Millionen D-Mark Forderungen der Ex-DDR an Angola „geerbt“. Diese waren bis 2001 durch Verzugszinsen unter anderem wegen kriegsbedingter Nichtbedienung bis 2001 nach Berechnung der Bundesregierung auf 423 Millionen D-Mark angewachsen. 2003 wurden 262 Millionen D-Mark (damals bereits 131 Millionen. Euro) erlassen, der Rest wurde offenbar beglichen. Bemerkenswert ist, dass dies gänzlich außerhalb einer Pariser Club Regelung geschah. Entsprechend hat Deutschland heute keine Forderungen mehr an Angola.

Trend

Von 2012 bis 2016 haben sich alle fünf Indikatoren für die inländische wie die ausländische Verschuldung um mindestens 10 Prozent verschlechtert.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Angola

Im Pariser Club hat Angola bislang erst einmal verhandelt, nämlich 1989 mit dem Ergebnis einer Restrukturierung von 446 Millionen US-Dollar unter Classic Terms. Das Abkommen ist inzwischen in Gänze abbezahlt. Mit der Bundesregierung gab es darüber hinaus eine Sonderreglung für die Ex-DDR-Forderungen (siehe oben).

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Angolas Staatsverschuldung liegt deutlich jenseits der höchsten Tragfähigkeitsgrenze. Allerdings besteht ein erheblicher Teil gegenüber inländischen Gläubigern.

Die Auslandsverschuldung steigt dramatisch infolge des Ölpreisverfalls der letzten Jahre und nähert sich ebenfalls kritischen Grenzen oder hat diese bereits überschritten.

Ohne eine deutliche Erholung des Ölpreises über das schon wieder leicht angestiegene Niveau hinaus ist ein tragfähiges Schuldenniveau ohne Umschuldung in absehbarer Zeit nicht erreichbar.

Politische Empfehlungen

Angola leidet an seiner hohen Abhängigkeit von einem einzigen Exportgut. Wenn es der neuen MPLA-Regierung (Movimento Popular de Libertação de Angola) gelingen sollte, nach dem Abgang des langjährigen Präsidenten José Eduardo dos Santos die Gläubiger des Landes für eine umfängliche Restrukturierung zu gewinnen, sollte diese vor allem der Diversifizierung der Wirtschaft zugute kommen.

 

Stand: April 2018

 

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