Armenien

Allgemeines zur Wirtschaft Armeniens

Die wirtschaftliche Entwicklung Armeniens war lange Zeit durch ein lange nachwirkendes, zerstörerisches Erdbeben in den späten 1980er Jahren, dem Zusammenbruch der UdSSR und damit der Umstellung von einer Zentralverwaltungswirtschaft zu einer liberalen Marktwirtschaft und durch schwere Konflikte mit Aserbaidschan in den frühen 1990er Jahren gehemmt. Trotz einer positiven Wirtschaftsentwicklung und der Umsetzung zahlreicher Reformen, gibt es noch immer ernste Hemmfaktoren, wie z.B. die schwache Exportbasis, die geographische Lage, die wirtschaftliche Isolation von Nachbarländern wie der Türkei und die starke wirtschaftliche und finanzielle Abhängigkeit von Russland. Armenien wurde von der globalen Finanzkrise besonders schwer getroffen; mit einem starken Einbruch des Bruttoinlandprodukts und der Notwendigkeit von hohen Krediten z.B. vom IWF und von Russland, um das Defizit abzufedern. Hauptgründe waren vor allem ein Rückgang in den Rücküberweisungen von Migrant/innen (vor allem aus Russland) und im wirtschaftlich wichtigen Bausektor.

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)84.3 (2015)40
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)283.5 (2015)150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen(%)31,715
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)48.7 (2015)49
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)188,0200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)8,550 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)1,253 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC noch nicht umgesetzt
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen:  k.A.
Privat:  Keine Umschuldungen

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: Niedrig

Entwicklung der Verschuldungsindikatoren / Verwundbarkeiten im Hinblick auf Schuldentragfähigkeit:

  • Durch die globale Finanzkrise starker Rückgang von Exporteinnahmen, Rücküberweisungen von Migrant/innen und ausländischen Direktinvestitionen. Auch im Jahr 2010 blieb die Erholung von der Weltfinanzkrise weitgehend aus: Der Bausektor blieb schwach und der landwirtschaftliche Sektor brachte kaum Erträge. Auch wenn Rohstoffexporte (Bergbau) und Rücküberweisungen in 2010 wieder anzogen und halfen, das Leistungsbilanzdefizit zu mildern, so verbesserte sich die wirtschaftliche Lage kaum.
  • hohe Kreditaufnahme, um Defizite auszugleichen, zum Teil jedoch mit kurzen Laufzeiten und damit recht schneller Rückzahlungszwang. Dadurch besteht ein sogenanntes „Rollover risk“ (Refinanzierungsrisiko)
  • rasanter Anstieg auch der öffentlichen Verschuldung: Im Jahr 2008 lag die öffentliche Verschuldung noch bei 16% des BNE, Ende des Jahres 2010 lag der Prozentsatz bereits bei 39% und Ende 2014 bei 74,8%
  • hoch verwundbar im Hinblick auf fallendes Wirtschaftswachstum