Barbados

Hat Barbados ein Schuldenproblem?

Barbados hat mit die höchsten Schuldenindikatoren unter den generell hoch verschuldeten kleinen Inselstaaten der Karibik. Der sehr hohe Bedarf an neuen Krediten zur Finanzierung der laufenden Zahlungsverpflichtungen macht die Schuldensituation des Landes problematisch. Beim Regierungswechsel Anfang Juni 2018 erklärte die neue Premierministerin Mia Mottley, die Auslandsschulden des Landes betrügen nicht 137 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wie von der Vorgängerregierung angegeben, sondern 175 Prozent. Daraufhin leistete die Regierung eine fällige Zahlung auf ihre 2030-Anleihe nicht und stellte auch weitere Schuldendienstzahlungen ein. Es gibt keine Informationen über den Charakter der „entdeckten“ Schulden und die Identität der Gläubiger.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren

Barbados berichtet nicht an das Debtor Reporting System der Weltbank. Deshalb wurden die unten stehenden Zahlen aus verschiedenen weniger standardisierten Quellen für das Fiskaljahr 2016/17 zusammengestellt.

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)105,540
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)282,9150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)6,615
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)137,049
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)361,6200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)1,426 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)k.A.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Barbados?

Wegen fehlender Daten ist ein genaueres Gläubigerprofil nicht möglich. Unter den öffentlichen Auslandsschulden herrschen Anleihegläubiger sowie multilaterale Kreditgeber vor, während bilaterale Gläubiger fast keine Rolle spielen.

Zu den inländischen Gläubigern des Staates gehören neben heimischen Banken die Zentralbank und die öffentliche Rentenkasse (NIS).

Trend

Sowohl die öffentlichen als auch die Auslandsschulden sind im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung von Beginn des Jahrtausends bis 2016 stark angestiegen. Die Regierung strebt eine Stabilisierung der Schuldensituation und eine mittelfristige Absenkung der öffentlichen Schulden unter 100 Prozent der Wirtschaftsleistung an. Nach der jüngsten Enthüllung bislang versteckter Schulden erscheint dies fraglich.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Barbados

Bisher hat Barbados weder mit seinen öffentlichen noch mit seinen privaten Gläubigern je Schuldenerleichterungen ausgehandelt.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Schuldentragfähigkeitsanalyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 2016 sieht sowohl in der Schuldenhöhe als auch in dem aus ihr resultierenden Finanzierungsbedarf ein hohes Überschuldungsrisiko. Auch die Schuldenstruktur mit ihrer hohen Abhängigkeit von der Refinanzierung des laufenden Schuldendienstes über den Kapitalmarkt ist ein Grund zur Sorge.

Politische Empfehlungen

Barbados hat – wie der IWF lobend hervorhebt – eine makellose Bilanz, was die Bedienung seiner Auslandsverbindlichkeiten angeht. Das hat das Land allerdings nicht davor bewahrt, von den Agenturen Standard and Poor’s (CCC+) und Moody’s (Caa3) in den Ramsch-Bereich herabgestuft zu werden. Im Juni 2018 folgte wegen der Nicht-Bedienung der Coupon-Zahlung auf den Eurobond die weitere Herabstufung auf „Selective Default“ (SD). Die Regierung hat in Übereinstimmung mit dem IWF deutlich gemacht, dass eine Umschuldung unvermeidlich ist. Sie hat indes noch nicht erklärt, ob davon hauptsächlich Auslands- oder Inlandsschulden betroffen sein werden.

Wie seine ostkaribischen Nachbarn ist Barbados von externen Schocks in Form von Wirbelstürmen besonders bedroht. Die statistische Wahrscheinlichkeit von einem Hurrikan getroffen zu werden liegt jedes Jahr bei 10 Prozent. Selbst wenn die Regierung sich entscheidet, nicht unmittelbar eine Schuldenerleichterung anzustreben, sollte sie die Schaffung einer Entschuldungsoption für alle karibischen Inselstaaten für den Katastrophenfall unterstützen.

 

Stand: Juli 2018

 

 

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