Barbados

Hat Barbados ein Schuldenproblem?

Barbados hat mit die höchsten Schuldenindikatoren unter den generell hoch verschuldeten kleinen Inselstaaten der Karibik. Der sehr hohe Bedarf an neuen Krediten zur Finanzierung der laufenden Zahlungsverpflichtungen macht die Schuldensituation des Landes problematisch.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren

Barbados berichtet nicht an das Debtor Reporting System der Weltbank. Deshalb wurden die unten stehenden Zahlen aus verschiedenen weniger standardisierten Quellen für das Fiskaljahr 2015/16 zusammengestellt.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)105,540
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)282,9150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)6,615
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)105,549
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)361,6200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)502,6 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)k.A.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Die bereits sehr hohen öffentlichen Schulden im Verhältnis zum Bruttolandsprodukt würden noch höher liegen – nämlich bei 141,6 Prozent, wenn die Schulden des Staates bei der öffentlichen Rentenkasse (NIS) mit gerechnet würden.

Wer sind die Gläubiger von Barbados?

Wegen fehlender Daten ist ein genaueres Gläubigerprofil nicht möglich. Unter den öffentlichen Auslandsschulden herrschen Anleihegläubiger sowie multilaterale Kreditgeber vor, während bilaterale Gläubiger fast keine Rolle spielen.

Zu den inländischen Gläubigern des Staates gehören neben heimischen Banken die Zentralbank und die öffentliche Rentenkasse (NIS).

Trend

Sowohl die öffentlichen als auch die Auslandsschulden sind im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung von Beginn des Jahrtausends bis 2016 stark angestiegen. Die Regierung strebt eine Stabilisierung der Schuldensituation und eine mittelfristige Absenkung der öffentlichen Schulden unter 100 Prozent der Wirtschaftsleistung an. Ob das gelingen kann, ist auch aus der Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) fraglich.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Barbados

Bisher hat Barbados weder mit seinen öffentlichen noch mit seinen privaten Gläubigern Schuldenerleichterungen ausgehandelt.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Schuldentragfähigkeitsanalyse des IWF von 2016 sieht sowohl in der Schuldenhöhe als auch in dem aus ihr resultierenden Finanzierungsbedarf ein hohes Überschuldungsrisiko. Auch die Schuldenstruktur, mit ihrer hohen Abhängigkeit von der Refinanzierung des laufenden Schuldendienstes über den Kapitalmarkt, gibt Grund zur Sorge.

Politische Empfehlungen

Barbados hat – wie der IWF lobend hervorhebt – eine makellose Bilanz, was die Bedienung seiner Auslandsverbindlichkeiten angeht. Das hat das Land allerdings nicht davor bewahrt, von den Agenturen Standard and Poor’s (CCC+) und Moody’s (Caa3) in den Ramsch-Bereich herabgestuft zu werden. Entsprechend kostspielig ist aktuell die Kreditaufnahme. Die Regierung sollte abwägen, ob unter diesen Umständen die Schaffung von fiskalischem Spielraum durch eine Umschuldung mit einem spürbaren Erlasselement nicht die aussichtsreichere Lösung ist.

Wie seine ostkaribischen Nachbarn ist Barbados von externen Schocks in Form von Wirbelstürmen besonders bedroht. Die statistische Wahrscheinlichkeit von einem Hurrikan getroffen zu werden liegt jedes Jahr bei 10 Prozent. Selbst wenn die Regierung sich entscheidet, nicht unmittelbar eine Schuldenerleichterung anzustreben, sollte sie die Schaffung einer Entschuldungsoption für alle karibischen Inselstaaten für den Katastrophenfall unterstützen.

 

Stand: Januar 2018

 

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