Bolivien

Allgemeines zur Wirtschaft Boliviens

Bolivien zählt zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Die Wirtschaft ist abhängig von Rohstoffexporten von Erdgas, Metallen und Mineralien, außerdem von landwirtschaftlichen Exporterzeugnissen, wie Soja, Nüsse und Zucker. Bergbau und Landwirtschaft bilden das Standbein der Wirtschaft des Landes. Daher ist Boliviens Wirtschaftsentwicklung stark von Preisentwicklungen auf dem Weltmarkt abhängig. Der Mangel an in- und ausländischen Direktinvestitionen z.B. im Bergbaubereich, aber auch der tendenzielle Rückgang von Rohstoffpreisen, kann der Wirtschaftsentwicklung hinderlich sein.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)27,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)64,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)7,315
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)33,049
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)82,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)8,780 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)995,658 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC-Decision Point 2000 – Completion Point 2001
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1986, 1988 (Classic), 1990 (Toronto), 1992 (London), 1995 (Naples), 1998 (Lyon), 2001 (HIPC-Exit)
Privat:  1988, 1993

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: niedrig

 

Entwicklung der Verschuldungsindikatoren / Verwundbarkeiten im Hinblick auf Schuldentragfähigkeit:

  • Bolivien weist ein relativ hohes Maß an interner Verschuldung auf. Die Kreditaufnahme des Staates im Inland hat Mitte dieser Dekade die ausländische Kreditaufnahme vielfach ersetzt. Ende 2007 überstieg die interne Verschuldung des Staates bereits die gesamten öffentlichen und öffentlich garantierten Auslandsschulden (umgerechnet 3,7 Mrd. US-$ gegenüber 2,2 Mrd. US-$). Wichtigster interner Gläubiger sind die öffentlichen Pensionskassen, welche gesetzlich gezwungen wurden, einen Teil ihrer Rücklagen in Staatspapiere anzulegen. Im Falle einer neuen staatlichen Finanzkrise wären diese Staatsschulden eine soziale Zeitbombe.
  • Die bolivianische Regierung unter Evo Morales hat in den Jahren hoher Exporteinnahmen vor 2008 in großem Umfang neue Kredite aufgenommen. Wichtige Geldgeber waren die Regierungen von Argentinien und Venezuela mit jeweils einer halben Milliarde US$. Beide sind im Zuge der Weltfinanzkrise selbst in Schwierigkeiten geraten und zu weiteren Konzessionen gegenüber Bolivien kaum bereit und in der Lage. Auch ist die interne Verschuldung ebenso beständig auf 5,2 Mrd. US$ im April 2009 weiter angewachsen.
  • Falls die wirtschaftliche Krise anhält, muss unbedingt verhindert werden, dass wiederum Kredite von Weltbank und IWF die Zahlungsfähigkeit Boliviens zunächst künstlich aufrecht erhalten – nur um letztlich doch zu einer teuren und langwierigen Streichung der Schulden bei diesen multilateralen Institutionen zu kommen.

Weiterführende Links:

Präsentation: Länderinfo Bolivien – von Geld und Schulden

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