Burundi

Hat Burundi ein Schuldenproblem?

Nur ein einziger von Burundis Schuldenindikatoren liegt zum Stichtag 31.12.2015 im kritischen Bereich, dafür sehr deutlich: Die Auslandsschulden im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen entsprechen dem Doppelten des Grenzwerts. Das zeigt, dass weder die gesamte Volkswirtschaft des Landes noch der Staat Burundi bereits kritisch überschuldet ist. Es besteht „lediglich“ ein Missverhältnis zwischen dem Schuldenstand und den wegen der Exportschwäche relativ geringen Hartwährungseinnahmen. Da aber auch die Hartwährungskredite zu sehr günstigen Konditionen vergeben wurden, liegt der laufende Schuldendienst auf diese hohen Auslandsschulden knapp unter der Grenze von 15 Prozent der jährlichen Exporteinnahmen und ist damit (noch) tragbar.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)20,340
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)325,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)13,515
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)42,449
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)185,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)408,1 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)26,0 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Burundi?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Burundi hat ein ausgesprochen überschaubares Gläubigerprofil. Im Ausland ist nur der burundische Staat, nicht aber private Unternehmen verschuldet. Abgesehen von einer kleinen Schuld bei ausländischen Privatbanken gibt es nur Schulden bei öffentlichen Gläubigern und diese sind sämtlich zu Entwicklungshilfebedingungen vergeben worden. Bemerkenswert ist, dass unter den bilateralen Gläubigern sämtliche Mitglieder des Pariser Clubs (also die traditionellen Industrieländer und Geber) nach der Entschuldung unter HIPC/MDRI nicht wieder mit Kreditfinanzierungen eingestiegen sind. Alle Auslandsschulden des Staates bestehen gegenüber „neuen Gebern“.

Trend

Gegenüber 2011 haben sich Burundis Schuldenindikatoren überwiegend verschlechtert, aber weniger dramatisch als in anderen HIPCs. Die Einstufung in die Risikokategorien von erlassjahr.de hat sich gegenüber 2014 auch nur geringfügig verschlechtert.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Burundi

Vor seiner Entschuldung unter der HIPC/MDRI-Initiative hat Burundi einmal im Pariser Club umgeschuldet, nämlich 85 Millionen US-Dollar der damals beim Club bestehenden 131 Millionen US-Dollar im März 2004 unter der Naples Terms.

Eine tatsächlich fast vollständige Schuldenstreichung wurde dann aber erst am HIPC-Decision Point 2005 unter Cologne Terms und 2009 am HIPC-Completion Point mit der vollständigen Streichungen aller Forderungen des Pariser Clubs, der IDA, des Afrikanischen Entwicklungsfonds und des IWF (unter der MDRI) erreicht. Burundi war wegen der schwachen Regierungen eines der Länder die als (vorläufig) letzte unter der HIPC/MDRI entschuldet wurden.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Trotz der aktuell niedrigen Indikatoren schätzt der IWF das Risiko erneuter Überschuldung für Burundi kritischer ein als erlassjahr.de. Der IWF diagnostiziert ein „hohes“ Überschuldungsrisiko. Das heißt: Das Land wird unter dem Basisszenario, welches der IWF für das wahrscheinlichste hält, in den nächsten zehn Jahren mindestens einen der kritischen Grenzwerte bei den Schuldenindikatoren dauerhaft überschreiten.

Es muss berücksichtigt werden, dass die Schuldenindikatoren für Ende 2015, die der Analyse von erlassjahr.de zugrunde liegen, nur zu einem sehr geringen Teil die Auswirkungen der politischen Turbulenzen und des faktischen Bürgerkrieges nach den letzten Wahlen und der Weigerung des Präsidenten, auf eine Kandidatur zu verzichten, abdecken.

Politische Empfehlungen

Bis zu einer politischen Befriedung des Landes und der Wiederherstellung grundlegender menschenrechtlicher Standards sollten ausländische Kredite nur in Ausnahmefällen zur Verfügung gestellt werden. Auch eine – auf der Grundlage der Einschätzung des IWF zu erwartende – Umschuldung der aktuell existierenden Auslandsschulden des Landes sollte erst mit einer legitimen und rechtsstaatlichen Grundsätzen verpflichteten Regierung vereinbart werden.

Dann allerdings sollten fragwürdige Finanzierungen wie etwa die aus Indien für den Kabu16-Staudamm angesprochen werden. Für dieses Großprojekt hatte der IWF die Beschränkung von Neukreditaufnahmen explizit aufgehoben, ohne dass eine Begründung dafür gegeben wurde.

Weiterfürende Informationen und Materialien:

 

Stand: Februar 2017

 

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