Dominica

Hat Dominica ein Schuldenproblem?

Dominica befindet sich seit der Aufhebung der europäischen Zollpräferenzen für karibische Bananen in einer kritischen Situation. Das Hauptexportgut konnte seither nur unzulänglich durch Einnahmen aus dem Tourismus ersetzt werden. Zudem erweist der Tourismus sich als volatile Einnahmequelle. Entsprechend sind die Schuldenindikatoren seit den 90er Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Zugespitzt wurde die Schuldensituation Dominicas zusätzlich durch den Hurrikan Erica im August 2015.

Angesichts der Schuldenstrukturen besteht das Hauptproblem in der Untragbarkeit der öffentlichen (internen und externen) Schulden. Die Auslandschulden im Verhältnis zu den Hartwährungseinnahmen aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen liegen noch knapp unter den kritischen Grenzwerten.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)63,240
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)145,1150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)10,815
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)82,449
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)237,0200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)282,1 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)20,9 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Dominica?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Dominica hat keine Auslandsschulden auf Seiten seiner Unternehmen, Banken oder Privatpersonen. Alle Auslandsschulden bestehen ausschließlich auf Seiten des Staates. Darunter mehr als drei Viertel zu konzessionären (Entwicklungshilfe-)Bedingungen.

Es gibt eine Unstimmigkeit zwischen den Angaben der Weltbank, die überhaupt keine nicht-konzessionären bilateralen Schulden ausweist und denen des Pariser Clubs, der von den insgesamt 102,7 Millionen US-Dollar Schulden bei bilateralen öffentlichen Gläubigern 41 Millionen für seine Mitglieder reklamiert und von denen wiederum 10 Millionen US-Dollar als nicht-konzessionäre Handelsforderungen ausweist. Die einzigen Club-Mitglieder mit Forderungen an Dominica sind Frankreich und Großbritannien.

Trend

In den letzten fünf Jahren waren die Indikatoren stabil oder stiegen leicht an. Die Auswirkungen von Hurrikan Erika sind an den Daten zum 31.12.2015 noch nicht ablesbar.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Dominica

Dominica hat bislang noch nicht im Pariser Club der Gläubigerregierungen verhandelt und war für die HIPC/MDRI-Initiative nicht qualifiziert. Seine Staatsanleihen hat Dominica im Jahr 2004 einmal umgeschuldet, woran sich allerdings mehr als ein Viertel aller Anleihezeichner nicht beteiligt haben.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Im August 2015 zerstörte Hurrikan Erica nach Berechnungen der Weltbank 93 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Regierung versuchte zunächst den Wiederaufbau mit bescheidener Hilfe aus dem Ausland hauptsächlich mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Anfang 2016 bat die Regierung ihre öffentlichen Gläubiger dann doch um Schuldenerleichterungen. Frankreich und Großbritannien verwiesen auf den Pariser Club, der zunächst überhaupt nicht reagierte, Ende 2016 aber schließlich erklärte, Dominica solle doch mit den einzelnen Gläubigern verhandeln. Statistisch ereilt Dominica in jedem sechsten Jahr eine Naturkatastrophe von Ericas Kaliber. Von daher besteht die größte Gefahr für Dominicas Schuldentragfähigkeit in dem Zusammentreffen dieser natürlichen Bedrohung und der Weigerung der Gläubiger, dieser Verwundbarkeit des Schuldners Rechnung zu tragen.

Politische Empfehlungen

Dominica sollte sich mit seinen karibischen Nachbarn und eventuell der ganzen Gruppe der Kleinen Inselentwicklungsstaaten (engl.: Small Island Developing States, SIDS) um eine regionale Entschuldungsoption bemühen, welche eine halb-automatische Zahlungseinstellung und nötigenfalls eine Reduzierung der Auslandsschulden im Falle einer Naturkatastrophe eines bestimmten Ausmaßes bewirken würde.

 

Stand: Februar 2017

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