Dominikanische Republik

Hat die Dominikanische Republik ein Schuldenproblem?

Die Dominikanische Republik hat kein akutes Schuldenproblem. Einzig der laufende Auslandsschuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen liegt deutlich über dem kritischen Grenzwert.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)41,640
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)151,2150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)29,715
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)34,949
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)196,3200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)23,123 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)4,805 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger der Dominikanischen Republik?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Zu den bilateralen öffentlichen Gläubigern gehört in bescheidenem Umfang auch Deutschland. 18 Millionen Euro aus der Entwicklungszusammenarbeit und 2 Millionen Euro aus bundesverbürgten Handelsgeschäften standen Ende 2015 aus. Der Betrag nimmt Jahr für Jahr ab, da die Dominikanische Republik beide Forderungskategorien kontinuierlich zurückzahlt.

Trend

Die drei auf den Auslandsschuldenstand bezogenen Indikatoren weisen einen deutlichen Anstieg auf.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Dominikanische Republik

Die Dominikanische Republik hat bisher vier Mal im Pariser Club mit ihren öffentlichen Gläubigern verhandelt. Nur einmal, im Jahr 2001, wurde eine Umschuldung mit leicht vergünstigten Bedingungen gewährt (Houston Terms), während die anderen Umschuldungen zu Classic Terms, also als reine Verlagerung existierender Zahlungsverpflichtungen in die Zukunft, erfolgten; zuletzt 2004 und 2005.

Für die multilaterale HIPC-Initiative war die Dominikanische Republik als Mitteleinkommensland nicht qualifiziert.

1994 profitierte die Dominikanische Republik von einer Umwandlung ihrer Bankenschulden in Anleihen im Rahmen des Brady-Plans. Dabei wurde der Nennwert der Schulden reduziert. 2005 wurden auch existierende Anleihen umgetauscht, allerdings ohne ein Erlasselement.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Dominikanische Republik ist nur zu einem geringen Teil bei Entwicklungshilfegebern verschuldet. Der überwiegende Teil der Schulden besteht zu kommerziellen Bedingungen. Die wichtigste Gläubigergruppe sind private Financiers, aber auch „harte“ multilaterale Kredite spielen eine nicht unbedeutende Rolle. Der hohe Anteil der Zahlungsverpflichtungen zu Marktbedingungen erklärt auch den „Ausreißer“ des Schuldendienstes im Verhältnis zu den Exporteinnahmen, der als einziger deutlich über dem Grenzwert liegt, während alle anderen Indikatoren nur knapp über oder deutlich darunter liegen. Allerdings sind die drei Indikatoren, die Ende 2015 knapp oder deutlich über dem Grenzwert liegen, seit Beginn der Dekade deutlich angestiegen.

Das größte Risiko für die Schuldentragfähigkeit besteht im Moment in dem möglichen Effekt eines Anstiegs globaler Zinssätze. Wegen ihres hohen kontinuierlichen Refinanzierungsbedarfs könnte eine kritische Situation eintreten, wenn es allzu teuer wird, den laufenden Schuldendienst durch Neukreditaufnahme zu finanzieren.

Politische Empfehlungen

Es besteht aktuell kein Umschuldungsbedarf. Allerdings sollten die Behörden gegenüber allzu verlockenden privaten Kreditangeboten an den Kapitalmärkten tendenziell zurückhaltend sein.

 

Stand: Februar 2017

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