Dschibuti

Hat Dschibuti ein Schuldenproblem?

Die Daten für Ende 2015 signalisieren eine entspannte Schuldensituation. Allerdings begann das Land 2016 mit großen Infrastrukturinvestitionen im Umfang von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar über drei Jahre. Diese zu einem großen Teil marktmäßig verzinsten Kredite erhöhen das Überschuldungsrisiko von 2017 an beträchtlich.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)66,540
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)193,4150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)7,215
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)39,549
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)107,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)1,169 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)43,7 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Dschibuti?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Dschibuti ist Ende 2015 fast ausschließlich bei Entwicklungshilfegebern verschuldet. Nicht-konzessionäre Schulden bei den bilateralen Gebern, bei den internationalen Finanzinstitutionen und bei privaten Gläubigern spielen praktisch keine Rolle.

Deutschland hat keine Forderungen an Dschibuti, seit 2014 die letzten kleinen Beträge zurückgezahlt wurden.

Trend

Alle Indikatoren haben sich von 2014 auf 2015 leicht verbessert mit Ausnahme des Auslandsschuldenstandes im Verhältnis zu den Exporteinnahmen. Dieser Indikator ist angestiegen, weil die Schulden schneller gewachsen sind als die Einnahmen aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen.

2016 allerdings hat Dschibuti große Infrastrukturvorhaben mit marktmäßigen Krediten vor allem aus China finanziert, so dass ab Stichtag 31.12.2016 und darüber hinaus sowohl die Schuldenindikatoren ansteigen als auch die Zusammensetzung der Schulden sich in Richtung auf teure marktmäßige Kredite verändern wird.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Dschibuti

Dschibuti hat bislang zwei mal im Pariser Club umgeschuldet: 2000 zu Classic Terms, das heißt in Form einer Verlängerung von Zahlungsverpflichtungen in die Zukunft ohne Schuldenerleichterungen, und 2008 in Form einer Zahlungsverlängerung zu verbesserten Konditionen, also mit Schuldenerleichterung unter den Houston Terms. Da private Gläubiger keine nennenswerte Rolle spielen, gab es mit ihnen auch keine Umschuldungen. Für die HIPC-Initiative war Dschibuti nicht qualifiziert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Trotz der zunächst moderaten Indikatoren und des leichten Trends zur Verbesserung bescheinigt der IWF Dschibuti eine „hohe“ Überschuldungsgefahr. Gemeint ist damit, dass nach den Vorhersagen des IWF das Land auch unter dem Basisszenario, welches der IWF für die wahrscheinlichste Entwicklung in den nächsten fünf Jahren hält, wenigstens einen der kritischen Indikatoren überschritten wird. Dabei sind die Schwellenwerte von Weltbank und IWF – abhängig von der Leistungsfähigkeit von Staat und Wirtschaft – teilweise konservativer als die, die erlassjahr.de zugrunde legt.

Hintergrund dieser Annahmen des IWF sind große extern und zu Marktkonditionen finanzierte Infrastrukturvorhaben, vor allem zur Verbesserung der Bahn-, Straßen-, Wasserleitungs- und Ölpipeline-Verbindungen mit Äthiopien. Dabei weist der IWF in seinem letzten Bericht schon auf zahlreiche unklare Punkte bei der Umsetzung der Großinvestitionen, so etwa die fehlende Energieversorgung bei dem teuersten Projekt, der Bahnlinie von Dschibuti nach Addis Abeba, sowie dem noch fehlenden rollenden Material. Tatsächlich überschreiten ab 2016 fast alle Indikatoren die Grenzwerte des IWF.

Politische Empfehlungen

Dschibuti ist ein Paradebeispiel für ein kleines, von Außenfinanzierungen abhängiges Land, welches mit Kreditaufnahmen große Entwicklungsanstrengungen unternimmt. Wenn die ambitionierten Projekte technisch und wirtschaftlich zu einem Erfolg werden, kann das Land einen großen Sprung in der wirtschaftlichen Entwicklung machen. Wenn nicht, wird es darauf angewiesen sein, Zugang zu schneller und die Menschenrechte respektierender Entschuldung zu bekommen.

 

Stand: März 2017

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