El Salvador

Hat El Salvador ein Schuldenproblem?

Ende 2015 gehörte El Salvador zusammen mit Jamaika und Grenada zu den am kritischsten verschuldeten Ländern der westlichen Hemisphäre. Die Analysen des IWF wie auch unabhängiger Beobachter lassen zweifelhaft erscheinen, dass El Salvador ohne spürbare Schuldenerleichterungen im Rest dieser Dekade eine ungeregelte Zahlungseinstellung vermeiden kann.

Ende 2015 lagen alle Schuldenindikatoren El Salvadors im kritischen Bereich. Bis auf den Auslandsschuldendienst zu den Exporteinnahmen und den Stand der öffentlichen Schulden im Verhältnis zur jährlichen Wirtschaftsleistung sogar sämtlich in der höchstmöglichen Kategorie der Untersuch von erlassjahr.de im Schuldenreport 2017.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)60,640
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)220,6150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)17,015
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)58,749
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)323,3200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)14,982 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)1,155 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von El Salvador?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Die Auslandsverschuldung des Staates besteht zu gut einem Viertel gegenüber multilateralen Gläubigern, und zwar, weil El Salvador nie ein Niedrigeinkommensland war, hauptsächlich zu Marktkonditionen. Ein weiteres Viertel schuldet der Staat Investoren, die seine Staatsanleihen gekauft haben. Konzessionäre Kredite aus den Entwicklungshilfehaushalten reicher Geberländer oder von den internationalen Finanzinstitutionen spielen demgegenüber nur eine marginale Rolle.

Ein Drittel aller Auslandsschulden El Salvadors bestehen auf Seiten privater Schuldner und zwar fast ausschließlich gegenüber Banken im Ausland. An den Anleihemärkten konnten salvadorianische private Emittenten – anders als der Staat – bislang nicht Fuß fassen.

Trend

Die gesamten öffentlichen Schulden El Salvadors sind sowohl im Verhältnis zur gesamten Wirtschaftsleistung als auch im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen zwischen 2011 und 2015 um mehr als 10 Prozent gestiegen. Demgegenüber verzeichnen die gesamten Auslandsschulden noch ein freundlicheres Bild, weil es gelungen ist, die Schuldendienstquote stabil zu halten. Das aber liegt wesentlich an dem relativ hohen Anteil der variabel verzinsten Auslandsschulden und dem aktuell extrem niedrigen weltweiten Zinsniveau. Mit dem Anstieg des Zinsniveaus der US-amerikanischen Federal Reserve dürften auch die Belastungen für den Zinsdienst im dollarisierten El Salvador wieder deutlich zunehmen.

Bisherige Schuldenerleichterungen für El Salvador

Im Pariser Club hat El Salvador zum bisher einzigen Mal 1990 verhandelt und einen Betrag von 143 Millionen US-Dollar zu konzessionären Bedingungen umgeschuldet (Houston Terms). Die Zahlungsverpflichtungen aus diesem Abkommen werden weiterhin von El Salvador bedient. Deutschland war allerdings nicht unter den beteiligten Gläubigern.

Umschuldungen gegenüber den privaten Gläubigern gab es bislang nicht. Für die multilateralen Entschuldungsinitiativen HIPC und MDRI war El Salvador als Mitteleinkommensland nicht qualifiziert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Schon 2014 warnte der IWF in seiner regelmäßigen Begutachtung, dass höheres Wachstum alleine nicht ausreichen würde, um die Schulden des Landes nicht außer Kontrolle geraten zu lassen.

Besondere Risiken liegen in der dynamisch wachsenden Verschuldung des salvadorianischen Privatsektors und in den Kosten des von der rechtsgerichteten ARENA-Regierung privatisierten Pensionssystems.

Dazu kommen Risiken durch die große Abhängigkeit des Landes von den Rücküberweisungen salvadorianischer Migrant/innen in Zeiten, da die US-Regierung diesen massiv mit Deportation droht sowie schließlich die überdurchschnittliche Empfindlichkeit des salvadorianischen Ökosystems für die Auswirkungen des Klimawandels.

Die Ratingagentur Fitch hat El Salvador im Februar 2017 auf „B“ mit negativem Ausblick herabgestuft. Die Agentur nennt als einen der Hauptgründe dafür die politische Polarisierung in die regierende progressive ehemalige Befreiungsbewegung FMLN und die rechtsgerichtete ARENA.

Politische Empfehlungen

In Lateinamerika liegt El Salvador in der Spitzengruppe der von Überschuldung bedrohten Länder. Es sollte seine bisherige pro-aktive Rolle bei der Schaffung fairer und transparenter Entschuldungsverfahren in den Vereinten Nationen deshalb fortsetzen.

 

Stand: März 2017

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