Georgien

Hat Georgien ein Schuldenproblem?

Die Verschuldung des georgischen Staates alleine ist aktuell weder im Inland noch im Ausland ein Problem. Trotz starken Wachstums der Schulden bei stagnierender Wirtschaftsleistung liegt die öffentliche Verschuldung noch immer unter den niedrigsten kritischen Grenzwerten.

Kritisch ist allerdings die gesamte (private und öffentliche) Auslandsverschuldung des Landes. Hier werden die entsprechenden Grenzwerte teilweise deutlich überschritten.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)118,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)223,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)37,615
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)44,650
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)157,1200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)15,987 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)2,694 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

 

Wer sind die Gläubiger von Georgien?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Georgiens Schulden bestehen nur zu rund einem Drittel von Seiten des Staates. Der größere Teil sind Schulden georgischer Unternehmen und Banken bei ausländischen Gläubigern.

Die wichtigsten Gläubiger des georgischen Staates sind multilaterale Geber. Für ein Mitteleinkommensland weist Georgien noch immer einen relativ hohen Anteil Schulden zu konzessionären Bedingungen bei multilateralen Gläubigern auf.

Bilaterale öffentliche Gläubiger spielen mit Forderungen im Umfang von insgesamt 736 Millionen US-Dollar eine weniger bedeutende Rolle. Von diesen Außenständen entfallen 407 Millionen. US-Dollar Entwicklungshilfeforderungen und 80 Millionen US-Dollar Handelsforderungen auf die traditionellen Gläubiger im Pariser Club. Von den Entwicklungshilfeschulden entfällt mit 152 Millionen Euro ein wesentlicher Teil auf die Bundesrepublik Deutschland.

Trend

Alle Schuldenindikatoren Georgiens sind von 2012 bis 2016 um mindestens 10 Prozent angestiegen. Während die absolute Höhe der Auslandsschulden etwa im Rhythmus des globalen Trends gewachsen ist, ist die Wirtschaft bis 2014 weniger dynamisch gewachsen, von 2014 bis 2016 gar deutlich eingebrochen. Entsprechend stark war der Anstieg der Schuldenindikatoren, die auf unterschiedliche Weise das Verhältnis von Schuldenbelastung und Wirtschaftsleistung beschreiben.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Georgien

Georgien hat im März 2001 und im Juli 2004 insgesamt relativ bescheidene 210 Millionen US-Dollar Schulden gegenüber seinen öffentlichen bilateralen Gläubigern umgeschuldet. 2001 geschah dies ohne ein Erlasselement, 2004 unter den Houston Terms mit begrenzten Zugeständnissen beim Schuldendienst. Beide Abkommen werden noch weiter abbezahlt.

Die öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern wurden bislang noch nicht umgeschuldet.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die privaten Auslandsschulden sowohl in der Form von Anleihen (mehr als 1 Milliarde US-Dollar ausstehend) als auch die seit 2010 mehr als verdoppelten Bankenschulden (mehr als 6 Milliarden US-Dollar) stellen eine erhebliche Belastung für die Zahlungsbilanz des Landes in Zeiten ebenfalls spürbar zurückgehender Hartwährungseinnahmen aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen dar. Das Schließen der dadurch entstehenden Leistungsbilanzdefizite durch internationale Kreditaufnahme hat zu den schnell steigenden Schuldenindikatoren nach 2014 geführt.

Ein positiver Schock kann darin bestehen, dass Georgien gerade wieder knapp unter den Grenzwert beim Pro-Kopf-Einkommen für eine Klassifizierung als Lower Middle Income Country gerutscht ist und sich damit erneut für konzessionärere Finanzierungen multilateraler und bilateraler Geber qualifizieren könnte, wie auch für Schuldenumwandlungen unter der deutschen Schuldenumwandlungsfazilität.

Politische Empfehlungen

Der georgische Staat muss Wege finden, die internationale Kreditaufnahme des Privatsektors zu kontrollieren. Die Anregung des Internationalen Währungsfonds, private externe Kreditaufnahme durch die Erleichterung von ÖPPs noch weiter zu fördern, erhöht die Risiken für die Schuldentragfähigkeit an dem kritischsten Punkt.

Möglichkeiten, durch Schuldenumwandlungen öffentliche Zahlungsverpflichtungen in Investitionen in die soziale Entwicklung des Landes zu verwandeln, sollten genutzt werden.

 

Stand: April 2018

 

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