Grenada

Hat Grenada ein Schuldenproblem?

Auch nach begrenzten Schuldenerleichterungen durch einzelne Gläubiger im Jahr 2015 sind Grenadas Schuldenindikatoren hoch. Szenarien des IWF, nach denen Grenada aus den verbliebenen Schulden herauswachsen kann, bauen auf sehr optimistische Annahmen hinsichtlich des Wachstums, einer ungestörten fiskalischen Konsolidierung und des Ausbleibens der in der Region zu recht gefürchteten Wirbelstürme.

Auch wenn Grenada aktuell den meisten (aber nicht allen) Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann, ist die weitere Tragfähigkeit zweifelhaft.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)140,240
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)436,1150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)16,215
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)94,349
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)352,5200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)611,3 Mio. (2014)
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)31,6 Mio. (2014)

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten 

Wer sind die Gläubiger von Grenada?

GRN Gläubigerprofil 2016-10

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Die wichtigsten Gläubigergruppen Grenadas im Jahre 2014 sind die Inhaber der Staatsanleihen sowie die multilateralen Gläubiger mit ihren zinsgünstigen Kreditfenstern.

Der Staat hat folgende Schulden gegenüber einzelnen Gläubigern:

GläubigerMillionen US-$
Multilaterale Gläubiger
Karibische Entwicklungsbank (CDB)134,7
IDA (Weltbank-Weichkreditfenster)77,7
IBRD (Weltbank Marktkredite)14,9
IWF29,3
Weitere Multilaterale Gläubiger23,4
Bilaterale Gläubgier
Frankreich4,5
Russland0,3
USA3,0
Großbritannien3,2
Kuwait17,0
Taiwan19,4
Trinidad & Tobago32,9
Venezuela10,0
Sonstige Bilaterale Gläubiger5,6
Private Gläubiger
2040 Staatsanleihe183,7
Sonstige Staatsanleihen5,6
Sonstige Privatgläubiger-Forderungen25,7

Trend

Grenadas Schuldenindikatoren sind seit der letzten Umschuldung im Pariser Club kontinuierlich gestiegen. Anfang 2015 gehörten sie zu den höchsten der Welt.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Grenada

Vor der aktuellen Krise hatte Grenada im Jahr 2006 mit dem Pariser Club eine weitgehend wirkungslose Umschuldung vereinbart.

2015 erreichte das Land gegenüber seinen privaten Gläubigern eine Teilumschuldung seiner größten ausstehenden Anleihe, die deren Nennwert um rund 5% reduzierte. Da auch die Zinsen abgesenkt und Zahlungsfristen gestreckt wurden, bemisst sich die Erleichterung beim Schuldendienst über die gesamte Laufzeit der Anleihe auf rund 50%. Ebenfalls konnte mit Taiwan eine Schuldenerleichterung in vergleichbarer Größe vereinbart werden. Die Gläubiger des Pariser Clubs lehnten eine Schuldenerleichterung ab und schuldeten stattdessen den eher bescheidenen Betrag von 8 Millionen US-Dollar nur zu ursprünglichen Zinssätzen um.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Da auch nach den Vereinbarungen mit den Anleihegläubigern und mit Taiwan weiterhin Zahlungsrückstände bestehen, betrachtet der IWF Grenada auch im September 2016 weiterhin als in debt distress.

Nach Ansicht von erlassjahr.de sind die mit einigen Gläubigern erreichten Schuldenerleichterungen keineswegs ausreichend, um mittelfristig ein tragfähiges Verschuldungsniveau zu erreichen. Vor allem ist es nicht gelungen, alle Gläubiger, einschließlich der multilateralen zu einer Umschuldung zu bewegen.

Der IWF prognostiziert routinemäßig allen Ländern, die sich seinen Programmen unterwerfen, fallende Schuldenindikatoren. Dabei wird angenommen, dass sich das bescheidene Wachstum der letzten zehn Jahre (0,7% pro Jahr) auf 2,7% pro Jahr im Durchschnitt der kommenden Dekade beschleunigt. Allerdings hat Grenada zwischen 1980 und 2014 allein durch Naturkatastrophen (vor allem Wirbelstürme) Schäden von durchschnittlich 6,9% seiner Wirtschaftsleistung pro Jahr erlitten.

Politische Empfehlungen

Die Umschuldungen im Jahr 2015 haben gezeigt, dass in den von den Gläubigern beherrschten Verfahren (wie dem Pariser Club) nur sehr begrenzte Schuldenerleichterungen zu erreichen sind. Die Kirchen in Grenada haben deshalb eine umfassende Schuldenkonferenz aller Gläubiger des Landes gefordert. Diese Forderung konnte die Regierung Grenadas nicht durchsetzen.

Grenada sollte nun zusammen mit seinen Nachbarländern auf die Schaffung einer regionalen Entschuldungsinitiative hinwirken, die den fast durchweg hochverschuldeten Ländern der Ostkaribik für den Fall weiterer externer Schocks die Möglichkeit zu einer fairen und umfassenden Entschuldung einräumen würde.

Weitere Informationen und Material

 

Stand: Oktober 2016

 

Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des

bmz_cmyk_de-201701