Griechenland

Allgemeines zur Wirtschaft Griechenlands

Griechenland, EU-Mitglied seit Beginn des Jahrtausends, ist ein binnenwirtschaftlich orientierter Staat. Der öffentliche Sektor trägt ca. 40% zur jährlichen Wirtschaftsleistung bei und der Binnenkonsum ist stark ausgeprägt, weshalb die griechische Wirtschaft die Sparmaßnahmen im Rahmen der griechischen Schuldenkrise besonders hart treffen. Der Tourismussektor macht ca. 15% der jährlichen Wirtschaftsleistung aus. Besonderes Potential wird dem Land in der Solar- und Windenergie bescheinigt. Im Zeitraum 2003 bis 2007 verzeichnete Griechenland ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum um 4% aufgrund des positiven globalwirtschaftlichen Klimas und hohen Ausgaben für Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Olympischen Spiele im Jahr 2004. Im Jahr 2009 begann die wirtschaftliche und fiskalische Abwärtsspirale des Landes im Rahmen der globalen Finanzkrise und dem Versagen der griechischen Regierung, dem kontinuierlich wachsenden Haushaltsdefizit Herr zu werden. Bereits im Jahr 2009 fiel die griechische Wirtschaft um 2%, im Jahr 2010 um 4%. Dabei ist das Haushaltsdefizit Griechenlands ein strukturelles und der EU bereits vor Eintreten der Krise bekanntes Problem. Im Jahr 2009 erreichte das Defizit eine Rekordhöhe von 15% der jährlichen Wirtschaftsleistung; erlaubt sind 3% im Rahmen der EU-Konvergenzkriterien.

Nach der offiziellen Erklärung der drohenden Zahlungsunfähigkeit im April 2010 einigten sich EU, Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds auf ein erstes Hilfspaket unter der Auflage, dass Griechenland ein straffes Sparprogramm umsetzt. Zwei weitere Hilfspakete sowie Diskussionen über einen freiwilligen Schuldenerlass des Privatsektors folgten bis Februar 2012, um die faktische Insolvenz Griechenlands nicht eintreten zu lassen, den Schuldendienst künstlich aufrecht zu erhalten und das Vertrauen der Finanzmärkte zu stärken.

Aufgrund der von der sogenannten „Troika“ auferlegten harten Sparmaßnahmen, die der Defizitreduzierung dienen, schrumpfte die Wirtschaftsleistung des Landes jedoch seit April 2010 kontinuierlich. Dadurch garantiert die wirtschaftliche Rezession Griechenlands die Untragbarkeit der Verschuldung und Defizite des Landes und verhindert, dass Griechenland alleine in der Lage ist, sich aus der Krise heraus zu manövrieren.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)218,340
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)1444,9150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)k.A.15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)177,149
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)382,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)514,4 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)k.A.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014


Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC noch nicht umgesetzt
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: k.A.
Privat:  2012

Entwicklung der Verschuldungsindikatoren / Verwundbarkeiten im Hinblick auf Schuldentragfähigkeit:

Im Hinblick auf die Schuldentragfähigkeit ändern sich die Entwicklungen rasant: Seit April 2010 musste der Internationale Währungsfonds, der für die Beurteilung der Schuldentragfähigkeit und die Umsetzung der vorgeschriebenen Sparziele durch die griechische Regierung zuständig ist, seine Annahmen zur Schuldentragfähigkeitsanalyse bereits mehrmals revidieren – häufig zum schlechteren, da Wachstumsvorhersagen zu optimistisch und angenommene Entwicklungen nicht eingetreten sind. Die neueste Fassung ist von Februar 2012.

  • Die Verschuldung des Landes ist aktuell nicht tragbar und wird voraussichtlich auch in naher Zukunft nicht tragfähig sein. Die Schuldenquote (öffentlicher Schuldenstand im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung) wird bis Ende des Jahres laut Schätzungen voraussichtlich auf über 198% klettern, von ca. 162,8% in 2011 (Quelle: FTD, 18.01.2012). Griechenland ist trotz monströser Sparanstrengungen im Hinblick auf sein Haushaltsdefizit und Wirtschaftswachstum schlechter ins Jahr 2011 gestartet, als von der Troika erwartet. So lag das Wirtschaftswachstum des Landes bei -6%. Vorhergesagt (nach bereits mehrfacher Revidierung nach unten) waren -5,5%. Laut unabhängigen Experten erreicht Griechenland voraussichtlich bis 2015 kein positives Wirtschaftswachstum mehr (FTD, 16.01.2012). Dies hängt mit der anhaltenden wirtschaftlichen Rezession des Landes zusammen, die mit der Art der Sparmaßnahmen zusammenhängt und dadurch weiterhin noch verschlimmert wird. Aus diesem Grund wird Griechenland mit den aktuell geplanten Maßnahmen wahrscheinlich auch mittelfristig keine Schuldentragfähigkeit erlangen, wenn es keinen umfassenden Schuldenerlass erhält.
  • Der IWF prognostiziert eine Schuldenquote von 129% bis 2020; von der Troika angepeilt war eine Quote von 120%, die sie als „tragfähig“ erachtet. Unabhängige Expert/innen, wie der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff, halten jedoch nicht einmal 90% für ein Land wie Griechenland kurz- oder langfristig für tragbar (Welt online, 03.01.2012). Nur zur Erinnerung: Die EU legt eine Tragfähigkeitsgrenze von 60% fest! Zudem erreicht das Land 120% Schuldenstand zum Bruttonationaleinkommen bis 2020 auch nur, „wenn alles gut geht“, der Privatsektor also – unter einer fast 100%igen Beteiligungsquote- einen Großteil der verbliebenen Schulden streicht, die griechische Wirtschaft nicht noch weiter schrumpft, und das Land wieder Zugang zum Kapitalmarkt erhält.
  • Hinzu kommt, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten für die gesamte Europäische Union als auch global verschlechtert haben. Dies hat auch negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachsum in Griechenland.
  • Die Umsetzung der strengen Sparmaßnahmen stehen in starkem Konflikt mit der dringenden Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Ohne die Umsetzung der vorgegebenen Sparmaßnahmen erhält Griechenland jedoch keine Gelder aus den Hilfspaketen, ohne das es die Zahlungsunfähigkeit erklären muss, was wiederum bei aktuell vorhandenen Regelungsmechanismen eine ungeordnete Insolvenz bedeutet. So wird am 20. März eine nächste Anleihe von über 14 Milliarden Euro fällig. Ohne Wettbewerbsfähigkeit und positivem Wirtschaftswachstum wird es dem Land jedoch unmöglich, den Teufelskreis der Verschuldung zu durchbrechen. Somit wird Griechenland (bzw. sein Schuldendienst) aktuell künstlich „am Leben erhalten“, wodurch jedoch die Aussicht darauf, sich bald wieder alleine finanzieren zu können, zunehmend sinkt.
  • Das bedeutet, dass das Land ohne einen fundamentalen Schuldenschnitt nicht aus der Krise kommt. Auf dem Finanzministertreffen am 21.02.2012, welches das Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro beschloss, wurde eine Privatsektorbeteiligung von 53,5% beschlossen. Allerdings ist diese weiterhin freiwillig. In Bankenkreisen wird höchstens von einer Beteiligungsquote von 75% ausgegangen, mindestens 90% sind jedoch absolut nötig, um die geplante Schuldentragfähigkeitsmarke (siehe oben) zu erreichen (die ZEIT vom 11.01.2012). Der IWF geht von einer Beteiligung von 95% aus. Der Währungsfonds errechnet, dass eine je 5%ige geringere Beteiligung des Privatsektors bedeutet, dass die Schuldenquote um 2% wächst!

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