Guatemala

Hat Guatemala ein Schuldenproblem?

Guatemalas Auslandsschuldenindikatoren liegen überwiegend unter den kritischen Grenzwerten, und das relativ stabil. Lediglich die gesamten öffentlichen Schulden (im In- und Ausland) im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen überschreiten spürbar den Grenzwert, was im Zusammenhang mit der sehr niedrigen Staatsquote in Guatemala steht.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)32,540
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)142,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)15,215
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)24,249
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)223,4200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)20,182 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)2,156 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Guatemala?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Rund zwei Drittel der Auslandsschulden Guatemalas entfallen auf den privaten Sektor. Dabei sind die wichtigsten Gläubiger ausländische Banken. Nur ein kleiner Teil der Schulden gegenüber den internationalen Finanzinstitutionen sowie fast alle Schulden bei anderen Regierungen gehen auf zinsgünstige Entwicklungshilfekredite zurück. Als traditionelles Mitteleinkommensland hat Guatemala in seiner jüngeren Geschichte nur begrenzt Zugang zu zinsgünstigen Krediten aus multilateralen Quellen bekommen.

Trend

Seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise sind Guatemalas Schulden um mehr als die Hälfte angestiegen – allerdings im Einklang mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum, so dass das Verhältnis von Schulden und Wirtschaftsleistung sich nicht dramatisch verschlechtert hat.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Guatemala

Guatemala hat 1993 rund 440 Millionen US-Dollar zu leicht vergünstigten Bedingungen im Pariser Club umgeschuldet (Houston Terms). Umschuldungen mit Privatgläubigern hat es nicht gegeben. Für die multilaterale Entschuldungsinitiative (HIPC/MDRI) war Guatemala nicht qualifiziert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der IWF betont in seinem Art.-IV-Bericht 2016, dass die Wirtschaft die politische Krise des Jahres 2015, als der gewählte Präsident infolge eines Korruptionsskandals aus dem Amt gewählt wurde, relativ unbeschadet überstanden hat. Das Wirtschaftswachstum ist hoch, aber sehr ungleich verteilt. Zum einen ist die Handlungsfähigkeit des Staates durch dramatische Einbrüche bei den öffentlichen Einnahmen und Ausgaben weiter geschrumpft. Zum anderen spitzt die soziale Polarisierung sich weiter zu: Nur ein Viertel der Millenniumsentwicklungsziele wurde in Guatemala bis Ende 2015 erreicht, davon kein einziges unter der ländlichen und indigenen (Mehrheits-)Bevölkerung.

Politische Empfehlungen

Im Hinblick auf das Schuldenniveau des Landes besteht kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Allerdings sollte geprüft werden, inwieweit schuldenreduzierende Maßnahmen unmittelbar der Entwicklung benachteiligter Regionen und Personengruppen zugute kommen können – etwa im Rahmen von Schuldenumwandlungen für Entwicklung. 

Weiterführende Links:

 

Stand: Juni 217

 

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