Guinea-Bissau

Hat Guinea-Bissau ein Schuldenproblem?

Guinea-Bissau hat eindeutig kein Auslandsschuldenproblem; allerdings ist der Staat im Inland so stark verschuldet, dass zumindest die unteren Grenzwerte bei der gesamten öffentlichen Verschuldung überschritten werden. Angesichts der eher schwachen Regierungsführung sowie der wenig entwickelten technischen und sozialen Infrastruktur können auch kleinere externe Schocks – etwa wetterbedingte Ernteausfälle oder Einbrüche bei den wenigen Exportprodukten – gravierende Konsequenzen haben.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)29,940
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)101,4150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)0,815
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)52,949
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)267,4200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)314,9 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)2,5 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Guinea-Bissau?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Für Guinea-Bissau spielen weder private Schuldner noch private ausländische Gläubiger eine Rolle. Alle Auslandsschulden des Landes bestehen von Seiten des Staates oder werden von ihm garantiert. Dabei sind über 90 Prozent dieser Verbindlichkeiten zu konzessionären Bedingungen aufgenommen. Dadurch ist der aktuelle Auslandsschuldendienst extrem niedrig und stellt praktisch keine spürbare Belastung dar.

Trend

Seit der Entschuldung durch die multilateralen Entschuldungsinitiativen HIPC/MDRI ist der gesamte Auslandsschuldenstand auf niedrigem Niveau stabil. Kritisch gestiegen ist dagegen die öffentliche inländische Verschuldung.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Guinea-Bissau

Zwischen 1987 und 2011 hat Guinea-Bissau siebenmal im Pariser Club mit seinen öffentlichen Gläubigern verhandelt, wobei beim ersten Mal überhaupt keine Schuldenerleichterungen gewährt wurden und diese bis zur weitgehenden Streichung der Forderungen der Club-Mitglieder 2011 nur schrittweise ausgeweitet wurden. Dann wurden diese von 614 Prozent auf 95 Prozent der jährlichen Exporteinnahmen reduziert und die verbleibenden Schulden zinsgünstig gestreckt (s.o.).

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der Internationale Währungsfonds bescheinigt Guinea-Bissau ein „mittleres“ Überschuldungsrisiko. Das heißt, er sieht keine Insolvenzgefahr, wenn das Land sich gemäß dem von ihm kalkulierten Basisszenario entwickelt (und wirtschaftspolitisch verhält); unter mindestens einem der vom IWF prophylaktisch berechneten Schockszenarien werden allerdings kritische Grenzwerte überschritten.

2016 hat der IWF kurzzeitig die Auszahlungen an Guinea-Bissau eingestellt, nachdem die Regierung zwei private Banken mit öffentlichen Mitteln vor der Pleite gerettet hatte. Der IWF kritisierte, durch die Operation würden nur reiche Guinea-Bissauer sowie ausländische Investoren begünstigt, und zwang die Regierung, die Rettungsoperation rückgängig zu machen. Guinea-Bissaus öffentlicher Haushalt ist zu 80 Prozent von ausländischen Finanzierungen abhängig.

Politische Empfehlungen

Ohne eine Diversifizierung der wirtschaftlichen Basis über eine erweiterte Subsistenzproduktion und das einzige nennenswerte Exportprodukt Cashewnüsse hinaus, wird Guinea-Bissau keine spürbare wirtschaftliche Entwicklung erzielen können.

 

Stand: Juni 2017

 

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