Guinea

Allgemeines zur Wirtschaft Guineas

Guinea verfügt über beachtliche Rohstoffvorkommen, die die Exportwirtschaft des Landes stützen, zählt aber trotzdem zu den ärmsten Ländern der Welt. 50% der Bauxitvorkommnisse weltweit liegen in Guinea; außerdem sind die Gold-, Eisenerz- und Diamantenvorkommen beträchtlich. Grund für eine mangelnde wirtschaftliche Entwicklung war die frühere Misswirtschaft unter dem einstigen Staatspräsidenten Sekou Touré, die mit einem Niedergang der Infrastruktur, der Unterdrückung der Entwicklung des Privatsektors und einer weitgehenden Isolation des Landes einherging. Trotz Verbesserungen nach dem Tod Tourés, vor allem durch externe Unterstützung, verschlechterte sich die Regierungsführung vor einigen Jahren wieder massiv, so dass Guinea heute als eines der korruptesten Länder der Welt gilt. Guinea leidet unter einer hohen Auslands- wie Inlandsverschuldung und weist ein massives Budgetdefizit auf, dass sich 2008 aufgrund einer Einstellung von internationaler Hilfe nach einem Militärputsch dramatisch verschlechterte.
Aufgrund fehlender Investitionen, hoher Korruption und fehlender Infrastruktur tragen die reichen Bodenschätze nicht zur wirtschaftlichen Entwicklung bei, obwohl in Guinea ein hohes Potential liegt. Hohe Korruption und politische Instabilität wirken nicht für ausländische Investor/innen abschreckend, auch behindert es die Erreichung des „Decision Point“ unter der multilateralen HIPC-Initiative und damit einen Schuldenerlass.

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)24,140
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)69,8150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)4,215
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)41,149
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)187,6200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)1,406 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)76,381 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014


Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC-Decision Point 2000 – Completion Point 2012
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1986 (Classic), 1989 (Toronto), 1992 (London), 1995, 1997  (Naples 50%), 2001, 2008, 2012 (Cologne), 2012 (HIPC-Exit)
Privat:  1988, 1998

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: Mittel

 

Entwicklung der Verschuldungsindikatoren / Risken für Schuldentragfähigkeit:

  • Das Wirtschaftswachstum Guineas wird durch den Ölsektor getragen. Die Ölproduktion ist jedoch auf einem stark abnehmenden Trend, so dass andere Sektoren erschlossen werden müssen, die Wirtschaft also weiter ausdifferenziert werden muss. Guinea hat ein hohes Vorkommen an weiteren Bodenschätzen, ist jedoch nicht in der Lage, dieses Potential auszuschöpfen.
  • Auch wenn die Ölproduktion gegenwärtig und zukünftig stark abnehmen wird, wird die Wirtschaft Guineas gegenwärtig noch vom Ölexport getragen, so dass ein Öl-Preisschock (niedrige Weltmarktpreise für Öl) ein signifikantes Risiko für die externe Schuldentragfähigkeit darstellt.
  • haben ein hohes fiskalisches Defizit, zum einen durch eine niedrigere Ölproduktion, durch hohe öffentliche Ausgaben und die Notwendigkeit von Infrastrukturinvestitionen, die hohe Importkosten verursacht haben. Dieses Defizit wurde vor allem durch neue Kreditaufnahme finanziert.
  • neben dem hohen fiskalischen Defizit sind Guineas Devisenreserven rapide gesunken, so dass bei weniger ausländischen Deviseneinnahmen Zahlungsengpässe nicht mehr durch Devisenreserven aufgefangen werden können.
  • fehlende Transparenz und hohe Korruption behindern ausländische Direktinvestitionen, die dringend nötig sind, wenn nötige Investitionen in den Privatsektor und in die Infrastruktur nicht mehr nur durch Kredite finanziert werden sollen.