Guinea

Hat Guinea ein Schuldenproblem?

Guinea hat kein Auslandsschuldenproblem, aber die öffentlichen Schulden (überwiegend im Inland) überschreiten die kritischen Grenzwerte.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)22,340
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)57,5150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)4,115
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)53,049
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)279,1200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)1,389 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)99,7 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Guinea?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Nur der guineische Staat ist im Ausland verschuldet, nicht die Bürger/innen und Unternehmen des Landes. Wie bei Niedrigeinkommensländern üblich besteht der größte Teil der Auslandsschulden in zinsgünstigen Entwicklungshilfekrediten.

Trend

Seit die HIPC/MDRI-Initiative 2012 die Auslandsschulden des Landes mehr als halbiert hat, sind diese stabil.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Guinea

Guinea erreichte schon 2000 den Decision Point aber erst 2012 den Completion Point der multilateralen HIPC/MDRI-Initiative. Grund dafür waren grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten zwischen der vor 2012 amtierenden Regierung und dem Internationalen Währungsfonds über den wirtschaftspolitischen Kurs des Landes.

Im Pariser Club hat Guinea insgesamt neunmal verhandelt. Von der ersten nicht-konzessionären Umschuldung 1986 bis zur abschließenden Regelung unter HIPC 2012 wurden die Erlassmöglichkeiten dabei schrittweise immer weiter ausgeweitet. Erst 2012 kann aber von einer wirksamen Entlastung und dem bislang gut umgesetzten wirtschaftlichen Neuanfang gesprochen werden.

2015 kam Guinea zusammen mit seinen Nachbarn Liberia und Sierra Leone in den Genuss von Zuschüssen des Internationalen Währungsfonds aus dem eigens dazu geschaffenen Krisen-Treuhandfonds für Länder in Katastrophensituationen. Die Auszahlung von rund 30 Millionen US-Dollar aus dem neuen Treuhandfonds sollte den laufenden Schuldendienst an die multilateralen Gläubiger abdecken, um damit Mittel im Land für die Ebola-Bekämpfung freizumachen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Seit 2015 hat das Land auf Druck des Internationalen Währungsfonds deutliche Einsparungen im öffentlichen Haushalt vorgenommen, durch die es gelungen ist, die öffentlichen Schulden unter Kontrolle zu behalten. Da gleichzeitig die Produktion von Bauxit und einiger landwirtschaftliche Exportprodukte ausgeweitet werden konnte, sind diese Einsparungen ohne größere soziale Folgen geblieben. Den wirtschaftlichen Einbruch durch die Ebola-Epidemie hat Guinea hinter sich gelassen, seit es am 1. Juni 2016 offiziell für ebolafrei erklärt wurde.

Politische Empfehlungen

Noch immer sind knapp 1,5 Milliarden US-Dollar im Regierungsplan zur Erholung nach der Ebola-Seuche ungedeckt. Schuldenerleichterungen könnten einen kleinen Beitrag dazu leisten, das Land dauerhafter vor einer Rückkehr der Seuche (wie schon 2015/16) zu schützen, sofern die Lücke durch Beiträger der Geberländer nicht gedeckt werden können.

 

Stand: Juni 2017

 

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