Guyana

Hat Guyana ein Schuldenproblem?

Die Schuldenindikatoren Guyanas zum 1. Januar 2016 liegen überwiegend im unkritischen Bereich. Zahlungsprobleme gibt es derzeit weder auf Seiten der öffentlichen Haushalte noch im Hinblick auf die Zahlungsbilanz.

Gleichwohl bescheinigt der Internationale Währungsfonds Guyana schon seit Beginn der Dekade ein „mittleres“ Überschuldungsrisiko. Dies meint, dass aus einer derzeit unproblematischen Schuldensituation heraus durch realistisch angenommene externe Schocks mindestens ein kritischer Grenzwert überschritten werden könnte.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)51,640
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)119,6150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)6,415
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)48,149
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)169,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)1,639 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)87,9 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Guyana?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Guyana weist das typische Gläubigerprofil eines Niedrigeinkommenslandes auf. Rund 90 Prozent seiner Auslandsschulden bestehen gegenüber multilateralen und bilateralen öffentlichen Gläubigern, davon wiederum rund 90 Prozent zu konzessionären Bedingungen. Von den Schulden gegenüber privaten Banken im Ausland entfällt wiederum nur etwa ein Zehntel auf den öffentlichen Sektor. Der größte Teil besteht seit 2014 erstmals wieder von Seiten privater guyanischer Unternehmen und Banken.

Deutschland ist derzeit kein Gläubiger Guyanas.

Trend

Seit Beginn der Dekade haben sich alle Schuldenindikatoren verbessert; lediglich der Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen ist leicht angestiegen, liegt allerdings weiterhin im deutlich unproblematischen Bereich.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Guyana

Von 1989 bis zur HIPC-Exit-Regelung 2004 hat Guyana sechsmal im Pariser Club mit seinen bilateralen öffentlichen Gläubiger verhandelt und dabei die ganze Stufenleiter von der Erlassverweigerung (Classic-Terms) bis zur Streichung von 80 Prozent des Forderungsbestandes (Lyon Terms) durchlaufen.

Guyana erreichte 2000 den Decision Point und 2003 den Completion Point im Rahmen der multilateralen Entschuldungsinitiative HIPC. 2005 wurden zusätzlich verbliebene Forderungen der Internationalen Entwicklungsorganisation, des Internationalen Währungsfonds und des Fund for Special Operations, des Weichkreditfensters der Interamerikanischen Entwicklungsbank, gestrichen. Beide Operationen waren allerdings deutlich weniger umfangreich als in anderen HIPC-Ländern, unterstützten gleichwohl einen deutlichen Trend, die Schulden auf tragfähige Niveaus zurückzuführen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Regierung hat nach den jüngsten Ölfunden der Versuchung wiederstanden, diese als Sicherheit für eine ausgeweitete Kreditaufnahme zu verwenden – und wird dafür vom IWF ausdrücklich gelobt. Sollte sie von dieser vorsichtigen Politik abweichen, könnte sich angesichts der sehr kleinen Binnenwirtschaft die Verschuldung des Landes rasch erhöhen, wenn es zu Problemen im Ölsektor kommt. In seiner Schuldentragfähigkeitsanalyse von 2016 befürchtet der IWF eine wachsende Verschuldung, wenn die Regierung dazu übergeht, laufende Defizite im Staatshaushalt durch Kreditaufnahme zu decken.

Politische Empfehlungen

Guyana ist in einer relativ günstigen Position, Forderungen nach einem erweiterten rechtsstaatlichen Entschuldungsmechanismus zu unterstützen oder gar anzustoßen, da es selbst von multilateral abgestimmtem Schuldenerlass profitiert hat und aktuell nicht selbst Schuldenerlassbedarf aufweist.

 

Stand: Juni 2017