Indonesien

Hat Indonesien ein Schuldenproblem?

Indonesien hat aktuell und in naher Zukunft kein Schuldenproblem. Allerdings ist es aufgrund seiner hohen Verbindlichkeiten in Form von Staatsanleihen, welche eine kontinuierliche Refinanzierung am Kapitalmarkt erfordern, sehr verletzlich durch die gerade von der US-Notenbank betriebenen Zinserhöhungen.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorWertGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)35,140
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)184,2150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)39,615
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)27,950
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)194,4200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)316,46 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)67,937 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Indonesien?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Indonesiens gesamte Auslandsschulden bestehen zu mehr als drei Vierteln gegenüber privaten Gläubigern. Dabei ist der indonesische Staat überwiegend durch den Verkauf von Staatsanleihen im Ausland verschuldet, während der private Sektor sich seine ausländischen Finanzierungen hauptsächlich durch Bankkredite beschafft.

Das verbliebene knappe Viertel aller Auslandsschulden teilt sich etwa gleichmäßig auf bilaterale und multilaterale öffentliche Kreditgeber auf. Dabei sind die multilateralen Kredite hauptsächlich marktnah, also relativ hoch verzinst, während gegenüber bilateralen Kreditgebern überwiegend Schulden aus der (zinsgünstigen) Entwicklungszusammenarbeit bestehen.

Von Letzteren bestehen mehr als drei Viertel gegenüber den Mitgliedern des Pariser Clubs. An Handelsforderungen reklamiert der Pariser Club mit 4,9 Milliarden US-Dollar mehr Schulden aus Indonesien als die Weltbank insgesamt für diese Forderungskategorie ausweist.

Deutschland hält nur (noch) Forderungen aus der Entwicklungszusammenarbeit an Indonesien, das ist allerdings mehr als eine halbe Milliarde Euro (581 Millionen Euro). Damit ist das Land Deutschlands fünftgrößter Schuldner aus der Finanziellen Zusammenarbeit.

Trend

Alle fünf Schuldenindikatoren haben sich von 2012 bis 2016 um mindestens zehn Prozent verschlechtert. Nach seiner schweren Schuldenkrise zu Beginn des Millenniums und verschiedenen Schuldenerleichterungen (siehe unten) sind die Indikatoren zunächst sämtlich stark gefallen. Seit Beginn dieser Dekade sind sie aber auf breiter Front wieder angestiegen.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Indonesien

Indonesien musste bereits in den sechziger Jahren viermal Umschuldungen mit dem Pariser Club vereinbaren. Bemerkenswert ist dabei die letzte Vereinbarung vom April 1970, die der Pariser Club als Vereinbarung unter Classic Terms, das heißt als Umschuldung ohne Erlasselement, ausweist. Das ist definitiv falsch: Die für damalige Verhältnisse exorbitant große Umschuldungssumme von 2,09 Milliarden US-Dollar wurde in einer gesonderten Vereinbarung von allen Zinszahlungen bis auf eher symbolische 0,5 Prozent ausgenommen, wodurch sich der Barwert der Schulden, den der Club sonst bei der Berechnung von Schuldenreduzierungen zugrunde legt, um rund die Hälfte reduzierte.

Diese Vereinbarung war auch deshalb bemerkenswert, weil sie unter Vermittlung eines neutralen Mediators zwischen dem Club, der indonesischen Regierung und dem wichtigsten bilateralen Gläubiger außerhalb des Clubs, der Sowjetunion, zustande kam. Offensichtlich in dem Bemühen, ähnlichen Verfahren keine Präzedenzfälle zu liefern, wird die Besonderheit dieser Regelung vom Pariser Club geleugnet.

Nach der erfolgreichen Entschuldung 1970 geriet Indonesien erst 1998 durch die Asienkrise wieder in Schwierigkeiten. Diese wurden durch eine Streckung von Zahlungsverpflichtungen unter den so genannten Houston Terms ohne nominellen Schuldenerlass gelöst. Die nach 2000 wieder anspringende regionale und globale Konjunktur half entscheidend, dass Indonesien aus seinen damaligen Schulden herauswachsen konnte. Allerdings ist der laufende Schuldendienst seither anhaltend hoch geblieben.

2005 schließlich erhielt das Land – eher auf Druck der Gläubiger, denn auf eigenen Wunsch – ein vorübergehendes Schuldenmoratorium zur Unterstützung beim Wiederaufbau nach dem verheerenden Tsunami am 26. Dezmebr 2004.

Umschuldungen mit den Privatgläubigern hat Indonesien bislang noch nicht vereinbart.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Besonders hoch ist mit aktuell 39,6 Prozent der laufende Schuldendienst auf die gesamten Auslandsschulden im Verhältnis zu den Hartwährungseinnahmen durch den Export von Gütern und Dienstleistungen, während die anderen Indikatoren sich gerade erst an oder noch unter den kritischen Grenzwerten befinden.

Die starke Ausweitung der Platzierung von Staatsanleihen auf den Kapitalmärkten – bis Ende 2016 mehr als 100 Milliarden US-Dollar – machen das Land hochempfindlich für Veränderungen der globalen Zinssätze. Sollten die Zinsen für neue Anleihen, die zur Ablösung alter Anleihen aufgenommen werden, spürbar höher liegen als die ihrer Vorgänger, kann Indonesien in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Deswegen wird das Land zusammen mit Indien, Brasilien, der Türkei und Südafrika zu den „Fragilen Fünf“ gezählt. Im Juni 2018 gibt es an der Tatsache steigender globaler Zinsen keinen Zweifel mehr. Lediglich die Geschwindigkeit des Anstiegs im Sog der Zinserhöhungen der US-amerikanischen Notenbank ist weiterhin Gegenstand von Spekulationen.

Politische Empfehlungen

Als G20-Mitglied in einer fragilen Schuldensituation, welches aber von einer echten Krise noch deutlich entfernt ist, wäre Indonesien in einer guten Position, internationale Abstimmungsprozesse über effiziente und faire Umschuldungsverfahren voranzubringen. Es könnte dabei in besonderer Weise auf seine einzigartige Entschuldung im Jahr 1970 Bezug nehmen.

 

Stand: Juni 2018

 

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