Jamaika

Allgemeines zur Wirtschaft Jamaikas

Lange Zeit war der Export landwirtschaftlicher Produkte die einzige Einnahmequelle Jamaikas. Heute haben sich der Tourismus und der Abbau und die Verarbeitung von Bodenschätzen zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen entwickelt. Der Dienstleistungssektor ist der größte Wirtschaftszweig und 60% der Bevölkerung sind hier beschäftigt. Der Landwirtschaftssektor ist mit 5% der kleinste. Angebaut werden vor allem Bananen, Kaffee, Zitrusfrüchte und Zuckerrohr für den Export. Jamaika ist zudem mit einem Marktanteil von etwa 65% weltweiter Hauptexporteur von Piment. Hinzu kommen Kokosnüsse, Getreide, Ingwer, Süßkartoffeln, Yams, Bohnen, Erbsen, Annatto und Sisal für den lokalen Markt. Das Land erwirtschaftet ausländische Devisen vor allem durch Tourismus und erhält zudem Zuflüsse durch Rücküberweisungen von Migrant/innen im Ausland. Die wirtschaftliche Entwicklung steht vielen Herausforderungen gegenüber: Hohe Kriminalität und Korruption, eine hohe Arbeitslosenquote und Unterbeschäftigung sowie eine hohe inländische und ausländische Verschuldung. Der niedrige Staatshaushalt des Landes hindert ihn daran, Ausgaben in Infrastruktur und soziale Programme zu tätigen.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)100,640
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)300,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)33,015
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)135,749
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)515,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)14,045 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)1,542 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC noch nicht umgesestzt
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1984, 1985, 1987, 1988, 1990 (Classic), 1991, 1993 (Houston)
Privat:  1978, 1979, 1981, 1984, 1985, 1987, 1990

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: Keine Einschätzung vorgenommen worden.

 

Entwicklung der Verschuldungsindikatoren / Risiken für Schuldentragfähigkeit:

  • Verletzlich hinsichtlich einer Reihe von externen Schocks: Naturkatastrophen (Hurrikan Dean verursachte 2007 einen hohen Rückgang des BIP-Wachstums und hohe Wiederaufbaukosten), niedrige internationale Weltmarktpreise für Jamaikas Eportgüter, hohe Lebensmittel- und Ölpreise, die importieren werden müssen, Klimawandel, weniger Rücküberweisungen, ausländische Direktinvestitionen und Hilfszuflüsse (z.B. durch die Finanzkrise beeinflusst, als Migrant/innen im Ausland ihre Arbeit verloren hatten, Geberländer sparen müssen und Investor/innen vorsichtiger sind)
  • ein geringes Wirtschaftswachstum, das Jamaikas fiskalische Position, die Haushaltsbilanz und die hohe, auch öffentliche Verschuldung weiter verschlechtert. Die Gruppe der „Small Island States“ (SIDS) gilt dabei generell bereits als Gruppe mit recht geringem Wachstum. Dieses ist aber absolut nötig, um die untragfähige Verschuldungssituation sowie fiskalische Position zu verbessern, und Schuldentragfähigkeit auf lange Sicht sicher zu stellen
  • hat ein hohes fiskalisches Defizit, dass vor allem durch externe und inländische Kredite finanziert wird. Die Notwendigkeit der inländischen Schuldenaufnahme bedeutet dabei meist kürzere Laufzeiten, hohe Zinsen und vor allem das Potential einer inländischen Bankenkrise, da der Hauppteil der öffentlichen inländischen Schulden meist von inländischen Banken gehalten wird, so dass bei einer Zahlungsunfähigkeit der Regierung diese Banken selbst in eine Krise geraten können. Dramatisch ist hier der Schuldendienst für inländische Kredite: so zahlte Jamaika laut UNDP im Jahr 2008 ca. 66% der Haushaltseinnahmen von 2008 allein für Zinsen
  • hat viele strukturelle Hemmnisse: geographische Isolation, wenig und schwankendes Wirtschaftswachstum, wenige natürliche Ressourcen, eine schmale Exportbasis, eine kleine Bevölkerung und damit limitierte menschliche Ressourcen. Letzteres bedeutet damit auch nur wenig Möglichkeit, Steuern und damit Haushaltseinnahmen zu mobilisieren
  • hat eine sehr hohe öffentliche Verschuldung, die in Schuldentragfähigkeitsanalysen von IWF und Weltbank nicht mit in die Risikokategorisierung fließt
  • kein Zugang zu konzessionärer und damit zinsgünstiger Finanzierung