Kenia

Allgemeines zur Wirtschaft Kenias

Kenia gilt trotz struktureller Schwächen, die für Entwicklungsländer typisch sind, als der regionale Motor für Finanzen und Handel Ostafrikas. Kenias Vorteile sind vor allem die günstige geographische Lage in der Region (Hafen in Mombasa und eine ausgebaute Straßenverbindung Mombasa-Nairobi-Kampala, somit wichtiges Transitland für Handel in Ostafrika) und eine liberale Wirtschaftsordnung mit gut entwickeltem Privatsektor. Die Wirtschaft verfügt dabei über einen modernen formellen Sektor, mit den wirtschaftlich wichtigen Sektoren wie Landwirtschaft (mit den Hauptexportgütern Schnittblumen, Tee und Kaffee), einem wachsenden Tourismussektor und einem gut ausgebauten Dienstleistungssektor. Trotzdem leben 60% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Aufgrund fehlender Beschäftigungsmöglichkeiten verzeichnet Kenia einen wachsenden informellen Sektor. Landwirtschaft ist trotz gut ausgebautem Dienstleistungssektor der strukturell entscheidende Sektor, in dem der Großteil der Bevölkerung seine Existenzgrundlage findet. Externe Faktoren, wie Wetterbedingungen und Weltmarktpreise beeinflussen die Landwirtschaft aber massiv. Ein hemmender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung ist außerdem die hohe Korruption, politische Instabilität und die hohe Kriminalitätsrate. Die globale Wirtschaftskrise führte zu Einbrüchen vor allem in der Landwirtschaft und im Tourismus. So fiel die landwirtschaftliche Produktion zurück und Trockenheit und hohe Düngepreise beeinträchtigen den Anbau zusätzlich. Auch stiegen die Preise für Nahrungsmittel rasant an (vor allem Mais). Das Leistungsbilanz-Defizit verdoppelte sich in der Folge im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr. Im Juli 2010 ist der gemeinsame Binnenmarkt der Ostafrikanischen Gemeinschaft (Kenia, Tansania, Uganda, Burundi und Ruanda) in Kraft getreten, wovon sich Investitions- und Wachstumsschübe erhofft werden.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)26,740
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)143,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)11,015
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)52,649
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)266,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)16,179 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)1,237 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC noch nicht umgesetzt
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1994, 2000 (Ad Hoc), 2004 (Houston)
Privat:  1998

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: niedrig

 

Risiken für Schuldentragfähigkeit:

  • ausbleibende Investitionen in die Infrastrukturverbesserung und keine Verbesserung des Investitionsklimas welches durch hohe Korruption und einem schwachen institutionellen Rahmen beeinträchtigt ist, da dies essenziell für steigendes Wirtschaftswachstum und eine starke Exportbasis ist
  • hohe internationale Preise für Importprodukte, wie Energie-, Dünger- und Lebensmittelpreise bei gleichzeitig geringen Exporteinnahmen
  • politisch motivierte Unruhen, wie zuletzt während der manipulierten Wahlen 2007, die das Potential eines Bürgerkrieges in sich tragen, die hohe Korruption und kritische Sicherheitslage im Land
  • exogene Schocks, wie abnehmender Tourismus (durch negative wirtschaftliche Entwicklungen in anderen Ländern, durch politische Unruhen in Kenia, usw.), einbrechende Exportnachfrage nach Blumen, Tee und Kaffee, schlechte Wetterbedingungen, die den Landwirtschaftssektor negativ beeinflussen, weniger Rücküberweisungen von Migrant/innen aus dem Ausland
  • die Einschätzung von IWF und Weltbank „niedriges Verschuldungsrisiko“ basiert auf der Analyse der externen Schuldentragfähigkeit. Kenias inländische Verschuldung wurde also nicht mitberücksichtigt. Jedoch stellt sie hohe Risiken für die gesamte Schuldentragfähigkeit dar: so hat die Regierung Kenias Garantien für Kredite übernommen, die bei Fälligkeit (wenn der Schuldner nicht zahlen kann, muss die Regierung von Kenia einspringen) die Verschuldungssituation des Landes stark verschlechtert. Auch ist Kenia verletzlich hinsichtlich geringem Wirtschaftswachstum
  • Nahrungsmittelknappheit bei gleichzeitig hohem Bevölkerungswachstum und hoher Arbeitslosigkeit
  • hat Zahlungsrückstände bei kommerziellen Banken, die noch nicht verhandelt sind.

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