Kirgisistan

Hat Kirgisistan ein Schuldenproblem?

Kirgisistan ist kritisch im Ausland verschuldet, während die öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den Einnahmen des Staates sich noch unterhalb der kritischen Schwelle bewegt.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)99,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)248,0150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)16,915
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)66,549
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)127,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)7,26 Mrd.
(2014)
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)401,96 Mio.
(2014)

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Kirgisistan?

KGZ Gläubigerprofil 2016-11

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Für Ende 2015 liegt noch kein aufgeschlüsseltes Gläubigerprofil vor. Ende 2014 war Kirgisistan rund zur Hälfte bei privaten ausländischen Gläubigern verschuldet. Die andere Hälfte teilen sich zu etwas gleichen Anteilen multilaterale und bilaterale Gläubiger, jeweils (fast) ausschließlich zu konzessionären Bedingungen.

Unter den multilateralen Gläubigern sind die Weltbanktochter IDA und die Asiatische Entwicklungsbank ADB mit Abstand die wichtigsten. Die bilateralen Schulden bestehen nur zu etwas über einem Drittel bei traditionellen Gläubigern im Pariser Club. Zwei Drittel schuldet das Land der chinesischen Exim-Bank.

Die privaten Auslandsschulden weisen nur zu einem sehr kleinen Teil eine öffentliche Garantie auf. Rund drei Milliarden US-Dollar werden von privaten kirgisischen Schuldnern ohne eine öffentliche Garantie privaten ausländischen Gläubigern geschuldet.

Trend

Ende 2014 lagen die öffentlichen Schulden noch nicht allzu deutlich im kritischen Bereich. Sie sind bis Ende 2015 aber noch mal deutlich angestiegen.

Schon 2014 lagen die gesamten Auslandsschulden sowohl im Verhältnis zur gesamten Wirtschaftsleistung als auch zu den erzielten Exporteinnahmen deutlich im kritischen Bereich.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Kirgisistan

Kirgisistan hat 2002 vom Pariser Club eine Umschuldung zu Houston Terms erhalten, welche inzwischen ausgelaufen und vollständig beglichen wurde. 2005 erhielt das Land im Gegenzug für seinen Verzicht auf eine Einbeziehung in die HIPC-Initiative eine relativ großzügige Regelung seiner Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Pariser Club-Mitgliedern: von den nicht-konzessionären Schulden wurden 50 Prozent gestrichen und der Rest langfristig umgeschuldet. Die Entwicklungshilfeschulden wurden zu den günstigen ursprünglichen Bedingungen langfristig umgeschuldet.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der IWF bescheinigt Kirgisistan Anfang 2016 noch ein „mittleres“ Überschuldungsrisiko; das heißt: keine Gefahr unter dem Basisszenario, welches der IWF als wahrscheinlich für die nächsten zehn Jahre betrachtet, aber Überschreitung kritischer Grenzwerte im Falle externer Schocks.

erlassjahr.de sieht vor allem in der exorbitanten privaten Auslandsverschuldung ein großes Risiko. Könnte das Land sich heute noch für die HIPC-Initiative qualifizieren, würde der Schuldenstand im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen dafür locker ausreichen.

Mitte 2016 scheinen die vom IWF befürchteten Schock-Szenarien einzutreten. Die öffentliche Verschuldung des IWF ist von den oben angegeben 66,5 Prozent Ende 2015 bereits auf über 70 Prozent angestiegen. Hintergrund sind erhebliche Investitionen in die Energieversorgung und die Infrastruktur des Landes. Weitere Risiken sind

  • Kirgistan weist aufgrund der ethnischen Konflikte und innenpolitischen Spannungen im letzten Jahr schlechte wirtschaftliche Wachstumsaussichten auf und hat aufgrund dieser Vorkommnisse massive Budgetprobleme.
  • Eine weitere Verschlechterung der momentanen Kreditkonditionen (von konzessionären zu nicht-konzessionären Krediten mit höheren Zinsen) ist ein signifikantes Risiko
  • Rücküberweisungen von Migrant/innen aus dem Ausland mildern aktuell die Defizite Kirgistans, ein Rückgang oder Wegfall dieses Zuflusses etwa wegen der Rezession in Russland würde die Situation massiv verschlechtern
  • inländische Verschuldung wird eine immer größere Rolle bei der Finanzierung des Haushaltsdefizits spielen. Interne Verschuldung ist jedoch meist teurer und besitzt kurze Laufzeiten, so dass diese Kredite ein Risiko für die gesamte Schuldentragfähigkeit bedeuten können.

Politische Empfehlungen

Die Regierung muss für den Fall, dass die privaten Verbindlichkeiten kirgisischer Unternehmen gegenüber ausländischen Gläubigern zu Pleiten dieser Unternehmen führen, eine klare Strategie bezüglich Rettung oder Nicht-Rettung dieser Unternehmen haben. Wenn man sich wegen der Bedeutung dieser Unternehmen oder wegen eventueller Verflechtungen der Unternehmen mit den politischen Entscheidungsträgern für eine Rettungsoption entscheiden sollte, sind die Spielräume im Staatshaushalt dafür denkbar gering.

Den IWF-Forderungen nach einem drastischen Sparprogramm sollte nur insoweit gefolgt werden, wie dadurch nicht die Chance auf eine wirtschaftliche Erholung und die politische Stabilität des Landes gefährdet werden.

 

Stand: November 2011

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