Kiribati

Allgemeines Zur Wirtschaft und Schuldensituation Kiribatis

Kiribati ist einer der am wenigsten entwickelten pazifischen Inselstaaten. Der Staat hat laut IWF und Weltbank ein hohes Überschuldungsrisiko. Das bedeutet, das Risiko ist sehr hoch, dass das Land seine Schulden nicht mehr bezahlen kann. Da Kiribati ein sehr kleiner und vom globalen Weltmarkt isolierter Inselstaat ist, hat es nur wenige Güter für den Export, so dass es nicht genug Devisen für die Zahlung seiner Schulden verdienen kann.

Hauptexportgüter sind Fisch, Seegras und Copra (das Fruchtfleisch der Kokosnuss). Frühere Phosphatvorkommen sind bereits seit Ende der 1970er Jahre aufgebraucht. Die Hälfte der Einnahmen der Regierung kommen aus Lizenzen für den Fischfang. Fast 25% des Bruttoinlandsprodukts generiert sich aus internationaler Entwicklungshilfe von der EU, Großbritannien, Japan, Australien, Neuseeland, Kanada, Taiwan und UN-Organisationen. Rücküberweisungen von Fischer/innen an Familien machen mehr als 5 Millionen US$ jährlich aus.

Die ausländische Verschuldung liegt bei etwa 8% des Bruttoinlandsprodukts, die inländische Verschuldung bei etwa 4%. Damit wäre die Verschuldung laut den von IWF und Weltbank festgesetzten Grenzwerten eigentlich tragfähig.

Doch in den nächsten Jahren wird die Verschuldung aufgrund von Kreditauszahlungen stetig höher und das Land hat kaum Möglichkeiten, genug Devisen einzunehmen, um diese Kredite abzuzahlen. Dies zeigen die sogenannten Stresstests des IWF und der Weltbank.

Das Land

  • hat große Investitionsdefizite im Infrastrukturbereich- die Infrastruktur ist mangelhaft und muss dringend ausgebaut werden. Dafür braucht das Land Geld
  • ist anfällig für Klimakatastrophen und damit für Konsequenzen aus dem Klimawandel. Steigender Meeresspiegel und Wassertemperaturen resultieren in den Abbau von Korallenriffen und Mangroven und haben negative Auswirkungen auf den Fischbestand.
  • ist sehr stark auf ausländische Entwicklungshilfe angewiesen, um in die wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu investieren und seine Defizite im Griff zu behalten. In Zeiten von globalen und europäischen Finanzkrisen sind Geberländer jedoch weniger bereit, Entwicklungshilfe zu leisten. So wurde z.B. der Entwicklungshilfehaushalt Deutschlands jüngst verkleinert
  • kann seine Haushaltsdefizite nicht selbst ausgleichen und greift daher auf Gelder aus seinem „Sovereign Wealth Fund“ zurück. Das fiskalische Defizit liegt derzeit bei 16% des Bruttoinlandsprodukts. Der Sovereign Wealth Fund besteht seit den 1950er Jahren, wurde durch den Verkauf von (bereits verbrauchten) Phosphatvorkommen gefüttert und dient heute als Finanzierungsquelle für die Regierung Kiribatis, wenn es finanziell mal enger wird. Durch die permanenten Haushaltsdefizite der Regierung wird dieser momentan massiv abgebaut.

Die Tragfähigkeit der Verschuldung hängt in der Zukunft stark davon ab, inwieweit die Regierung Kiribatis in der Lage ist, neue und vor allem zinsgünstige Kredite und Zuschüsse zu generieren, um seine Defizite zu finanzieren und gleichzeitig in wirtschaftliche Entwicklung (z.B. Wiederaufbau von Straßen, Verbesserung des Flughafens) und in die Entwicklung von Gesundheit und Bildung der Bevölkerung zu investieren. Sollten die Finanzierungsbedingungen schlechter werden, also Kreditgeber/innen weniger zinsgünstige Kredite oder Geber/innen weniger Zuschüsse und mehr Kredite vergeben, verschlechtert sich die Tragfähigkeit der Verschuldung des Landes dramatisch.

Wenn der Staat zahlungsunfähig wird, braucht das Land einen schnellen und tiefen Schuldenschnitt, damit nicht die Verwundbarsten der Bevölkerung für die Krise bezahlen. Angesichts der Entwicklungsdefizite des Landes ist dies umso dringender notwendig.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)8,740
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)6,5150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)0,415
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)13,149
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)11,3200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)k.A.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)k.A.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC noch nicht umgesetzt
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: k.A.
Privat:  Keine Umschuldungen

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: hoch

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