Kolumbien

Hat Kolumbien ein Schuldenproblem?

Kolumbien wies Ende 2015 nur bei den Schulden im Verhältnis zu den Hartwährungseinnahmen aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen ein deutliches Missverhältnis auf. Ansonsten lagen alle Indikatoren im unproblematischen oder allenfalls leicht im kritischen Bereich.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)38,840
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)223,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)28,115
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)50,649
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)191,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)111,05 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)13,972 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Kolumbien?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Kolumbiens Auslandsschulden bestehen zu zwei Dritteln auf Seiten des Staates und zu einem Drittel auf Seiten privater Unternehmen und Banken gegenüber ausländischen privaten Gläubigern. Insgesamt ist das Gläubigerprofil für ein lateinamerikanisches Schwellenland typisch. Kredite aus Entwicklungshilfe spielen nur eine relativ geringe Rolle. Neben den privaten Anleihezeichnern und Banken sind die nicht-konzessionären Schulden bei den multilateralen Finanzinstitutionen, vor allem Weltbank und Interamerikanische Entwicklungsbank, von Bedeutung.

Bilaterale Schulden bestehen fast ausschließlich aus der Entwicklungszusammenarbeit. Von 4,8 Milliarden US-Dollar in dieser Kategorie beansprucht der Pariser Club 1,7 Milliarden, und davon wiederum Deutschland relativ bescheidene 34 Millionen. Im Hinblick auf die Handelsforderungen weisen die Angaben des Pariser Clubs deutlich von denen der Weltbank ab. Letztere weist praktisch keine Handelsschulden aus, während der Pariser Club stolze 695 Millionen US-Dollar für sich reklamiert.

Trend

Während die Auslandsschulden sowie der Auslandsschuldendienst im Verhältnis zu den Exporteinnahmen die einzigen Indikatoren im deutlich kritischen Bereich sind – das Gesamtbild Ende 2015 mithin noch nicht allzu besorgniserregend ist – ist der Gesamttrend eindeutig negativ: Alle fünf Indikatoren haben sich von 2011 bis 2015 um mindestens 10 Prozent verschlechtert. Das ist allerdings ausschließlich auf den Einbruch der Wirtschaft im Jahr 2015 zurückzuführen, die in diesem Jahr, in US-Dollar gerechnet, um rund 20 Prozent geschrumpft ist. Gründe dafür sind der gefallene Ölpreis, die Destabilisierung im Nachbarland Venezuela sowie die Effekte des Klimaphänomens El Niño.

Vorläufige Zahlen für Ende 2016 sehen einen Anstieg der gesamten Auslandsverschuldung auf 121,1 Mrd. US-Dollar und damit um fast 10 Prozent im Jahr 2016.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Kolumbien

Bisher hat Kolumbien noch nie seine Auslandsschulden restrukturiert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die externen Schocks, die Kolumbiens Wirtschaft 2015 getroffenen haben, bedrohen die wirtschaftliche Stabilität des Landes auch weiterhin: Der Ölpreis bleibt absehbar niedrig und der Handelspartner Venezuela fällt weiterhin aus. Der Internationale Währungsfonds empfiehlt zur Stabilisierung eine strikte fiskalische Konsolidierung. Es ist allerdings zu befürchten, dass eine öffentliche Sparpolitik zu verbreiteter Enttäuschung über mangelnde wirtschaftliche Perspektiven unter den ehemaligen FARC-Kämpfern und den Paramilitärs führend könnte. Eine solche soziale Destabilisierung des gerade erst befriedeten Landes hätte dann auch gravierende ökonomische Konsequenzen.

Politische Empfehlungen

Kolumbien könnte sich aktuell zur Finanzierung eines gelingenden Friedens- und Wiedereingliederungsprozesses um punktuelle Schuldenerleichterungen von Seiten seiner öffentlichen Gläubiger bemühen – etwa im Sinne von Schuldenumwandlungen für Entwicklung.

 

Stand: August 2017

 

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