Komoren

Haben die Komoren ein Schuldenproblem?

Nein. Die Schuldenstände im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung liegen durchweg unter den kritischen Grenzwerten. Dadurch dass alle Schulden zu zinsgünstigen Bedingungen aufgenommen wurden, ist der laufende Schuldendienst sehr niedrig und stellt keine spürbare Belastungen der öffentlichen Haushalte oder der Leistungsbilanz dar.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)24,240
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)141,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)0,315
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)25,449
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)80,3200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)145,0 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)0,6 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger der Komoren?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Alle Auslandsschulden der Komoren bestehen auf Seiten des Staates. Privatpersonen, Unternehmen und Banken sind nicht im Ausland verschuldet.

Die Komoren haben keine Schulden bei Privatgläubigern, sondern ausschließlich bei offiziellen Geldgebern, und dort auch nur zu Entwicklungshilfebedingungen. Die Schulden bestehen grob zu gleichen Teilen gegenüber multilateralen und bilateralen Entwicklungshilfegebern. Unter letzteren sind keine Mitglieder der OECD (Pariser Club), sondern nur so genannte „Neue Geber“, namentlich Kuwait, Saudi Arabien, Indien und China. Allerdings weist der Pariser Club für Ende 2016 einen geringen Betrag von 3 Millionen US-Dollar an nicht-konzessionären Forderungen aus. Deutschland hält keine Forderungen an die Komoren.

Unter dem multilateralen Gebern ist der African Development Fund, der zur Afrikanischen Entwicklungsbank gehört, der wichtigste.

Trend

Die ab 2013 deutlich unter den niedrigsten Grenzwert abgesenkten Schuldenindikatoren sind seitdem bis 2015 stabil geblieben.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Komoren

Die Komoren erhielten 2012 eine Schuldenerleichterung unter der HIPC/MDRI-Initiative, die den nominalen Schuldenstand um etwa zwei Fünftel reduzierte. Seither hat keiner der Indikatoren die niedrigsten Grenzwerte überschritten.

Im Pariser Club waren 2009, 2012 und 2013 Vereinbarungen mit den damaligen öffentlichen Gläubigern getroffen worden, die sich aber schon an den Vorgaben der HIPC-Initiative orientierten (Naples Terms und Cologne Terms). 2012 wurden die Forderungen der Club-Mitglieder dann vollständig gestrichen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Komoren gehören zu den am wenigsten entwickelten Ländern und sind extrem anfällig für externe Schocks klimatischer, ökonomischer oder politischer Art. Die Exporte beschränken sich auf wenige landwirtschaftliche Produkte. Hartwährung kommt vor allem im Rahmen von Entwicklungszusammenarbeit ins Land. Aus diesem Grund bewertet der Internationale Währungsfonds das Überschuldungsrisiko der Komoren aktuell als „mittel“, obwohl sämtliche Schuldenindikatoren unter den niedrigsten Grenzwerten liegen.

Politische Empfehlungen

Die Komoren könnten in besonderer Weise von einer Entschuldungsoption im Krisenfall für besonders fragile Staaten profitieren. Da in Abwesenheit eines etwa klima- oder weltmarktbedingten externen Schocks das Land aktuell keinen Schuldenerlassbedarf aufweist, wäre es in einer guten Position, zusammen mit anderen kleinen Inselstaaten eine entsprechende Initiative zu starten.

 

Stand: August 2017

 

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