Kongo, D.R.

Allgemeines zur Wirtschaft der D.R. Kongo

Die Wirtschaft der Demokratischen Republik Kongo, ein recht rohstoffreiches Land, ist durch Korruption, Bürgerkriege und schwache öffentliche Institutionen geprägt. Auch der vor dem erst kürzlich unter HIPC erreichten Schuldenerlass 2011 dramatisch hohe Auslandsschuldenstand, ein schlechtes Investitionsklima, eine mangelhafte Infrastruktur und politische Instabilität hemmen die Entwicklung des Landes. Die Wirtschaft ist dabei vor allem durch den informellen Sektor charakterisiert. Der formale Wirtschaftssektor wird durch den Bergbau und den Rohstoffexport, den vielversprechendsten Wirtschaftszweig, dominiert, der allerdings von externen Faktoren wie internationalen Rohstoffpreisen und Preisschwankungen beeinflusst wird. Der Bergbausektor ist dabei nicht nur für den Großteil der Exporte verantwortlich, sondern durch das hohe Vorkommen an Kupfer, Kobalt und Zink äußerst attraktiv für ausländische Direktinvestitionen. Hauptstandbein der kongolesischen Wirtschaft ist darüber hinaus der landwirtschaftliche Sektor, der rund 40% des BIP ausmacht. Dieser ist jedoch vor allem auf die Subsistenzproduktion ausgerichtet. Die Demokratische Republik Kongo ist ein Paradebeispiel bezüglich illegitimer Schulden: Ein Großteil der Kreditvergabe an den Diktator Mobutu war politisch motiviert und auch heute noch ist die Regierung des Kongos sehr korrupt. Außerdem engagieren sich verschiedene ausländische Firmen im Kongo, die die Rohstoffe des Landes regelrecht ausschlachten (siehe ausführlicher Artikel zur Entschuldung Kongos unter dem Partnerschaftsprogramm).

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)19,140
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)41,5150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)3,115
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)19,049
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)130,3200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)5,507 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)410,141 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC-Decision Point 2003 – Completion Point 2010
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1976, 1977, 1979, 1981, 1983,1985,1986 (Classic), 1987 (Ad Hoc), 1989 (Toronto), 2002 (Naples), 2003, 2010 (Cologne) 2010 (HIPC-Exit)
Privat:  1980, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987, 1989

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: Mittel

 

Risiken für Schuldentragfähigkeit:

  • Export nur weniger Rohstoffe und massive Abhängigkeit von Weltmarktpreisen und externer Nachfrage. Ist die Nachfrage z.B. nach Kupfer und Kobalt gering oder sind internationale Rohstoffpreise niedrig, kann dies zu einer dramatischen Verschlechterung der Haushalts- und Verschuldungssituation führen.
  • Die DR Kongo hat ein sehr hohes Leistungsbilanzdefizit von fast 20% des BIP. Dies hängt mit erhöhten Importkosten hinsichtlich Investitionen im Infrastruktur- und Bergbaubereich zusammen. Dieses Defizit wird aktuell durch den Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen abgemildert, jedoch ist dieses Defizit dramatisch hoch und bedeutet eine unheimliche Belastung des Haushalts.
  • Die Sicherheitslage im Land stellt ein hohes Risiko dar, außerdem gibt es keine Verbesserung der Korruption in Staat und Verwaltung und geringere Entwicklungshilfe.
  • Das größte Risiko geht von einer Garantie aus, die die Regierung des Kongo für einen hohen und teuren Kredit gegeben hat: die sogenannte Sino-Congolese-Cooperation-Vereinbarung, die eine Kreditvereinbarung in Milliardenhöhe für Infrastruktur- und Bergbau-Investitionen von chinesischen Firmen abdeckt. Kommt diese Garantie („Eventualverbindlichkeit“) zum Tragen, muss also die Regierung für den Kredit haften, steht die gerade erst entschuldete Demokratische Republik Kongo vor einer erneuten Überschuldungssituation.

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