Libanon

Allgemeines zur Wirtschaft Libanons

Die Wirtschaft Libanons ist durch eine hohe Verschuldung, hohe Handelsbilanz- und Haushaltsdefizite, vielfältige Handelsbeziehungen und eine liberale Wirtschaftsordnung geprägt. Kapitalzuflüsse und Einnahmen aus dem Tourismus sind wichtige Einnahmequellen, um die Defizite abzumildern. Die Wirtschaft sowie das Investitionsklima des Landes leiden unter einer ineffizienten Bürokratie, Korruption, hohen Steuern, einer veralteten Gesetzgebung und schwach ausgebildeten Bildungsstrukturen. Die hohe inländische und ausländische Verschuldung lässt sich vor allem aus der Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen erklären, da der Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 Infrastruktur und Wirtschaft weitestgehend zerstörte. Zudem verursachte der Israeli-Hisbollah Konflikt im Juli und August 2006 erneut erhebliche infrastrukturelle Schäden und hemmte ausländische Direktinvestitionen und den Tourismus und damit die wirtschaftliche Aktivität. Die Lage besserte sich durch einen Regierungswechsel 2008, als die neue Regierung unter Michel Sulaiman die politisch angespannte Lage einigermaßen stabilisieren konnte. Die globale Finanzkrise hat der Libanon relativ unbeschadet überstanden: Das Land hat einen starken und liquiden Banksektor, verzeichnet ein Wirtschaftswachstum von ca. 9%, hohe Aktivitäten im Bau- und Tourismussektor und eine relativ stabile politischen Lage.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)68,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)153,9150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)16,615
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)133,049
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)611,9200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)30,608 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)3,306 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC noch nicht umgesetzt
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: k.A.
Privat:  Keine Umschuldungen

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: Keine Einschätzung vorgenommen worden

 

Risiken für Schuldentragfähigkeit:

  • Politische Stabilität ist relativ fragil, jedoch absolut notwendig, um ausländische Anleger/innen anzulocken
  • vor allem regionale Spannungen können diese Stabilität beeinträchtigen und damit auch die wirtschaftliche Stabilität gefährden
  • die öffentliche Verschuldung ist eine der höchsten der Welt und hauptsächlich in ausländischer Währung. Vor allem der Bankensektor ist hier höchst verwundbar. Das Bankenguthaben basiert zu einem großen Teil auf Zuflüssen von Ausländer/innen
  • diese Zuflüsse könnten abnehmen, wenn sich die politische Lage und die Sicherheitslage wieder verschlechtern
  • Infrastrukturinvestitionen sind essenziell, ebenso wie der Abbau von Defiziten in Verwaltung und Strukturen