Liberia

Allgemeines zur Wirtschaft Liberias

Liberia gilt als eins der ärmsten Länder der Welt. Vor allem durch Bürgerkriege ist die gesamte materielle und institutionelle Infrastruktur des Landes (Straßen, Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Telefon, Post) zerstört und bislang erst in Ansätzen wieder aufgebaut worden. Die Arbeitslosigkeit liegt bei über 80%. Viele potentielle Träger/innen des Wiederaufbaus (Geschäftsleute und Teile der Bevölkerung, die Zugang zu Bildung und Ausbildung besaßen) haben das Land während des Bürgerkriegs verlassen. Liberia verzeichnet ein hohes Handelsdefizit durch hohe Importausgaben und kaum Exporteinnahmen. Dabei hat Liberia ein hohes wirtschaftliches Potential: fruchtbare Böden und ein reiches Rohstoffvorkommen (Eisenerz, Gold, Diamanten, Kautschuk, Holz) und die bald beginnende Förderung von Palmöl könnten Grundlage für eine positive wirtschaftliche Entwicklung sein. Die weitere Verbesserung der sicherheitspolitischen Lage und eine friedliche Entwicklung unter der momentanen Regierung ist jedoch mindestens genauso essenziell. Das Mandat der in Liberia befindlichen VN-Friedenstruppe (UNMIL) wurde bis 2011 verlängert, um die Lage weiter zu stabilisieren. Der Export von Diamanten, Tropenholz (vor dem Bürgerkrieg die wichtigsten Wirtschaftszweige und zuvor eingeschränkt aufgrund von Exportsanktionen) und Kautschuk soll in Zukunft die Einkommenslage des Landes verbessern. In den Abbau von Eisenerz wird in Zukunft wieder umfangreich investiert. Existenzgrundlage für die lokale Bevölkerung bietet die auf Subsistenzproduktion orientierte Landwirtschaft.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)37,440
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)18,2150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)0,415
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)16,149
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)45,0200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)633,087 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)17,378 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC-Decision Point 2008 – Completion Point 2010
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1980, 1981, 1983, 1984 (Classic), 2008 (Cologne), 2010 (HIPC-Exit)
Privat:  1982, 2009

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: Niedrig

 

Risiken für Schuldentragfähigkeit:

  • Essenziell für die wirtschaftliche Entwicklung und Erhaltung der Schuldentragfähigkeit: Abbau der Arbeitslosigkeit und weit verbreiteten Armut; Infrastrukturinvestitionen (Straßen, Wasserversorgung, Energieversorgung, Häfen, Telekommunikation usw.), wofür ca. 4 Milliarden US Dollar benötigt werden, oder ca. 380% des Bruttoinlandsproduktes; Verbesserung der Sicherheitslage und Erhaltung der politischen Stabilität
  • Für die Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen braucht es verschiedene Finanzierungsquellen: konzessionäre (zinsgünstige) Kredite, nichtrückzahlbare Entwicklungshilfezuschüsse und Einnahmen des Landes. Wenn Schenkungen und Einnahmen nicht so hoch ausfallen wie erwartet und durch fehlenden Zugang zu konzessionären Krediten nicht-konzessionäre Kredite zu Marktkonditionen (und damit hohen Zinsen) aufgenommen werden müssen, kann dies die Verschuldungssituation massiv verschlechtern.
  • durch die hohe Abhängigkeit von Rohstoffen und damit nur wenigen Exportgütern, ist Liberia massiv verletzlich hinsichtlich internationaler Rohstoffpreise und externer Nachfrage
  • hohe Lebensmittel- und Energiepreise auf dem Weltmarkt bescheren Liberia hohe Importkosten, die das Handelsdefizit ausweiten, und damit weitere Schuldenaufnahme zur Finanzierung des Defizits nötig machen