Madagaskar

Hat Madagaskar ein Schuldenproblem?

Madagaskar ist akut nicht von Zahlungsunfähigkeit bedroht und weist insgesamt stabile Schuldenindikatoren auf.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)31,140
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)148,2150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)1,715
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)35,549
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)300,4200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)2,985 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)87,9 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Alle Indikatoren bis auf die öffentlichen Schulden im Verhältnis zu den Staatseinnahmen liegen knapp oder deutlich unterhalb kritischer Grenzwerte. Die hohen öffentlichen Schulden resultieren aus der relativ hohen inländischen Verschuldung des Staates.

Wer sind die Gläubiger von Madagaskar?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Madagaskars wichtigste Gläubiger sind multilaterale Entwicklungshilfegeber, namentlich die Internationale Entwicklungsorganisation (engl. International Development Association, IDA) und der Afrikanische Entwicklungsfonds (AfDF). Zusammen mit den sehr günstigen Bedingungen der bilateralen Entwicklungshilfegeber sorgt dies dafür, dass die Belastung durch den laufenden Schuldendienst im Verhältnis zum gesamten Schuldenstand sehr niedrig ist.

Von den bilateralen Schulden entfällt etwa die Hälfte der nicht-konzessionären Schulden aus Exportgeschäften auf die traditionellen Geber des Pariser Clubs; bei den Entwicklungshilfeschulden halten die Club-Mitglieder weniger als ein Fünftel der Forderungen. Deutschland hält keine Forderungen an Madagaskar.

Schulden bei privaten Banken – sowohl solche des Staates als auch von madagassischen Unternehmen – spielen eine für afrikanische Niedrigeinkommensländer relativ große Rolle. Ab 2013 und dann noch stärker ab 2015 hat der madagassische Staat private Banken als Finanzquellen „wiederentdeckt“. Am internationalen Anleihenmarkt ist Madagaskar indes nicht aktiv.

Trend

Seit der Entschuldung im Rahmen der HIPC/MDRI-Initiative 2004 und 2005 sind die Schuldenindikatoren Madagaskars im Großen und Ganzen stabil.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Madagaskar

Madagaskar hat 2000 den Decision Point und 2004 den Completion Point unter der multilateralen HIPC-Entschuldungsinitiative erreicht. Der Schuldenstand wurde durch HIPC und im darauf folgenden Jahr zusätzliche Entlastung durch die MDRI von durchschnittlich mehr als 100 Prozent in den Vorjahren auf die heutige Größenordnung von rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduziert.

Vor den beiden deutlichen Schuldenreduzierungen im Pariser Club nach den Vorgaben der HIPC-Initiative 2001 und 2004 hatte das Land bereits neunmal mit dem Gläubigerkartell verhandelt. Bei fünf Runden zwischen 1981 und 1986 waren überhaupt keine Erlasse, sondern nur Zahlungsverlängerungen gewährt worden. Ab 1988 wurden dann jeweils zunehmende, aber stets unzulängliche Schuldenerleichterungen gewährt.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Trotz der insgesamt niedrigen und relativ stabilen Schuldenindikatoren bescheinigt der Internationale Währungsfonds Madagaskar ein „mittleres“ Überschuldungsrisiko. Der Grund dafür ist die hohe Verletzlichkeit des Landes für externe Schocks, etwa Einbrüche bei den Preisen für die Exportgüter und vor allem Naturkatastrophen. Zwischen 1990 und 2014 wurde Madagaskar von 55 Naturkatastrophen, insbesondere schweren Stürmen, mit mehr als 3.500 Todesopfern und erheblichen wirtschaftlichen Schäden heimgesucht. Der hohe Anteil der Subsistenzlandwirtschaft und generell wetterabhängiger Agrarproduktion macht das Land in höchstem Maße verletzlich.

Politische Empfehlungen

Als ein für externe Schocks besonders empfindliches Land sollte Madagaskar sich für die Schaffung eines Entschuldungsmechanismus für Katastrophenfälle, wie er zuletzt auch im Rahmen des Financing for Development-Prozesses in den Vereinten Nationen diskutiert wurde, einsetzen.

 

Stand: September 2017

 

Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des

bmz_cmyk_de-201701