Madagaskar

Allgemeines zur Wirtschaft Madagaskars

Madagaskars Wirtschaft stützt sich weit gehend auf Landwirtschaft, Bergbau, Textilproduktion und Tourismus als immer wichtigere Einnahmequelle von Devisen. Die traditionell wichtigsten Exportprodukte sind Textilien, Vanille und Garnelen, die wichtigsten Absatzmärkte dafür Frankreich und die USA. Mit der globalen Finanzkrise fiel die Produktion in der Textilbranche um 30%. Hinzu kommt ein Wegfall einer Vorzugsregelung auf dem amerikanischen Markt: Bis Ende 2009 profitierte das Land davon, einen zoll- und quotenfreien Zugang („African Growth and Opportunity Act“, AGOA) zum amerikanischen Markt zu haben, jedoch wurde dies kürzlich gestrichen. Dies vernichtet Einnahmen und Arbeitsplätze. Der landwirtschaftliche Sektor ist hauptsächlich subsistenzwirtschaftlich angelegt. Die Reisernte reicht jedoch häufig nicht aus, um die Versorgung der stetig wachsenden Bevölkerung sicher zu stellen; Madagaskar ist also auf Lebensmittelimporte angewiesen und damit verwundbar hinsichtlich hoher internationaler Lebensmittelpreise. Der Bergbau gilt als ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Zukunft, da Madagaskar seinen Reichtum an Bodenschätzen bisher kaum ausgeschöpft hat. So wurden große Bergbauprojekte im Titan-, Nickel-, Eisenerz- und Kobaltbereich gestartet. Eine politische Krise seit 2009, massive Umweltprobleme sowie das hohe Bevölkerungswachstum stellen aktuell große Probleme für die wirtschaftliche Lage Madagaskars dar.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)43,740
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)108,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)1,715
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)34,649
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)278,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)2,852 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)95,919 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC-Decision Point 2000 – Completion Point 2004
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1981, 1982, 1984, 1985, 1986 (Classic), 1988, 1990 (Toronto), 1997, 2000 (Naples), 2001 (Cologne), 2004 (HIPC-Exit)
Privat:  1981, 1984, 1987, 1990

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: Niedrig

 

Entwicklung der Verschuldungsindikatoren / Risiken für die Schuldentragfähigkeit:

  • durch enge Handelsbeziehungen mit den USA hat die globale Finanzkrise Madagaskar besonders hart getroffen
  • dies gilt auch für den Tourismus, der eine immer wichtigere Einnahmenquelle für Devisen ist. Durch die Finanzkrise gingen Touristenzahlen zurück; der Sektor musste Verlust von ca. 70% verbuchen
  • da Madagaskar einen Teil seiner Lebensmittel importieren muss, ist das Land hinsichtlich hoher Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt sehr verletzlich, da dies höhere Importkosten bedeutet
  • durch Export von Vanille und z.B. Fischprodukten, sowie in der Zukunft verschiedenen Bergbauprodukten ist Madagaskars Wirtschaft stark von schwankenden Weltmarktpreisen beeinflusst
  • da der Haushalt und das Budget Madagaskars zu einem großen Teil durch externe Geber gestützt wird, ist eine Abnahme an Entwicklungs- und Budgethilfe für die Verschuldungssituation und wirtschaftliche Lage fatal
  • politische Instabilitäten seit 2009 führen zu geringeren ausländischen Direktinvestitionen, weniger Budgethilfe, höherer Arbeitslosigkeit
  • mangelhafte Infrastruktur, die dringend Investitionen benötigt, behindert das wirtschaftliche Wachstum

9zi7chg