Malawi

Hat Malawi ein Schuldenproblem?

Malawi hat kein Auslandsschuldenproblem, aber der Staat ist, wenn man inländische und ausländische Schulden zusammenrechnet, deutlich kritisch verschuldet. Die gesamten öffentlichen Schulden bestehen zu etwa 60 Prozent gegenüber ausländischen und zu rund 40 Prozent gegenüber inländischen Gläubigern.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)27,340
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)112,1150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)4,315
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)82,049
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)345,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)1,735 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)65,9 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Malawi?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Malawi ist, abgesehen von sehr kleinen Beträgen gegenüber ausländischen Banken und nicht-konzessionären multilateralen Gebern, im Ausland ausschließlich zu Entwicklungshilfe-Bedingungen – also sehr niedrigen Zinsen und langen Rückzahlungsfristen – verschuldet.

Auslandsschulden von privaten Bürger/innen sowie malawischen Unternehmen oder Banken bestehen nicht.

Trend

Malawis Auslandsschulden-Indikatoren sind seit 2011 sämtlich um mehr als 10 Prozent gestiegen, liegen allerdings noch immer im deutlich unproblematischen Bereich. Deutlich gewachsen sind auch die Schulden des Staates bei inländischen Gläubigern.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Malawi

Malawi hat 2000 den Decision Point und 2006 den Completion Point der multilateralen HIPC-Entschuldungsinitiative erreicht. In den achtziger Jahren hatte Malawi dreimal im Pariser Club umgeschuldet, wobei nur Zahlungsverpflichtungen in die Zukunft verschoben und zu laufenden Zinnsätzen weiter verteuert wurden (Classic Terms). 2001 und 2006 leistete der Pariser Club seine Beiträge zur Umsetzung der HIPC-Initiative unter Cologne Terms (Streichung von 90 Prozent und teilweise 100 Porozent der ausstehenden bilateralen Forderungen). 1983 und 1988 wurden insgesamt knapp 100 Millionen US-Dollar an öffentlichen Schulden bei privaten Banken umgeschuldet.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der Internationale Währungsfonds bescheinigt Malawi ein „mittleres“ Überschuldungsrisiko. Das heißt: Nach den Vorhersagen des Fonds bleibt das Land im wahrscheinlichsten (Baseline-)Szenario unter den kritischen Grenzwerten, überschreitet aber mindestens einen Grenzwert in mindestens einem der routinemäßig durchgerechneten Krisenszenarien. Risiken sieht der IWF hauptsächlich in klimatischen Unwägbarkeiten (Malawi wird in der Zukunft extremere Wetterlagen gewärtigen müssen) sowie in unvollkommener Umsetzung seiner Wirtschaftsprogramme aufgrund schwacher Regierungsführung.

Die zuletzt stark angewachsenen Inlandsschulden sind auf die Deckung der öffentlichen Haushaltsdefizite über den heimischen Kapitalmarkt, die Verbriefung alter Zahlungsrückstände des Staates im Inland sowie die Rekapitalisierung der Zentralbank und einer öffentlichen Bank zurückzuführen.

Ein 2013 von den meisten wichtigen Gebern ausgesprochener Entwicklungshilfeboykott nach Bekanntwerden umfangreicher Veruntreuungen aus dem Staatshaushalt durch hohe Beamte wurde 2017 beendet, hat aber in der Zwischenzeit die ohnehin schwache Volkswirtschaft des Landes weiter geschwächt.

Politische Empfehlungen

Wegen des relativ hohen Gewichts der inländischen Schulden sind die Spielräume zur Entlastung des Landes über externe Schuldenerleichterungen begrenzt. Forderungen nach einer Reduzierung des Auslandsschuldenstands müssten sich auf die starke Gefährdung des Landes durch Klimaveränderungen beziehen.

 

Stand: September 2017

 

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