Malediven

Allgemeines zur Wirtschaft der Malediven

Der Tourismus ist Maledivens größter wirtschaftlicher Sektor, er macht 28% des BIPs und mehr als 60% der ausländischen Einnahmen aus. Über 90% der staatlichen Steuereinnahmen stammen von Import- und tourismusbezogenen Zöllen. Der Fischfang ist der zweitgrößte Sektor, jedoch ist dieser in den letzten Jahren stark gesunken. Landwirtschaft und Produktion spielen weiterhin eine geringe wirtschaftliche Rolle, deren Ursache in der eingeschränkten Verfügbarkeit von bebaubarem Land und in der Knappheit der Arbeit zu finden ist. Die meisten Nahrungsmittel müssen importiert werden. Im letzten Jahrzehnt wuchs das reale BIP durchschnittlich um 6% und 2009 schrumpfte es wieder auf 3%, da der Tourismus zurückging und Kapitalzuflüsse aufgrund der globalen Finanzkrise einbrachen. Die sinkenden Touristenzahlen und Fischexporte, kombiniert mit hohen staatlichen Sozialausgaben, Subventionen und Beamtengehältern, trugen zu einer Zahlungsbilanzkrise bei, welche durch ein 79 Millionen US Dollar schweres „Standby Agreement“ des IWFs im Dezember 2009 gelindert wurde. Des Weiteren privatisierte die Regierung den Hauptflughafen und teilweise den Energiesektor. Die Malediven werden durch ihre geographische Lage erheblich von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein, so liegen 80% des Landes nur ca. einen Meter über dem Meeresspiegel.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)39,140
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)31,2150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)2,315
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)72,849
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)211,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)1,025 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)76,984 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC noch nicht umgesetzt
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: k.A.
Privat:  Keine Umschuldungen

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: Mittel

 

Entwicklung der Verschuldungsindikatoren / Verwundbarkeiten im Hinblick auf Schuldentragfähigkeit:

  • Hauptrisiken: verschiedene externe Schocks, wie Exportschocks (weniger Nachfrage, vor allem weniger Tourismus, da dies das Wirtschaftsstandbein der Malediven darstellt und Einnahmequelle für ausländische Devisen ist), Naturkatastrophen und Auswirkungen des Klimawandels (allein der Tsunami 2004 ließ die öffentliche externe Verschuldung massiv steigen, aufgrund der hohen Finanzierungsnot angesichts der Wiederaufbaukosten), hohe Lebensmittel- und Ölpreise, da die Malediven diese hauptsächlich exportieren muss. Strukturelle Hemmnisse: schmale Exportbasis, kleine Bevölkerung, damit nur geringe menschliche Ressourcen und wenig Möglichkeit, Steuern zu mobilisieren
  • Risikohafte oder falsche finanzpolitische Entscheidungen und damit eine wenig umsichtige Finanz- und Wirtschaftspolitik des Landes stellen ein weiteres großes Risiko dar, da das Haushaltsbudget des Landes nicht nur eng ist, sondern überhaupt keinen Spielraum lässt
  • Die öffentliche Verschuldung, die auch inländische Verschuldung miteinschließt, soll bis 2030 auf über 300% des Bruttoinlandsprodukts steigen.
  • Die „Wachstumsstrategie“ nach dem Tsunami fußte dabei auf Investitionen in den Wiederaufbau von Infrastruktur und einem Ausbau des Tourismussektors.
  • Private Auslandsverschuldung massiv erhöht aufgrund eines schnell wachsenden touristischen Sektors und damit einer hohen Finanzierungsnachfrage. Diese hat einen Anteil von ungefähr der Hälfte des gesamten Schuldenstandes im Verhältnis zum BIP und stellt ein hohes Liquiditätsrisiko für die Malediven dar
  • Aufgrund eines ansteigenden fiskalischen Defizits in den letzten Jahren ist auch die öffentliche Verschuldung massiv gestiegen, da die Regierung dieses Defizit aufgrund eines limitierten Zugangs zu externen, günstigen Finanzierungsmitteln vor allem durch inländische, teure Schuldenaufnahme finanzieren musste.
  • Die globale Finanzkrise bewirkte einen Rückgang im Tourismus- und Exportsektor, von dem die Malediven wirtschaftlich stark abhängen; Kapitalverfügbarkeit für Finanzierungen im Privatsektor gingen massiv zurück und die Regierung hatte gleichzeitig massive Ausgaben → bewirkte hohes fiskalisches Defizit
  • Aufgrund hoher Defizite und wirtschaftlich engen Voraussetzungen, wird die Regierung der Malediven auf externe Unterstützungen (konzessionär und nicht-konzessionär) zurückgreifen müssen und damit ihre Verschuldungssituation weiter verschlechtern