Malediven

Haben die Malediven ein Schuldenproblem?

Die Auslandsschulden der Malediven waren bis Ende 2016 nicht dramatisch hoch. Allerdings war der Staat, wenn man inländische und ausländische Verbindlichkeiten zusammenrechnet, schon zu der Zeit durchaus kritisch verschuldet. Deswegen und weil infolge der geringen Größe und der exponierten Lage der Volkswirtschaft auch kleine Störungen bereits gefährliche Auswirkungen haben können, schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF) das Überschuldungsrisiko der Malediven weiterhin als „hoch“ ein.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (2016)

IndikatorWertGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)35,540
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)34,2150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)3,715
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)65,650
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)231,4200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)1,155 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)123,6 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger der Malediven?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Rund neun Zehntel der gesamten Auslandsschulden der Malediven bestehen auf Seiten des Staates. Dabei wiederum überwiegen die Verbindlichkeiten gegenüber öffentlichen ausländischen Gläubigern deutlich. Der ganz überwiegende Teil der Kredite wurde bis Ende 2016 zu Entwicklungshilfekonditionen, das heißt mit niedrigen Zinsen und langen Laufzeiten aufgenommen.

Allerdings haben die Malediven trotz ihres bereits hohen Überschuldungsrisikos Mitte 2017 Staatsanleihen in Höhe von 200 Millionen US-Dollar am internationalen Kapitalmarkt platzieren können. Das Gläubigerprofil wird sich dadurch deutlich in Richtung auf den privaten Sektor verschieben.

Ein wichtiger multilateraler Gläubiger ist die Weltbanktochter IDA (dt.: Internationale Entwicklungsorganisation). Der IWF spielt nur eine untergeordnete Rolle als Gläubiger.

Trend

Die wichtigsten Auslandsschuldenindikatoren sind seit Beginn der Dekade stabil oder bis Ende 2016 sogar spürbar rückläufig. Die 2017 platzierte erste Staatsanleihe der Malediven ist allerdings mit 7 Prozent verzinst. Sie wird daher den laufenden Zinsdienst, der 2016 16,8 Millionen US-Dollar betragen hatte, knapp verdoppeln. Die Anleihe dient vor allem dem Ausbau der touristischen Infrastruktur.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Malediven

Bis Ende 2016 haben die Malediven ihre Auslandsschulden noch nie restrukturiert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Politik des massiven kreditfinanzierten Ausbaus der touristischen Infrastruktur ist riskant, da der Schuldenstand im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung und der Schuldendienst im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen schon vor Mitte 2017 relativ hoch waren und der Tourismus, der direkt etwa 30 Prozent und insgesamt mit seinen indirekten Effekten geschätzte 75 Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt, ein für externe Störungen extrem anfälliger Sektor ist. Dies wurde zuletzt spürbar, als nach politischen Unruhen sowohl die USA und Großbritannien als auch Indien und China für ihre Staatsbürger/innen Reisewarnungen herausgaben.

Im Zuge ihrer extern finanzierten Investitionsoffensive hat die Regierung Anfang 2017 auch damit begonnen, externe Kreditaufnahmen für den Infrastrukturausbau mit öffentlichen Garantien abzusichern. Diese „impliziten“ Verbindlichkeiten stellen eine zusätzliche Bedrohung für die Schuldentragfähigkeit dar.

Politische Empfehlungen

Wegen ihrer hohen Verletzlichkeit für externe Schocks sollten die Malediven internationale Diskussionen um besondere Entschuldungsoptionen für fragile Staaten, welche durch Naturkatastrophen oder die geringe Größe ihrer Volkswirtschaften bedroht sind, aufgreifen.

 

Stand: Juni 2018

 

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