Mali

Hat Mali ein Schuldenproblem?

Alle Schuldenindikatoren liegen unter dem niedrigsten kritischen Grenzwert. So gesehen hat Mali kein akutes Schuldenproblem. Allerdings liegt der wichtige Indikator Auslandsschulden zu jährlichen Exporteinnahmen nur noch minimal unter diesem Grenzwert. Zudem sind seit Beginn der Dekade alle Indikatoren gestiegen.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)28,940
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)146,3150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)4,315
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)30,949
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)161,7200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)3,668 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)106,1 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Mali?

 

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Nur der malische Staat, nicht aber malische Bürger/innen oder Unternehmen sind im Ausland verschuldet. Bis auf einen relativ kleinen Teil der Schulden bei multilateralen Gläubigern bestehen alle Schulden gegenüber Entwicklungshilfegebern, also zu niedrigen Zinsen und mit langen Rückzahlungsfristen.

Schulden bestehen, abgesehen von einem noch ausstehenden sehr kleinen Bankkredit, ausschließlich gegenüber öffentlichen Gläubigern, entweder im Rahmen der bilateralen Entwicklungshilfe oder – zum deutlich größeren Teil – gegenüber den multilateralen Gebern. Die Weltbanktochter IDA ist mit rund 1,4 Milliarden US-Dollar der größte Gläubiger von Mali.

Trend

Von 2011 bis 2015 sind alle untersuchten Schuldenindikatoren um mindestens 10 Prozent gestiegen.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Mali

Zwischen 1988 und 2003 hat Mali sechs Mal im Pariser Club umgeschuldet und dabei jedes mal zunächst nur marginale (Toronto Terms) und in den letzten beiden Runden im Rahmen der HIPC-Initiative dann weiter reichende Erlasse seiner Schulden bei den Club-Mitgliedern erhalten.

Nach dem Completion Point unter der HIPC-Initiative, die einen Teil der damaligen Schulden bei multilateralen Gläubigern auslöschte, folgte 2005 unter der MDRI auch der vollständige Erlass der damals bestehenden Schulden beim Internationalen Währungsfonds, bei der IDA und beim Afrikanischen Entwicklungsfonds, dem Weichkreditfenster der Afrikanischen Entwicklungsbank. Da 2002 die Grenzwerte der HIPC-Initiative nur relativ gering überschritten wurden, fiel der Erlass unter HIPC so gering aus, dass der Schuldenstand infolge der gleichzeitigen Neukreditaufnahmen nur marginal abnahm. Die MDRI hingegen drückte den damaligen Gesamtschuldenstand von rund 2,9 Milliarden US-Dollar auf etwas mehr als 1,4 Milliarden US-Dollar.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Tatsache, dass Mali in absoluten Beträgen heute schon wieder höher verschuldet ist als vor der HIPC/MDRI-Entschuldung, und zwar weitgehend bei den gleichen Kreditgebern, zeigt die Schwäche der malischen Volkswirtschaft.

Der IWF stuft Malis Überschuldungsrisiko als „mittel“, das heißt, er geht davon aus, dass das Land nicht in Zahlungsschwierigkeiten kommt, wenn es sich an die wirtschaftspolitischen Vorgaben den IWF hält. Sollte es allerdings zu einem externen Schock kommen, werden die kritischen Grenzwerte mit hoher Wahrscheinlichkeit überschritten.

Das größte Risiko eines Schocks besteht in der politischen Instabilität bis hin zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Tuareg-Rebellen und weiteren bewaffneten Gruppen. Die Weltbank hatte deswegen 2014 inmitten der seit 2012 anhaltenden Krise bereits zeitweise die Auszahlung zugesagter Kredite eingestellt. Frankreich strich 2015 rund 71 Millionen US-Dollar noch ausstehende Altforderungen, während eigene Truppen Mali zum Teil besetzt hielten.

Es ist schwer vorstellbar, dass Mali ohne eine politische Befriedung auch wirtschaftlich und finanziell wieder ein normales Mitglied der Weltgemeinschaft wird.

Politische Empfehlungen

In der gegenwärtigen schwachen und instabilen Situation des Landes hat Mali nicht viele Alternativen zur Zusammenarbeit mit den ausländischen Gebern, einschließlich der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich. Die Regierung sollte aber die Zahlungseinstellung an ihre öffentlichen Gläubiger im Falle weiterer Schwierigkeiten als eines ihrer wenigen Druckmittel durchaus in Betracht ziehen.

 

Stand: September 2017

 

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