Mazedonien

Hat Mazedonien ein Schuldenproblem?

Mazedonien hat mit seinen zwei Millionen Einwohner/innen eine für europäische Verhältnisse geringe Wirtschaftsleistung. Im Verhältnis dazu sind die Auslandsschulden und der jährliche Schuldendienst auf einem kritischen Stand. Während die öffentlichen Inlands- und Auslandsschuld nicht kritisch hoch sind, führt die erheblich Verschuldung privater Unternehmen, Banken und Einzelpersonen im Ausland zu Auslandsschuldenindikatoren, die teils erheblich über dem Grenzwert liegen. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank erklären Mazedoniens Schuldenstand über die nächste Zeit für hoch, aber stabil, und loben Verbesserungen beim Schuldenmanagement. Die Tendenzen sind allerdings bedenklich und die Situation in Mazedonien sehr fragil und krisenanfällig.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorWertGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)70,740
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)134,4150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)15,915
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)39,050
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)140,1200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)7,382 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)870,6 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Mazedonien?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Etwas mehr als die Hälfte von Mazedoniens Auslandsschulden entfällt auf den öffentlichen Sektor, während die knappe andere Hälfte auf Schulden mazedonischer Bürger, Banken und Unternehmen bei ausländischen Banken entfällt.

Den Mitgliedern des Pariser Clubs schuldet Mazedonien 100 Millionen US-Dollar aus der Entwicklungszusammenarbeit, davon entfallen 30 Millionen Euro auf Deutschland.

Trend

Die Pro-Kopf-Verschuldung in Mazedonien hat sich seit Beginn der Finanzkrise in Europa nahezu verdoppelt. Seit 2008 hat sich außerdem die Verschuldung im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt verdoppelt. Die Auswirkungen der Krise sind spürbar, vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Schulden steigen, gibt Grund zur Sorge.

Zwischen 2012 und 2016 sind die auf die gesamten öffentlichen Schulden bezogenen Indikatoren in etwa gleich geblieben, während diejenigen, die sich auf die gesamten Auslandsschulden beziehen, um mehr als 10 Prozent angestiegen sind.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Mazedonien

Mazedonien hat bislang zweimal mit dem Pariser Club Umschuldungen durchgeführt, ohne dass dabei ein Schuldenerlass stattgefunden hätte: zunächst 290 Millionen US-Dollar unter Classic Terms im Juli 1995 – die Rückzahlung steht teilweise noch aus – und dann 46 Millionen US-Dollar im September 2000 unter Ad-hoc-Bedingungen. Bemerkenswert an letzterem Abkommen ist, dass es Mazedonien verpflichtete, privaten mazedonischen Schuldnern uneingeschränkt Zugriff auf die Devisenreserven des Landes zu ermöglichen, soweit dies für deren Schuldendienst an Regierungen und private Gläubiger aus den Mitgliedsländern des Pariser Clubs notwendig wäre.

Außerdem gab es 1997 eine Umschuldung von 229 Millionen US-Dollar mit privaten Gläubigern, auch hier allerdings ohne Schuldenerlass. Für die HIPC/MDRI-Initiative war Mazedonien nicht qualifiziert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Mazedonien ist sehr abhängig von Rücküberweisungen von Migrant/innen aus dem Ausland, die die Leistungsbilanz Mazedoniens stützen: Geringere Rücküberweisungen würden das Leistungsdefizit verschlechtern und wahrscheinlich indirekt auch Probleme für die öffentlichen Haushalte darstellen. Mazedonien ist extrem abhängig von Importen, was die Hauptursache für die negative Handelsbilanz darstellt. Ein schwankender Weltmarktpreis für bestimmte Hauptexportgüter Mazedoniens, wie Chemieprodukte, Maschinen, Textilien, Minerale und Metalle, die zusammen über 70 Prozent von Mazedoniens Exporterlösen ausmachen, kann sich negativ auf das Handelsdefizit auswirken: So könnten beispielsweise Turbulenzen auf dem europäischen Markt nach Mazedonien überschwappen, zum Beispiel durch geringere Nachfrage nach den oben genannten Gütern oder einen verschlechterten Zugang zum Kapitalmarkt, der für Mazedonien essentiell ist, um das fiskalische Defizit und den Schuldendienst überhaupt finanzieren zu können.

Politische Empfehlungen

Für ein relativ armes europäisches Land weist Mazedonien einen hohen Anteil privater Verschuldung im Ausland auf. Die Regierung sollte eine schärfere Kontrolle des ausländische Kredite in Anspruch nehmenden Privatsektors vornehmen.

 

Stand: September 2018

 

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