Mexiko

Hat Mexiko ein Schuldenproblem?

Der Internationale Währungsfonds schätzt Mexikos Schuldenstand als tragbar ein, auch in zahlreichen berechneten Negativszenarien. Vier von fünf Schuldenindikatoren sind jedoch bereits jenseits des Grenzwerts. Mexikos Schuldensituation ist also durchaus empfindlich und krisenanfällig.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorWertGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)40,740
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)103,8150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)19,415
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)58,450
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)252,3200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)422,657 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)79,067 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Mexiko?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Mexiko ist ganz überwiegend bei privaten Geldgebern verschuldet, wobei die Mehrheit der Auslandsverbindlichkeiten auf den öffentlichen Sektor entfällt. Öffentliche Gläubiger halten nur rund ein Zehntel aller Auslandsforderungen an Mexiko, wobei multilaterale Gläubiger wichtiger sind als bilaterale.

Unter den bilateralen öffentlichen Gläubigern erhebt der Pariser Club mit insgesamt 3,867 Milliarden US-Dollar mehr Forderungen aus der Entwicklungszusammenarbeit und öffentlich verbürgten Handelsgeschäften als die Weltbank in diesen Kategorien überhaupt ausweist. Keine der beiden Institutionen konnte diese Diskrepanz bislang erklären.

Der deutsche Staat hat keine Forderungen an Mexiko.

Trend

Der Anteil privater Gläubiger ist extrem hoch, besonders bei den Anleihen gibt es ein massives Wachstum. In absoluten Zahlen hat sich die Verschuldung seit 2009 mehr als verdoppelt.

Vier von fünf Schuldenindikatoren sind zwischen 2012 und 2016 um mehr als 10 Prozent angestiegen.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Mexiko

Mit dem Pariser Club hat Mexiko bislang dreimal Umschuldungen im Gesamtwert von 5,5 Milliarden US-Dollar durchgeführt: 1983, 1986 und 1989, alle unter Classic Terms und mittlerweile schon vollständig abbezahlt, jedoch nie verbunden mit einem Schuldenerlass. Mit privaten Gläubigern gab es bis heute sechs Umschuldungen. Viermal davon (1982, zweimal 1983 und 1987) wurden ohne Schuldenerlass insgesamt 119,8 Milliarden US-Dollar umgeschuldet. 1988 und 1990 hingegen wurden, unter andere im Rahmen des Brady-Plans, fast 58 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten bei privaten Banken umgeschuldet; dabei wurden begrenzte Reduzierungen des Nennwerts vereinbart.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Wirtschaft Mexikos ist, auch aufgrund des Nordatlantischen Freihandelsabkommens (NAFTA) von 1994, stark von den Exporten und den wirtschaftlichen Handelsbeziehungen mit den USA abhängig. Sie ist damit auch sehr anfällig für Rezessionen in den Vereinigten Staaten, wie 2008, als Mexikos Wirtschaft um 8 Prozent einbrach. Hier herrscht nun durch die Neuverhandlung des Abkommens noch mehr Unsicherheit; vieles hängt vom Ausgang der Verhandlungen ab. Mexiko wird seine immer weiter steigenden Schulden nur dann auch zurückzahlen können, wenn die Wirtschaft nicht einbricht, welche allerdings zunehmend von Rücküberweisungen der Arbeitsmigrant/innen in den USA, dem Tourismus und dem Ölexport abhängig ist.

Politische Empfehlungen

Mexiko sollte die aktuelle Diskussion um eine neue Schwellenländerkrise aufgreifen und in internationalen Zusammenhängen eine Diskussion um effiziente Entschuldungsverfahren anstoßen, bevor die eigene sich kritisch entwickelnde, aber zur Zeit noch nicht krisenhafte Schuldensituation sich zu einer Krise auswächst.

 

Stand: September 2018

 

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