Moldau

Hat Moldau ein Schuldenproblem?

Moldau hat kein akutes Liquiditätsproblem. Allerdings sind die gesamten Auslandsschulden anhaltend hoch. Hauptgrund dafür ist die hohe private Verschuldung im Ausland.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorWertGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)92,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)197,5150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)13,015
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)43,250
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)126,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)6,59 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)434,3 Mio.
 

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Moldau?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Moldaus Auslandsschulden bestehen zu rund drei Vierteln von Seiten des Privatsektors und nur zu rund einem Viertel von Seiten des Staates. Alle Schulden des Privatsektors bestehen gegenüber ausländischen Banken.

Der moldauische Staat ist hauptsächlich aus der Entwicklungszusammenarbeit verschuldet, dabei deutlich stärker gegenüber multilateralen als gegenüber bilateralen Kreditgebern.

Von den 230 Millionen US-Dollar gegenüber bilateralen Gläubigern entfallen 157 Millionen auf die traditionellen Geber, die Mitglieder im Pariser Club sind, davon 91 Millionen aus der Entwicklungszusammenarbeit und 66 Milionen aus öffentlich garantierten Exportgeschäften. Deutschland ist daran mit 6 Millionen Euro beziehungsweise 11 Millionen Euro in relativ bescheidenem Umfang beteiligt.

Trend

Von 2012 bis 2016 sind vier von fünf Schuldenindikatoren um mindestens 10 Prozent gestiegen. Nur der Schuldendienstquotient (Schuldendienst im Verhältnis zu laufenden Exporteinnahmen) hat sich im gleichen Zeitraum in vergleichbarem Umfang verbessert. Allerdings sind sowohl Schuldenstand als auch Schuldendienst nur von 2012 auf 2013 – also im ersten Jahr der Zeitreihe – gestiegen und danach gleich geblieben oder sogar gefallen. Trotzdem haben sich die Indikatoren auch danach weiter verschlechtert, weil die gesamte Volkswirtschaft von 2013 auf 2014 einen Einbruch von fast 15 Prozent erfahren hat und sich seither nur langsam erholt.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Moldau

Im Mai 2006 hat Moldau eine begrenzte Umschuldung mit einem geringen Erlasselement (Houston Terms) vom Pariser Club erhalten. Das Abkommen wird aktuell noch bedient.

2002 hat Moldau Eurobonds in Höhe von 40 Millionen US-Dollar mit einem Haircut von 37 Prozent umgetauscht. 2004 wurden Schulden bei GAZPROM in Höhe von 115 Millionen US-Dollar um etwas mehr als 50 Prozent reduziert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bescheinigt Moldau ein niedriges Überschuldungsrisiko.

2014 musste der Staat sich verschulden, um wichtige Banken des Landes rekapitalisieren zu können. Die Reform des Bankensektors und die (mögliche Un-)Fähigkeit dieser Banken ihre Verbindlichkeiten gegenüber dem Staat zu bedienen ist aktuell der Hauptrisikofaktor. Ansonsten ist das Land weiterhin empfindlich für externe Schocks, insbesondere Importschwächen bei wichtigen Handelspartnern.

Politische Empfehlungen

Der wirtschaftliche Einbruch 2013/14 hat die Verletzlichkeit der moldawischen Volkswirtschaft deutlich gemacht. Da das wichtigste destabilisierende Element im Moment die private Auslandsverschuldung ist, sollte der Staat die Kreditaufnahme im Ausland strenger kontrollieren und allenfalls in Ausnahmefällen öffentlich absichern.

 

Stand: August 2018