Mongolei

Hat die Mongolei ein Schuldenproblem?

Die Mongolei ist durch extreme Zuflüsse in den Rohstoffsektor nach 2008 in eine ausgeprägte Überschuldungssituation, vor allem des Privatsektors, geraten. Bilaterale und multilaterale Rettungsfinanzierungen haben 2017 den bis dahin nicht überschuldeten öffentlichen Sektor ebenfalls in eine kritische Schuldensituation gebracht.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorWertGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)232,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)421,5150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)28,515
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)90,050
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)358,4200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)23,912 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)1,641 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger der Mongolei?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Die Auslandsschulden der Mongolei sind zu rund vier Fünfteln Schulden des mongolischen Privatsektors – ganz überwiegend des Rohstoffsektors und der diesen finanzierenden heimischen Banken.

Der Pariser Club beansprucht 1,266 Milliarden US-Dollar aus der Entwicklungszusammenarbeit, während die Weltbank auf der Grundlage von mongolischen Angaben nur bilaterale konzessionäre Schulden von 1,073 Milliarden US-Dollar ausweist. Darüber hinaus beansprucht der Club 14 Millionen US-Dollar aus Handelsgeschäften. Diese fehlen bei der Aufstellung der Weltbank völlig. Diese Widersprüche lassen sich auf der Grundlage existierender Daten nicht auflösen. Es kann allerdings festgehalten werden, dass die traditionellen Geberländer bis Ende 2016 die wichtigste bilaterale Gläubigergruppe sind. Deutschland ist mit relativ bescheidenen Forderungen in Höhe von 93 Millionen Euro aus der Entwicklungszusammenarbeit beteiligt.

Dieses Szenario hat sich erst durch die Vergabe von Rettungskrediten aus China und anderen Ländern in Höhe von mehr als 5 Milliarden US-Dollar im Laufe des Jahres 2017 (s.u.) deutlich verschoben.

Trend

Durch sehr große Investitionen in den extraktiven Sektor haben sich die gesamten Auslandsschulden der Mongolei von 2008 bis 2016 mehr als verzehnfacht. Während die Verbindlichkeiten des öffentlichen Sektors sich nur etwas mehr als verdoppelt haben, sind die Schulden des Privatsektors auf mehr als das Fünfzigfache gestiegen. Da das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft etwa in Übereinstimmung mit den öffentlichen Auslandsschulden gestiegen ist, sind deren Indikatoren auf hohem Niveau ungefähr gleich geblieben, während das relative Gewicht der privaten Schulden dramatisch zugenommen hat.

Es ist nicht übertrieben zu bemerken, dass die mongolische Volkswirtschaft heute nicht viel mehr als ein Anhängsel des eigenen Rohstoffsektors ist.

Allerdings haben sich, als der Rohstoffsektor 2016 und 2017 in Schwierigkeiten geriet, die relativen Gewichtungen der beiden Sektoren zulasten des öffentlichen Sektors verschoben, da der mongolische Staat mehr als 5 Milliarden. US-Dollar in Japan, China und auf den internationalen Anleihemärkten sowie beim Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen hat, um den privaten Sektor zahlungsfähig zu halten.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Mongolei

Die Mongolei hat bislang weder mit ihren öffentlichen noch mit ihren privaten Gläubigern Schuldenerleichterungen ausgehandelt.

2017 kam es allerdings zu einem Schuldentausch mit einem sehr geringen Erlasselement bei Anleihen der mongolischen Entwicklungsbank. Diese wurde allerdings nicht als „Kreditereignis“ bewertet, welches den Staat für offiziell insolvent erklärt hätte.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Alle Schuldenindikatoren der Mongolei liegen Ende 2016 deutlich im kritischen Bereich. Entsprechend wurde im Laufe des Jahres 2017 mit einer Zahlungseinstellung aufgrund der untragbar hohen Schulden gerechnet. Diese wurde mit der umfassenden Gewährung neuer Kredite abgewendet; allerdings mit der Folge, dass außer dem privaten nun auch der öffentliche Sektor in deutlich größerem Umfang im Ausland verschuldet ist.

Gläubiger haben 2017 recht bereitwillig neue, für sie selbst weniger vorteilhafte Finanzierungen bereitgestellt, um den „Fuß in der Tür zu haben“, wenn ab 2025 die erweiterte Oyu Tolgoi-Mine mehr als eine halbe Million Tonnen Kupfer pro Jahr auswirft. Sollte der Preis des Kupfers (und anderer Rohstoffe, vor allem Gold und Kohle) indes nicht, wie vom IWF erwartet, stabil bleiben, wäre die Gefahr einer Staatsinsolvenz wegen der durch die jüngste Rettung gestiegenen öffentlichen Verschuldung hoch.

Politische Empfehlungen

Die Mongolei gehört zu den Ländern, für die die Schaffung eines geordneten Entschuldungsverfahrens am dringlichsten geboten wäre. Der zwischenzeitliche Verfall der Rohstoffpreise hat die Verletzlichkeit des extraktivistischen Entwicklungsmodells deutlich gemacht. Ohne die Möglichkeit, Auslandsverbindlichkeiten nötigenfalls zu streichen, wird die Volatilität des Modells absehbar zur sozialen Katastrophe führen.

 

Stand: September 2018

 

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