Nicaragua

Allgemeines zur Wirtschaft Nicaraguas

Nicaragua gilt mit einem sehr niedrigen Bruttoinlandsprodukt als das ärmste Land Zentralamerikas. Landwirtschaft ist ein wichtiges Wirtschaftsstandbein, wobei Rücküberweisungen von Migrant/innen aus dem Ausland eine der wichtigsten Einnahmequellen für ausländische Devisen darstellt. Diese machen 15% des gesamten BIP des Landes aus. Die globale Finanzkrise hat das Land daher besonders hart getroffen: Ein Rückgang an Rücküberweisungen, weniger Nachfrage nach Exportgütern aus den USA und Zentralamerika und geringere Weltmarktpreise für Nicaraguas wichtigste Exportgüter haben die Haushaltssituation Nicaraguas stark verschlechtert. Auch wenn die Arbeitslosenquote offiziell relativ niedrig erscheint, so arbeitet der Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung im informellen Sektor, der statistisch nicht erfasst wird.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)88,840
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)203,1150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)14,815
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)29,449
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)124,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)10,215 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)744,028 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC-Decision Point 2000 – Completion Point 2004
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1991 (London), 1995, 1998 (Naples), 1999 (Ad Hoc),                      2002 (Cologne), 2004 (HIPC-Exit)
Privat:  1980, 1981, 1982, 1984, 1995, 2007

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: Mittel

Risiken für Schuldentragfähigkeit:

  • Nicaragua erhielt einen Schuldenerlass im Rahmen der multilateralen HIPC-Initiative im Jahr 2004. Noch immer stehen jedoch 1,6 Milliarden US Dollar (40% des aktuellen Schuldenstandes) aus: Der Schuldenerlass unter der HIPC-Initiative ist nicht bindend und bilaterale Gläubiger, die nicht im Pariser Club organisiert sind, haben dem Erlass zu einem Großteil nicht zugestimmt. Diese Altschulden belasten die Schuldensituation Nicaraguas damit weiterhin, sowie den finanziellen Spielraum Investitonen in wirtschaftliche und soziale Entwicklung vorzunehmen.
  • Sind erwartete Investitionen in den Energie- und Infrastruktursektor geringer als gedacht, muss Nicaragua das dadurch entstandene Finanzierungsloch durch Kredite ausgleichen
  • Nicaragua muss aktuell Öl importieren, so dass hohe Preise auf dem Weltmarkt für Öl ein Risiko für die Leistungsbilanz des Landes darstellen
  • Die öffentliche inländische Verschuldung Nicaraguas ist in ausländischer Währung ausgewiesen. Damit ist das Land besonders verwundbar im Hinblick auf eine Währungsabwertung.

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