Niger

Hat Niger ein Schuldenproblem?

Infolge des zwischenzeitlichen Verfalls der Uranpreise und steigender Schuldendienstverpflichtungen durch neu aufgenommene Kredite hat sich die nach der Entschuldung 2005 sehr entspannte Schuldensituation des Landes wieder verschärft. Aktuell ist aber nur ein einziger Indikator (der Schuldenstand zu den jährlichen Exporteinnahmen) deutlich im kritischen Bereich. Wegen des konzessionären Charakters fast aller Auslandsverbindlichkeiten hat das auf die Zahlungsfähigkeit aber noch keine kritischen Auswirkungen.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)40,840
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)242,6150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)7,515
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)45,149
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)190,5200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)2,892 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)89,6 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Niger?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Im Ausland verschuldet ist ausschließlich der nigrische Staat, nicht aber Unternehmen, Banken und Privatpersonen. Etwas mehr als die Hälfte der Auslandsschulden besteht gegenüber multilateralen Gläubigern; etwa die Hälfte dieser multilateralen Schulden entfällt auf das Weichkreditfenster der Weltbank, die IDA. Rund 45 Prozent entfallen auf bilaterale Entwicklungshilfegeber. Mit nur 90 Millionen US-Dollar von insgesamt 1.133 Millionen US-Dollar bilateraler Schulden stehen die traditionellen Geber im Pariser Club nur noch für einen geringen Teil der ausstehenden Kredite. China ist ein wichtiger neuer Kreditgeber, genaue Zahlen über die Forderungen einzelner Gläubiger stehen aber nicht zur Verfügung.

Bis auf einen kleinen Teil der multilateralen Schulden resultieren alle aus Entwicklungshilfekrediten, das heißt sie sind zinsgünstig und haben lange Laufzeiten.

Deutschland ist kein Gläubiger von Niger.

Trend

Seit der Entschuldung unter der MDRI (siehe unten) sind Nigers Auslandsschulden durchgängig angestiegen. Insbesondere seit 2010 haben Investitionen in die Urangewinnung – Nigers wichtigster Devisenbringer – und die Exploration der neu entdeckten Öl-Lagerstätten zu einem Anstieg der Verschuldung geführt.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Niger

Niger hat im Zuge des so genannten Millennium Rush im Jahr 2000 den Decision Point und im Jahr 2004 den Completion Point der multilateralen HIPC-Entschuldungsinitiative erreicht. 2005 wurden unter der Multilateral Debt Relief Initiative (MDRI) fast alle verbleibenden Schulden bei der Weltbanktochter IDA, dem Internationalen Währungsfonds und Afrikanischen Entwicklungsfonds (dem Weichkreditfenster der Afrikanischen Entwicklungsbank) gestrichen. Durch letztere wurde der Schuldenstand von stabil rund 2 Milliarden US-Dollar auf seinen seitherigen Tiefststand von 805 Millionen US-Dollar gedrückt.

Zuvor hatte Niger zwischen 1984 und 1996 unter verschiedenen Rahmenwerken neunmal im Pariser Club über Schuldenerleichterungen verhandelt, ohne einer dauerhaften Lösung seines Schuldenproblems näher gekommen zu sein. Erst die beiden Verhandlungsrunden im Kontext der HIPC-Initiative 2001 und 2004 halbierten die Forderungen der Club-Mitglieder.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der IWF schätzt Nigers Überschuldungsrisiko anhaltend als „mittel“ ein. Das heißt, er erwartet keine Zahlungsprobleme, sofern sich das Land an die mit dem Fonds vereinbarten wirtschaftspolitischen Vorgaben hält (Baseline-Scenario). Abweichungen können allerdings dazu führen, dass kritische Grenzwerte überschritten werden. Bei der vorletzten Überprüfungsmission im Sommer 2016 musste die Leitung des IWF Niger bereits einige Ausnahmegenehmigungen (Waiver) für nicht eingehaltene Vorgaben einräumen. Da auch der IWF angesichts der damals angespannten Sicherheitslage im Zusammenhang mit der Bekämpfung islamistischer Gruppen im Lande gedrängt worden war, das Land wirtschaftlich zu stabilisieren, waren die Waiver und die dadurch ermöglichten Auszahlungen von IWF-Mitteln an die Regierung kein Problem.

2013 hat Niger mit der VR China eine Kreditlinie über 1 Milliarde US-Dollar vereinbart, aus der von 2020 bis 2028 Mittel für die Finanzierung von Infrastrukturprojekten abgerufen werden können. Die Rahmenvereinbarung sieht einen Zinssatz von 2 Prozent, 5 Freijahre und einen Rückzahlungszeitraum von 25 Jahren vor. Der Zinssatz ist potenziell günstig, im aktuellen Niedrigzinsumfeld aber für den Kreditgeber durchaus lukrativ. Finanziert werden dürfen ausschließlich profitable Infrastrukturprojekte, denen die chinesische Exim Bank im Einzelfall zustimmen muss.

Politische Empfehlungen

Niger ist eine typische extraktive Ökonomie, die für externe Einflüsse, vor allem Nachfrage- und Preisschwankungen seiner exportierten Güter, extrem anfällig ist. Es sollte auf die Schaffung von besonderen Entschuldungsmöglichkeiten für besonders „vulnerable“ Länder hinarbeiten.

 

Stand: Oktober 2017

 

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