Papua-Neuguinea

Allgemeines zur Wirtschaft Papua-Neuguineas

Das Bruttoinlandsprodukt von Papua-Neuguinea wurde 2012 in den Sektoren Landwirtschaft (28%), Industrie (38%) und Dienstleistungen (33%) erwirtschaftet (Schätzungen). Landwirtschaftliche Produkte Papua-Neuguineas für den Export umfassen Kaffee, Kakao, Kopra, Palmfrüchte, Tee, Zucker, Süßkartoffeln, Vanille, Meeresfrüchte und Fleisch. Wichtig für die Wirtschaft ist die industrielle Verarbeitung von Kopra und Palmöl, die Produktion von Holzprodukten und der Abbau von Rohstoffen wie Gold, Silber und Kupfer. Rohstoffexporte erwirtschaften in Papua-Neuguinea fast 2/3 des Exporteinkommens. Der Abbau der Rohstoffe wird jedoch von einer massiv mangelhaften Infrastruktur erschwert. Bergbau und das Abholzen des Regenwaldes haben darüber hinaus zu erheblichen Umweltschäden geführt. Der formelle Sektor der Wirtschaft ist im Vergleich zum informellen Sektor eher klein, wobei der informelle Sektor die Mehrheit der Bevölkerung beschäftigt. Papua-Neuguinea verfügt über hohe Vorkommen an Erdgas, die Anlass für ausländische Investitionen bieten.

Die wirtschaftliche und touristische Entwicklung Papua-Neuguineas wird stark durch Spannungen innerhalb der Bevölkerung, Landrechtskonflikte, Korruption, Intransparenz und mangelhafte Infrastruktur stark gebremst. Es existiert kein flächendeckendes Straßennetz, weshalb der Fernverkehr mit dem Flugzeug abgewickelt werden muss. Der Transport von Lebensmitteln wie Obst und Gemüse in die größeren Städte ist kaum möglich. Elektrizität, Trinkwasser oder medizinische Grundversorgung sind in weiten Teilen des Landes nicht vorhanden.

Die Schuldensituation von Papua-Neuguinea

Das Land hat laut des Internationalen Währungsfonds ein geringes Risiko der Überschuldung. Der IWF und die Weltbank finden, dass die Verschuldung bei einer Grenze von 40% des Bruttoinlandprodukts oder 150% der Exporteinnahmen kritisch wird. Die Einschätzung des IWF ist verwunderlich, denn die gesamte Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt liegt bei mehr als 90%. Der Grund für diese Diskrepanz liegt daran, dass der IWF nicht alle Schulden mit in die Risikoanalyse einbezieht.

So hat es Papua-Neuguinea innerhalb von 10 Jahren geschafft, seine ausländische öffentliche Verschuldung weitestgehend abzubauen. Diese wird in die Risikoanalyse mit einbezogen. Doch die ausländische Privatverschuldung stieg in den letzten drei Jahren dafür rasant an und liegt heute bei mehr als 82% des Bruttoinlandprodukts (von gerade mal 12% im Jahr 2008). Dieser Anstieg hängt vor allem mit dem „LNG-Projekt“ zusammen. LNG steht für „liquified natural gas“ und das Projekt dient der Förderung, Trennung und Reinigung, dem Transport und der Verflüssigung und Verschiffung von Erdgas in PNG ins Ausland (siehe dazu auch den Wikipedia-Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Papua-Newguinea_LNG_Project). Der Bau des Projekts wird durch Esso Highlands durchgeführt und ist die größte Investition in der Geschichte des Landes. Es hat das Potential, die Wirtschaftsleistung des Landes zu verdoppeln und die Exporteinnahmen des Landes zu verdreifachen. Falls das Projekt jedoch fehlschlägt, oder aus irgendeinem Grund die Einnahmen nicht für den Abbau der Privatverschuldung ausreichen, könnte die Regierung für die Schulden eintreten müssen. Ähnliches haben wir nicht zuletzt in Europa (Irland, Spanien) erlebt, wo private Schulden quasi über Nacht zu Schulden der öffentlichen Hand wurden. Dann hat Papua-Neuguinea durchaus ein Schuldenproblem.

Das Wirtschaftswachstum des Landes wird vor allem durch den Bau des LNG-Projekts vorangetrieben. Eine weitere Hauptstütze der Wirtschaftsleistung des Landes sind Rohstoffexporte. Die Entwicklung der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt, ganz besonders für Kupfer, Gold und Naturgas, beeinflussen damit die Zahlungsfähigkeit des Landes ganz enorm. Durch die Schuldenkrise in Europa veränderten sich Weltmarktpreise zu Ungunsten des Landes und Einnahmen für die Exporte fielen geringer aus.

Es ist geplant, dass das LNG Projekt bis 2015 fertig gestellt ist. Die Förderung von Naturgas soll dann Hauptpfeiler der Wirtschaftsentwicklung von PNG werden. Einnahmen aus dem Export von Naturgas sollen dazu verwendet werden, die ausländische Privatverschuldung abzuzahlen und die ausländischen und inländischen Teilhaber auszubezahlen.

Drei brennende Punkte ergeben sich hier:

  1. Die Frage der Entwicklung von Arbeitsplätzen für die örtliche Bevölkerung und die Verwendung des Geldes für die Entwicklung der unterschiedlichen Regionen: Die arbeitsfähige Bevölkerung ist fast ausschließlich im sogenannten informellen Sektor zu finden, da das Land kaum formale Wirtschaftssektoren mit formalen Arbeitsplätzen besitzt. Daher muss die Bevölkerung bislang Arbeit im informellen Sektor finden. 85% der Bevölkerung sind dabei in der Subsistenzwirtschaft beschäftigt. Das LNG-Projekt bietet eine Chance für die Schaffung von Arbeitsplätzen.
  2. Die Einnahmen aus der Förderung von Naturgas unter dem LNG-Projekt sind wichtig für die Entwicklung der öffentlichen Schuldentragfähigkeit. Sollte es der Regierung nicht gelingen fiskalische Überschüsse durch das Projekt zu generieren, verschlechtert sich die Schuldensituation dramatisch.
  3. Für die Regierung ist es eine große Herausforderung für Transparenz und „accountability“ im Rohstoffbereich zu sorgen, damit die Einnahmen des Projekts, sowie anderer Projekte zur Rohstoffförderung, auch der Bevölkerung zugute kommen.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)135,240
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)312,9150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)31,715
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)42,449
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)213,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)20,920 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)1,165 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC noch nicht umgesetzt
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: k.A.
Privat:  Keine Umschuldungen

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: gering