Republik Kongo

Hat die Republik Kongo ein Schuldenproblem?

Die Republik Kongo ist extrem vom Verfall des Ölpreises getroffen, da der Verkauf von Rohöl 75 Prozent der öffentlichen Einnahmen, 90 Prozent der Exporte und 60 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ausmacht. 2016 musste die Republik Kongo bereits kurzfristig die Zahlungen an die Inhaber einer 2019 fälligen Anleihe einstellen, konnte die Zahlung dann aber innerhalb der Karenzzeit aufbringen.

2017 wurde die Karenzzeit leicht überschritten und das Land von einigen Analysten als „im Zahlungsausfall“ geführt.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)52,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)93,2*150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)3,7*15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)115,049
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)355,6200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)3,836 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)150,2 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger der Republik Kongo?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Die Republik Kongo hat ein recht untypisches Gläubigerprofil. Für ein Land mit niedrigem Einkommen hat es einen bemerkenswert geringen Anteil an multilateralen Schulden. Mehr als die Hälfte aller Schulden entfällt auf bilaterale Entwicklungshilfegeber. Diese sind allerdings nicht die Mitglieder des Pariser Clubs (wie etwa die ehemalige Kolonialmacht Frankreich), da diese den größten Teil ihrer Forderungen unter der Initiative für hoch verschuldete arme Staaten (HIPC) gestrichen haben. Auch Nicht-Club-Mitglieder, welche sich nicht an der Initiative beteiligt haben, spielen nur eine geringe Rolle. Vielmehr handelt es sich um Neukreditvergaben.

Ein vergleichsweise hoher Anteil der Auslandsschulden entfällt auf private Gläubiger – in der Regel im Zusammenhang mit der Ölexploration.

Trend

Alle Auslandsschuldenindikatoren, für die Daten vorliegen, haben sich zwischen 2012 und 2016 um mindestens 10 Prozent erhöht. Ein besonders dramatischer Anstieg ist von 2015 auf 2016 zu verzeichnen, was nach Berichten der britischen Jubilee Debt Campaign unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass ein Teil der Auslandsschulden bis dahin vor den Internationalen Finanzinstitutionen verborgen worden war.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Republik Kongo

Die Republik Kongo hat zwischen 1986 und 2010 zehnmal mit seinen Gläubigern im Pariser Club verhandelt. Acht dieser Abkommen (seit 1994) beinhalteten auch zunächst sehr begrenzte, dann immer weiter reichende Schuldenstreichungen – bis zur nahezu vollständigen Streichung aller Altschulden im Rahmen der HIPC-Initiative im Jahr 2010.

Mit privaten Gläubigern hat es bislang keine Umschuldungen gegeben.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Indikatoren der Republik Kongo sind im internationalen Vergleich extrem hoch und zudem seit 2015 sehr dynamisch gewachsen. Letzteres hängt in erster Linie mit dem seitherigen Ölpreisverfall zusammen. Wenn der Ölpreis sich auf niedrigem Niveau stabilisiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die zwischenzeitliche Zahlungseinstellung 2017 nicht die einzige bleibt.

Politische Empfehlungen

Die kongolesische Regierung ist für Korruption, Nepotismus und schlechte Regierungsführung bekannt. Ein Übereinkommen mit den Gläubigern ist unwahrscheinlich, solange diese das Gefühl haben, dass allein die kleine korrupte Oberschicht des Landes davon profitiert. Reformen in Richtung auf Transparenz und Rechenschaftslegung sind die Voraussetzung für jegliche einvernehmliche Schuldenregelung, welche dem Land neue Entwicklungsperspektiven eröffnen könnte.

 

Stand: April 2018

 

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