Salomonen

Haben die Salomonen ein Schuldenproblem?

Alle Schuldenindikatoren liegen aktuell deutlich unter den kritischen Grenzwerten. Trotzdem bescheinigt der IWF der kleinen Inselgruppe in seiner letzten Schuldentragfähigkeitsanalyse vom März 2016 ein „mittleres“ Überschuldungsrisiko.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)12,940
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)22,9150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)3,615
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)10,449
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)22,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)187,2 Mio.
(2014)
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)17,4 Mio.
(2014)

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger der Salomonen?

SOL Gläubigerprofil 2016-11

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Der Salomonische Staat weist nur Schulden auf, die aus öffentlichen – überwiegend multilateralen – Quellen stammen und zu konzessionären Bedingungen vergeben wurden.

Allerdings sind private salomonische Schuldner mit 51 Millionen US-Dollar gegenüber dem Ausland exponiert.

Trend

Zwischen 2010 und 2014 haben sich alle Indikatoren verbessert.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Salomonen

Bislang haben die Salomonen weder mit öffentlichen noch mit privaten Gläubigern Umschuldungen vereinbart.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

In seiner bemerkenswert kritischen Einschätzung des Überschuldungsrisikos der Salomonen begründet der IWF seine Urteil eines mittleren Risikos mit den möglichen externen Schocks, nicht mit den aktuell existierenden Schulden. Erhebliche Gefahren gehen aus von (a) einer möglichen Dollar-Aufwertung, (b) einer anhaltenden Nachfrageschwäche in China und (c) von klimatischen Phänomenen vor allem im Zusammenhang mit dem pazifischen El-Niño-Phänomen.

Ein weiterer Risikofaktor könnte in den privaten Auslandsschulden stecken, für die der Staat formell keine Verantwortung trägt. Drohende private Insolvenzen könnten in der sehr kleinen Volkswirtschaft den Staat allerdings zwingen, private Schulden zu sozialisieren.

Politische Empfehlungen

Die Salomonen sollten aus der aktuell komfortablen Situation heraus für die Schaffung von Entschuldungsmöglichkeiten für den Fall großer klimatisch bedingter wirtschaftlicher Einbrüche eintreten. Dadurch, dass das Land akut nicht selbst gefährdet ist, könnte es umso glaubwürdiger für die Schaffung einer Initiative für schwer verschuldete kleine Inselentwicklungsstaaten (HISIDS) eintreten, über die es in den kritischer verschuldeten SIDS in der Karibik bereits Diskussionen gibt.

 

Stand: November 2016