Sambia

Hat Sambia ein Schuldenproblem?

Zum 1. Januar 2016 lagen Sambias Auslandsschuldenindikatoren fast vollständig unter den niedrigsten Grenzwerten. Allerdings ist der sambische Staat zusätzlich zu seinen Verbindlichkeiten im Ausland stark im Inland verschuldet, so dass die Indikatoren der öffentlichen Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftskraft durchaus im problematischen Bereich liegen. Besorgniserregend ist in erster Linie die Geschwindigkeit der Neuverschuldung im In- und Ausland, welche das Wirtschaftswachstum deutlich übersteigt.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)43,640
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)106,7150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)6,215
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)56,349
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)309,3200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)8,785 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)507,3 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Ein weiterer für Sambia wichtiger Indikator ist der öffentliche Schuldendienst im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen. Dieser lag 2016 mit 19,6 Prozent alarmierend hoch.

Wer sind die Gläubiger von Sambia?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

90 Prozent aller Auslandsschulden Sambias entfallen auf den sambischen Staat. Private Schuldner spielen nur eine untergeordnete Rolle. Von den öffentlichen Auslandsschulden entfällt zwar mit knapp 3 Milliarden US-Dollar der größte Teil auf konzessionäre Kreditgeber bilateraler und multilateraler Art, der Anteil von Krediten zu Marktkonditionen, vor allem von den multilateralen Gläubigern, ist mit deutlich über 1 Milliarde US-Dollar für ein Niedrigeinkommensland wie Sambia trotzdem außergewöhnlich hoch. Geschuldet ist dieser Umstand den hohen Kreditaufnahmen für den Bergbausektor – also außerhalb des klassischen Entwicklungsfinanzierungs-Portfolios.

Alle Mitglieder des Pariser Clubs hielten am 31. Dezember 2016 zusammen 230 Millionen US-Dollar Forderungen an Sambia, jeweils zur Hälfte Handelsforderungen und Schulden aus der Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland ist seit der HIPC-Entschuldung kein Gläubiger Sambias mehr.

Trend

Sambia gehört zu den Ländern, die seit Beginn der Dekade Ziel großer Investitionsoffensiven aus reicheren Ländern geworden sind. 2012 und dann erneut 2015 konnte Sambia erstmals in seiner Geschichte Staatsanleihen an den internationalen Kapitalmärkten verkaufen. Infolge der massiv ausgeweiteten Kreditaufnahme sind die Schulden schneller gewachsen als die Wirtschaft; folglich haben alle Schuldenindikatoren seit 2011 deutlich zugenommen. Da nach der Entschuldung des Landes unter der HIPC/MDRI-Initiative der Verschuldungszyklus aber auf einem sehr niedrigen Niveau begonnen hat, liegen die Auslandsschulden-Indikatoren Ende 2015 noch nicht im kritischen Bereich.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Sambia

Sambia erreichte im Zuge des so genannten Millennium Rush seinen Decision Point im Rahmen der HIPC-Initiative. 2005 wurde der Completion Point erreicht und gleichzeitig auch die Streichung der verbliebenen Schulden bei der Weltbanktochter IDA, dem Internationalen Währungsfonds und dem Afrikanischem Entwicklungsfonds unter der Multilateral Debt Relief Initiative (MDRI) umgesetzt. Durch die Initiative fiel der Auslandsschuldenstand von 7,4 Milliarden US-Dollar 2004 auf 2,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006.

Zuvor hatte Sambia seit 1982 bereits siebenmal im Pariser Club verhandelt, davon wurden dreimal nur Zahlungsaufschübe gewährt (Classic Terms), viermal gab es unterschiedlich weitreichende Zahlungserleichterungen.

1994 konnte Sambia einen Teil seiner Schulden bei kommerziellen Banken mit Unterstützung eines externen Gebers mit einem Abschlag zurückkaufen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der IWF bescheinigt im September 2017 Sambia ein „mittleres“ Überschuldungsrisiko. Das heißt, dass das Land nicht in Schwierigkeiten kommen wird, wenn es sich weiter innerhalb des vom IWF prognostizierten Basisszenario hinsichtlich Wachstum, Inflation und Kreditaufnahme bewegt. Tritt eines der vom IWF routinemäßig durchgerechneten Schockszenarien ein, ist hingegen die Zahlungsfähigkeit durchaus in Gefahr.

In seiner jüngsten Länderanalyse beklagt der IWF, dass die heimische Kreditaufnahme der Regierung bereits den Kreditzugang privater sambischer Unternehmen am heimischen Kapitalmarkt gefährdet – und damit das für eine Reduzierung der Schuldenindikatoren essenzielle Wirtschaftswachstum.

Von den internationalen Rating-Agenturen wird Sambia knapp über der „Schrott-Kategorie“ bewertet („B“ bei Fitch mit negativem Ausblick). Hintergrund dieser negativen Einschätzung sind die anhaltenden Defizite im Staatshaushalt und die absehbar anhaltenden Einbrüche bei den Exporteinnahmen infolge der niedrigen Rohstoffpreise. Ein im Sommer 2017 diskutierter 1,3 Milliarden-US-Dollar-Kredit vom IWF wurde gleichwohl noch nicht vereinbart. Allerdings hat sich zu der Zeit auch der Kupferpreis wieder leicht erholt.

Politische Empfehlungen

Sambia steuert ohne eine stärkere Budgetdisziplin auf eine Staatspleite zu. Der IWF mahnt deshalb nachdrücklich eine verantwortungsvollere Haushaltspolitik an. Auch wenn diese zweifelsfrei sinnvoll wäre, darf nicht übersehen werden, dass ein Teil der Probleme Sambias aus dem starken Einbruch des Kupferpreises resultiert, auf den die sambische Regierung naturgemäß keinen Einfluss hat. Sie steht daher vor zwei Herausforderungen: Zum einen muss sie die unvermeidbare fiskalische Konsolidierung so gestalten, dass nicht die Ärmsten dafür zur Kasse gebeten werden, sondern diejenigen Sambier/innen, die es sich leisten können. Zum anderen sollte die Regierung in internationalen Gremien Vorschläge für Entschuldungsinitiativen unterstützen, welche Länder, die besonders abhängig von wenigen Rohstoffexporten sind, Entlastungsmöglichkeiten beim Schuldendienst verschaffen.

Weiterführende Informationen und Materialien:

 

  • Artikel „Die öffentliche Verschuldung in Sambia und ihre Auswirkungen in der Zukunft“ von Andrew Simpasa und Frank Mischo, in: Schuldenreport 2015, S. 25-27

 

Stand: Oktober 2017

 

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