Simbabwe

Hat Simbabwe ein Schuldenproblem?

Simbabwe ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im teilweisen Zahlungsausfall. Die Wirtschaft befindet sich seither in der Krise. Ein Neustart ohne umfassenden Schuldenerlass ist nicht möglich.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2015)

Simbabwe hat seit längerer Zeit nur unvollständige oder wenig vertrauenswürdige Daten an die Weltbank übermittelt. Die folgenden Angaben beruhen sich deshalb – anders als in den anderen Ländern – auf dem Artikel IV-Report des IWF (Mai 2014).

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)83,740
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)304,0150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)3,515
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)70,849
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)309,9200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)10,57 Mrd.
(2014)
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)3,31 Mrd.
(2014)

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Ende 2015 waren nach Auskunft des simbabwischen Entschuldungsnetzwerks ZIMCOOD Schulden im Umfang von 5,5 Milliarden US-Dollar im Zahlungsausfall. Wegen der unsicheren Berechnung der darauf fälligen Zins, Zinseszinsen und Strafzinsen, sind alle Angaben zu den aktuellen Verschuldungsständen des Landes mit Vorsicht zu genießen.

Wer sind die Gläubiger von Simbabwe?

Von 2014 auf 2013 hat sich das Gläubigerprofil deutlich verändert:

ZIM Gläubigerprofil 2016-11

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Schon vor 2013 hatte sich die Volksrepublik China zum wichtigsten bilateralen Gläubiger Simbabwes entwickelt. Zinsgünstige Kredite in Höhe von insgesamt mehr als 1 Milliarden US-Dollar wurden seither von Peking vergeben und teilweise auch schon wieder zurückgezahlt. China gehört zu den wenigen Gläubigern, die aktuell Schuldendienst aus Simbabwe kassieren.

Trend

Simbabwes Schulden bestanden bis 2013, neben den neuen Krediten aus China, überwiegend aus Altforderungen aus den Zeiten starker wirtschaftlicher Unterstützung aus den traditionellen Geberländern, bevor die Regierung Mugabe sich mit diesen überwarf. 2014 gelang es – ohne Absicherung durch die Regierung – mehr als 3 Milliarden US-Dollar an privaten Kreditfinanzierungen für simbabwische Unternehmen zu mobilisieren. Entsprechend groß ist seither der Anteil privater Gläubiger.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Simbabwe?

Zimbabwe hat nach seinen sukzessiven Zahlungseinstellungen in den 90er Jahren keine ernsthaften Verhandlungen mit seinen Gläubigern geführt. Das Land war nicht auf der Liste der ursprünglich qualifizierten Länder der HIPC-Initiative, da es Mitte der neunziger Jahre noch formell als Mitteleinkommensland galt. Infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs war es zehn Jahre später zum Niedrigeinkommensland herabgestuft worden, und konnte sich durch die hohen Schuldenstände prinzipiell für die Initiative qualifizieren. Ein formales Verfahren ist allerdings seither nicht in Gang gekommen, da erhebliche Zahlungsrückstände gegenüber multilateralen Gläubigern bestehen. Diese müssten zunächst beglichen werden – etwa durch neue multilaterale Kredite, die dann unter Umständen Gegenstand von Schuldenstreichungen werden könnten. Ende 2015 gab die Regierung an, gegenüber dem IWF die vergleichsweise geringen Zahlungsrückstände von rund 150 Mio US-Dollar sowie die mehr als 1 Mrd. US-Dollar Zahlungsrückstände gegenüber der Weltbank und 601 Mio US-Dollar gegenüber der Afrikanischen Entwicklungsbank begleichen zu wollen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der IWF kategorisiert Simbabwe als „im Zahlungsverzug“. Der bemerkenswert niedrige Indikator Schuldendienst/Exporteinnahmen“ lässt erkennen, dass überhaupt nur ein kleiner Teil der Auslandsschulden überhaupt bedient wird.

Die Infrastruktur ist mangelhaft, der öffentliche Sektor aufgeblasen, externe Finanzierungen und ausländische Direktinvestitionen sind gering und Geberleistungen beschränken sich zu einem Großteil auf humanitäre Hilfe. Die untragbare Situation könnte sich angesichts schwankender Rohstoffpreise noch weiter verschlechtern. Die defizitäre Zentralbank in Simbabwe stellt ein hohes Risiko für den gesamten Finanzsektor Simbabwes dar, da dort viele Banken ihre Einlagen haben.

Politische Empfehlungen

Eine wirkungsvolle Schuldenreduzierung ist für einen Neustart der Volkswirtschaft nach Jahrzehnten der Krise unerlässlich. Die Gläubiger haben sich anders als bei anderen (wieder) kritisch verschuldeten Ländern zu einer umfassenden Regelung im Rahmen der HICP/MDRI-Initiative bereit erklärt. Diese Chance sollte so bald wie möglich genutzt werden.

Allerdings wird die Wirksamkeit des potenziellen HIPC-Erlasses dadurch eingeschränkt, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Auslandsschulden auf Seiten der simbabwischen Privatwirtschaft besteht. Deswegen sollte eine umfassende Regelung aller öffentlichen und privaten Auslandsschulden des Landes angestrebt werden, für die der HIPC-Erlass nur den öffentlichen „Kern“ abgibt. Ohne eine entsprechende Regelung bestünde die Gefahr, dass öffentliche Zugeständnisse lediglich dazu helfen würden, einen weiterhin untragbaren Schuldendienst der gesamten Volkswirtschaft gegenüber privaten Gläubigern zu finanzieren. erlassjahr.de hat in der Studie „How it could work: The alternative to the traditional debt relief processes for Zimbabwe – an illustration“  deutlich gemacht, wie ein solches Verfahren aussehen könnte.

 

 WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN UND MATERIALIEN:

 

Stand: November 2016

 

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