St. Kitts & Nevis

Haben St. Kitts und Nevis ein Schuldenproblem?

Dem Staat ist es seit Beginn der Dekade gelungen, die öffentlichen Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung deutlich zu reduzieren. Allerdings ist der Privatsektor in hohem Maße im Ausland verschuldet. Überdies sind die hohen Einnahmen der letzten Jahre kaum nachhaltig.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren

St. Kitts und Nevis berichtet nicht an das Debtor Reporting System der Weltbank. Deswegen ist es eines der wenigen Länder für das nicht alle Zahlen für Ende 2016 vorgelegt werden können. Insbesondere fehlen aus offiziellen Quellen Angaben zum laufenden Schuldendienst in 2016.

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)46,640
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)349,0150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)k. A.15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)65,549
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)191,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)187,9 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)k. A.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von St. Kitts und Nevis?

Die Schulden des Staates entfallen je ungefähr zur Hälfte auf heimische und auf ausländische Gläubiger. Allerdings machen die Auslandsschulden des öffentlichen Sektors nur etwa ein Sechstel der gesamten Auslandsschulden von St. Kitts und Nevis aus.

Eine genauere Aufschlüsselung ist aus Mangel an Daten nicht möglich.

Trend

Als eine kleine Volkswirtschaft mit zudem einer unvollständigen Berichtserstattung über die Auslandsschulden ist die Situation höchst volatil. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die öffentlichen Schulden deutlich zurückgehen und die privaten Auslandsschulden stabil hoch bleiben.

Bisherige Schuldenerleichterungen für St. Kitts und Nevis

Zu Beginn der Dekade hat St. Kitts und Nevis seinen Schuldenstand teilweise reduzieren können:

  • Etwa 300 Millionen US-Dollar Schulden bei Privatgläubigern sollen in Landeigentum umgewandelt werden. Die Operation ist allerdings bis heute nicht abgeschlossen.
  • Anleiheschulden in Höhe von 178 Millionen US-Dollar wurden gegen länger laufende Anleihen getauscht.
  • Mit Großbritannien und den USA wurden kleinere Umschuldungen über insgesamt 5 Millionen US-Dollar außerhalb des Pariser Clubs vereinbart.

Für die HIPC-Initiative war St. Kitts und Nevis als Hocheinkommensland nicht qualifiziert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die bedeutendsten Risiken stammen aus der großen privaten Auslandsverschuldung, sowie aus der Tatsache, dass öffentliche Haushalte vor allem infolge großer Einnahmen aus dem sehr erfolgreichen Citizenship-by-Investment-Programm (CBI) stammen. CBI erlaubt es reichen Privatpersonen aus anderen Ländern bei entsprechend hohen Investitionen in St. Kitts und Nevis, schnell und unbürokratisch die Staatsbürgerschaft zu erwerben. Diese wiederum sichert den visafreien Eintritt in die USA/Kanada sowie die EU. Sollten die genannten Staaten hier – zum Beispiel infolge von Gesetzübertritten bereits eingebürgerter Personen – auf eine restriktivere Linie umschwenken, droht diese wichtige Einnahmequelle über Nacht zu versiegen. Auch wenden mehr und mehr Staaten inzwischen das erfolgreiche CBI-Modell an.

Politische Empfehlungen

Die Behörden des Landes sollten sich nicht darauf verlassen, dass die aktuell guten, aber umstrittenen Einnahmen in der gleichen Weise weiter zur Verfügung stehen und an einer nachhaltigen Finanzierungsstrategie arbeiten.

 

Stand: November 2017

 

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