Sudan

 

Hat der Sudan ein Schuldenproblem?

Der Sudan hat hohe Zahlungsrückstände aufgebaut und zahlt aktuell nur einen geringen Teil seiner Auslandsschulden. Sein Zugang zu neuen externen Finanzierungen ist deshalb stark eingeschränkt. Das relativ günstige Verhältnis von laufendem Schuldendienst zu den Exporteinnahmen ist insofern irreführend. Aussagekräftiger ist das deutliche Missverhältnis zwischen Auslandsschuldenstand und Exporteinnahmen sowie das zwischen Öffentlichen Schulden und Staatseinnahmen. Die hohen Werte sind vor allem auf einen geschrumpften Wert im Nenner, das heißt Rückgänge auf der Einnahmenseite, zurückzuführen.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand: 2016)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)24,340
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)454,4150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)6,415
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)66,549
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)665,4200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)21,1 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)296,6 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Es muss berücksichtigt werden, dass die Zahlen, die von der Regierung an die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds (IWF) gemeldet werden, möglicherweise kein vollständiges Bild der Schulden oder der sudanesischen Wirtschaft zeichnen.

Wer sind die Gläubiger des Sudan?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Alle Auslandsschulden des Sudan bestehen von Seiten des Staates oder sind von ihm garantiert. Sudanesische Unternehmen und Privatpersonen sind nicht im Ausland verschuldet. Rund zwei Drittel der Auslandsschulden sind bei multilateralen und bilateralen Gläubigern zu Entwicklungshilfebedingungen aufgenommen.

Trend

Die Schuldenstände und -indikatoren sind relativ stabil, da die Regierung nur schwer Zugang zu neuen Krediten findet. Private Kreditvergabe hat es seit 2005 nicht mehr gegeben. Die Auszahlungen aus den zugänglichen bilateralen und multilateralen Quellen sind in den letzten zehn Jahren ebenfalls deutlich zurückgegangen. Geber wie die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützen den Sudan indes weiterhin. Seit der Unabhängigkeit des Südsudan haben sich die Exporteinnahmen auf rund ein Drittel verringert.

Bisherige Schuldenerleichterungen für den Sudan

Der Sudan hat zwischen 1979 und 1984 viermal zu Classic Terms, das heißt ohne Schuldenreduzierungen im Pariser Club umgeschuldet. Alle vier Abkommen sind, obwohl bereits reichlich betagt, noch aktiv, da der Schuldner zwischenzeitlich Zahlungen an einzelne Club-Mitglieder eingestellt hat.

Russland hat dem Sudan Ende 2016 unter Außerachtlassung der so genannten „Gläubigersolidarität“ im Pariser Club rund 17 Millionen US-Dollar einseitig erlassen.

Der Sudan ist eines von drei Ländern, die für die HIPC-Initiative qualifiziert sind, aber den Decision Point noch nicht erreicht haben. Bei der Unabhängigkeit des Südsudan hatte die Regierung in Khartum sich bereit erklärt, auf eine Aufteilung der Schulden des Staates zu verzichten, wenn die Gläubiger im Gegenzug die vorgesehene HIPC-Entschuldung umsetzten. Dies ist seither nicht geschehen, wofür der IWF die fehlende Bereitschaft der Regierung, die Zahlungsrückstände zu begleichen und sich einem Strukturanpassungsprogramm zu unterwerfen, verantwortlich macht.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der Sudan ist gegenüber den meisten Gläubigern im Zahlungsverzug, dazu gehören Rückstände von rund 1,4 Milliarden US-Dollar gegenüber dem IWF, 800 Millionen US-Dollar gegenüber der Weltbank und 300 Millionen US-Dollar gegenüber der Afrikanischen Entwicklungsbank. Der IWF kategorisiert den Sudan als in debt distress. Von Schuldentragfähigkeit, die eventuell gefährdet sein könnte, kann daher keine Rede sein.

Politische Empfehlungen

Der Sudan sollte auf eine Umsetzung der im Prinzip zugänglichen HIPC/MDRI-Entlastung hinarbeiten, um dadurch die Abhängigkeit von den wenigen noch hilfsbereiten externen Financiers zu verringern.

 

Stand: Dezember 2017

 

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