Trinidad & Tobago

Allgemeines zur Wirtschaft von Trinidad und Tobago

Die ehemalige britische Kolonie, die aus den beiden Inseln Trinidad und Tobago besteht, besitzt derzeit etwa 1,3 Millionen Einwohner. Seit 1976 gehört der republikanische Inselstaat zu dem Common Wealth of Nations. Im Zuge der Bestzung durch die Allierten im Zweiten Weltkrieg, entwickelte sich eine ausgeprägte Infrastruktur und bedeutende Industriezweige, welche die Wirtschaft Trinidad und Tobagos noch heute stark prägt. Die Republik gilt daher als am stärksten industrialisiertes Land in der karibischen Region.
Als größter Leistungsträger des Inselstaates gilt derzeit noch der Energiesektor. Die Exportwirtschaft beruht zu einem Großteil auf der Ausfuhr von Öl, Ölerzeugnissen und Flüssiggas. Da die vorhandenen Gas- und Öl-Ressourcen in naher Zukunft erschöpft sein werden, versucht Trinidad und Tobago gegenwärtig fossile Rohstoffe durch Bohrungen auf dem Meeresboden auszubeuten, um sich langfristig Erträge aus dem Exportgeschäft mit diesen Brennstoffen zu sichern.
Desweiteren ist die Wirtschaft vor allem durch landwirtschaftliche Erzeugnisse für den Export (u.a. Zucker, Zitrusfrüchte, Gemüse, Kakao) und dem Eigenbedarf, der Ausfuhr von Tropenhölzern, die petrochemische Industrie, die Leichtindustrie und dem Tourismus geprägt. Die Bauindustrie wird im Inland staatlich subventioniert, durch die ausgeprägte Vergabe von Bauaufträgen durch die öffentlichen Hand. Ein Großteil des aktuellen Wirtschaftswachstum wird durch den Finanzsektor getragen und durch einen raschen Anstieg ausländischer Direktinvestitionen besonders aus Deutschland und den USA.
Die bedeutendsten Handelspartner Trinidad und Tobagos sind aktuell die USA, Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Chile und Spanien. Derzeit verhandelt der karibische Inselstaat darüber hinaus über ein Handelsabkommen u.a. mit Guatemala und El Salvador. Die Hauptimporte Trinidad und Tobagos sind mineralische Brennstoffe, Maschinen, Transportmittel, lebende Tiere, Nahrungsmittel, verarbeitete Güter und Chemikalien.
Seit 2011 gilt Trinidad und Tobago nach OECD-Richtlinien offiziell nicht mehr als Entwicklungsland und kann das höchste Pro-Kopf-Einkommen im lateinamerikanischen und karibischen Raum vorweisen. Auch die Einkommensverteilung ist im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern verhältnismäßig ausgeglichen.
Die offizielle Arbeitslosenquote liegt zwar auf einem geringen Niveau, jedoch gehen internationale Beobachter/innen und insbesondere der IWF davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Menschen in Trinidad und Tobago, die keine Arbeit haben, weitaus höher liegt.
2011 verhängte der Staat temporär den Ausnahmezustand, infolgedessen es laut Amnesty International zu (rechtswidrigen) Tötungen von Einzelpersonen durch die Polizei kam. Darüberhinaus gilt Trinidad und Tobago als zentraler Drogenumschlagplatz in der Region. Das hat bis in die Gegenwart eine hohe Mordrate, sowie vermehrte Banden- und Drogenkriminalität zur Folge. Auch politische Korruption ist ein anhaltend strukturelles Problem des Landes.

 

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)16,940
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)41,6150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)k.A.15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)39,3*49
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)125,7*200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)4,879 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)k.A.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014
* 2013


Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC noch nicht umgesetzt
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1989, 1990 (Classic)
Privat:  1989

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: keine Einschätzung vorgenommen worden

 

Informationen zur Schuldentragfähigkeit:

  • Die zu erwartenden Rückgänge der Erträge aus dem Energiesektor durch die Erschöpfung der vorhandenen Ressourcen und dem nachhaltigen Fall der Energiepreise stellt die Wirtschaft Trinidad und Tobagos vor die Aufgabe, sich auf andere Industriezweige und Dienstleistungsgüter umzustellen. Dabei empfiehlt der IWF vor allem nach neuen ökonomischen Möglichkeiten jenseits des Energiesektors zu suchen. Für die langfristige Schuldentragfähigkeit ist dies sehr bedeutsam.
  • Trotz schneller und effektiver Maßnahmen, dass aus der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise entstandene Haushaltsdefizit einzugrenzen, prognostiziert der IWF derzeit ein zunehmendes Ungleichgewicht in der Schuldenakkumulation. Zwar hat Trinidad und Tobago derzeit einen guten Zugang zu günstigen finanziellen Mitteln, gleichzeitig fehlt es jedoch an Anstrengungen die monetäre Situation des Landes zu stabilisieren. Externe Schocks könnten daher schnell zu einem Schuldenproblem werden.
  • Die Verwendung von aufgenommenen Krediten ist oft nicht besonders transparent. Vom IWF wird vermutet, dass ein Großteil der aufgenommenen Kredite für den Ankauf von Kraftfahrzeugen verwendet wird. Dies könnte negative Konsequenzen für die langfristige Schuldentragfähigkeit haben, da die Kredite nicht dazu beitragen das Wirtschaftswachstum Trinidad und Tobagos zu fördern.
  • Die Engpässe im Zugang zu Devisen erschweren großen und mittleren Privatunternehmen die Handelsbeziehungen zu ausländischen Zuliefern aufrechtzuerhalten. Die Unternehmen können durch das Fehlen von verfügbaren Devisen Rechnungen oftmals nicht begleichen, was dazu führt, dass die Wirtschaftsleistung der Republik gedrosselt wird.
  • Der karibische Inselstaat wird in Zukunft immer stärker vom Klimawandel betroffen sein. Dies kann negative Auswirkungen auf die Schuldensituation haben.