Tschad

Allgemeines zur Wirtschaft Tschads

Das zentralafrikanische, binnenstaatliche Land Tschad hängt wirtschaftlich vor allem am Export von Rohöl, wobei mehr als 80% der arbeitsfähigen Bevölkerung im landwirtschaftlichen Sektor (Vieh) beschäftigt ist. Die Wirtschaft Tschads wird dabei vor allem durch die geographische Lage, einer extrem mangelhaften Infrastruktur, politischen Unruhen und einer schlechten Regierungsführung gehemmt. Der informelle Sektor macht einen substantiellen Teil der Wirtschaft aus, zum Beispiel durch den nicht formellen Viehhandel mit Nachbarstaaten wie Lybien. Tschad hängt weiterhin stark von externen Hilfszuflüssen und günstigen Krediten der multilateralen Finanzinstitutionen ab, vor allem im Hinblick auf Verbesserungen in Landwirtschaft und Infrastruktur. Bekannt ist das Land für das „Tschad-Kamerun-Pipelineprojekt“, dass ursprünglich von der Weltbank gefördert wurde und seit 2000 von einer Unternehmensgruppe von Öl-Unternehmen (Exxon Mobil, Chevron, Malaysian Petronas) getragen wird, die mehr als 7 Milliarden US Dollar in das Projekt investiert haben. Da an den damaligen Weltbankkredit Auflagen zur Verbesserung der sozio-ökonomischen Lage der Bevölkerung geknüpft waren und Tschad jedoch viel mehr in die nationale Sicherheit als in den Ausbau von Privatsektor und in die soziale Entwicklung der lokalen Bevölkerung investiert hat, zog die Weltbank die Finanzierung ab 2008 zurück.

Aktuelle Verschuldung:

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)21,640
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)39,4*150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)3,2*15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)24,649
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)137,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)2,215 Mrd.*
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)107,727 Mio.*

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Stand: 2014
* 2012/13

 

Entschuldungsstatus:

Multilateral: HIPC-Decision Point 2001 – Completion Point 2015
Bilateral: Pariser Club Umschuldungen: 1989 (Toronto), 1995, 1996 (Naples), 2001 (Cologne), 2015 (HIPC-Exit)
Privat:  Keine Umschuldungen

Einschätzung des Verschuldungsrisikos durch IWF und Weltbank: hoch

 

Entwicklung der Verschuldungsindikatoren / Verwundbarkeiten im Hinblick auf Schuldentragfähigkeit:

  • besorgniserregende innenpolitische Lage
  • die externe Verschuldung aufgrund des starken Ölsektors und bislang wenig Kreditaufnahme signifikant abgenommen
  • ist trotzdem ein Kandidat für eine Entschuldung unter HIPC; erreicht den „Completion Point“ und damit die endgültige Entschuldung jedoch aus innenpolitischen Gründen bislang nicht
  • Finanzkrise hat das Land vor allem im Hinblick auf niedrigere internationale Ölpreise getroffen: die Regierung hat die geringeren Einnahmen durch Öl bei einem gleichzeitig erhöhten Ausgabenniveau durch Kreditaufnahme bei der Zentralbank und Ausschöpfung von Öl-Ersparnissen ausgeglichen
  • die aktuelle Haushaltsposition ist daher nicht tragfähig: Ausgegebene Ersparnisse, eine erhöhte öffentliche Verschuldung sowie kontinuierlich hohe Ausgaben, ein hohes Leistungsbilanzdefizit, wenig ausländische Direktinvestitionen, dadurch eine rapide Abnahme der Devisenreserven. Dazu kommt die Aufnahme von zwei hohen Krediten zu marktüblichen und damit teuren Konditionen
  • da das „Doba“-Ölfeld seine Kapazitäten weitestgehend erreicht hat, wird in Zukunft eine signifikante Abnahme der Ölproduktion erwartet, die jedoch die Wirtschaft zu einem Großteil stützt
  • großes Risiko für Schuldentragfähigkeit neben fehlenden, wirtschaftlichen Alternativen: die erneute Abnahme der internationalen Ölpreise, abnehmende Öleinnahmen und abnehmende Budgethilfe (aufgrund von Tschads enger Haushaltssituation und zusätzlich abnehmenden Öleinnahmen, die Kreditgeber/innen davon abhalten, Budgethilfe in Form von günstigen Krediten zu vergeben)