Uganda

Hat Uganda ein Schuldenproblem?

Uganda gilt als eine der Erfolgsgeschichten der multilateralen HIPC-Entschuldungsinitiative. 2006 wurden die Auslandsschulden des Landes so drastisch abgesenkt, dass es erstmals Zugang zum internationalen Kapitalmarkt bekam. Zudem wird es weiterhin großzügig durch bilaterale und multilaterale Entwicklungshilfe-Kredite unterstützt. Daraus resultieren indes rasch ansteigende Schuldenindikatoren, die im Falle eines gewichtigen externen Schocks zu einer Schuldenkrise werden können.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorWertGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)39,640
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)220,0150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)18,815
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)37,350
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)249,3200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)9,947 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)851,0 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Uganda?

Uganda weist trotz des starken Wachstums in der laufenden Dekade und dem erstmals erfolgreichen Zugang zum Kapitalmarkt noch immer das Gläubigerprofil eines klassischen Niedrigeinkommenslandes auf: Rund 90 Prozent aller Schulden resultieren aus der Entwicklungszusammenarbeit und sind entsprechend niedrig verzinst und mit langen Laufzeiten ausgestattet. Von diesen wiederum besteht der ganz überwiegende Teil gegenüber multilateralen Gläubigern, prominent der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA) (45 Prozent der gesamten Auslandsschulden) und dem Afrikanischen Entwicklungsfonds (AfDF), also dem Weichkreditfenster der Afrikanischen Entwicklungsbank. Von den 26,6 Prozent aller Auslandsschulden, die auf bilaterale öffentliche Gläubiger entfallen, hält China allein 20,3 Prozentpunkte; alle Mitglieder des Pariser Clubs zusammen halten 3,8 Prozentpunkte. Deutschland ist kein Gläubiger Ugandas.

Trend

Seit einem Großkredit in Höhe von mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar an die ugandische Privatwirtschaft – vermutlich im Zusammenhang mit der geplanten Ausbeutung des gerade entdeckten Ölfelds – im Jahr 2013 liegen die Auslandsschuldenindikatoren des Landes wieder über kritischen Grenzwerten. Neueste Medienberichte beziffern die gesamte inländische und ausländische Verschuldung des ugandischen Staates im April 2018 auf 15,9 Milliarden US-Dollar; das wären 62 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2017 gegenüber den oben für Ende 2016 vom Internationalen Währungsfonds (IWF) angegebenen 37,3 Prozent.

Haupttriebkraft des Anwachsens der öffentlichen Schulden ist der ambitionierte Ausbau der Infrastruktur, mit dem die Regierung das Wachstum der ugandischen Wirtschaft ankurbeln möchte.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Uganda

Uganda erreichte im Jahr 2000 bereits sowohl den Decision Point als auch den Completion Point im Rahmen der multilateralen Entschuldungsinitiative für hoch verschuldete arme Staaten (Heavily Indebted Poor Countries, HIPC), nachdem es zuvor bereits zu den nur sechs Ländern gehört hatte, welche auch unter der HIPC-I-Initiative entlastet worden waren. In beiden Fällen war die Entlastung allerdings nicht sehr groß. Einen dramatischen Rückgang der gesamten Auslandsverschuldung bewirkte wegen des hohen Gewichts der multilateralen Schulden in Uganda erst die 2005 umgesetzte Multilateral Debt Relief Initiative (MDRI). Durch sie wurden alle verbliebenen Forderungen der IDA, des IWF und des AfDF gestrichen.

Im Pariser Club der Gläubigerregierungen hatte Uganda zuvor zwischen 1981 und 2000 bereits achtmal unterschiedlich weit gehende Restrukturierungen ausgehandelt.

1993 erhielt Uganda Zuschüsse von der IDA-Debt Reduction Facility und von weiteren Partnern, um teure Schulden bei Privatgläubigern im Umfang von 153 Millionen US-Dollar mit einem Abschlag von 88% zurückzukaufen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die ugandische Regierung beschreitet mit dem kreditfinanzierten Infrastrukturausbau einen Weg, der große Wachstumserfolge und Wohlstandsgewinne einbringen kann. Sofern es allerdings zu Störungen durch eine Einschränkung der konzessionären Finanzierungen aus multilateralen und bilateralen Quellen kommt, die Preise für das noch zu fördernde Öl wieder fallen oder ein anderer externer Schock eintritt, können die gerade kräftig über die ersten kritischen Grenzwerte gesprungenen Schuldenindikatoren recht schnell in eine Schuldenkrise münden.

Das Ugandan Debt Network warnt immer nachdrücklicher davor, die vor allem von der Weltbank heftig propagierte infrastrukturorientierte Verschuldung im Ausland weiter zu betreiben. Nach Schätzungen aus der Ugandischen Zentralbank müsste das Land statt der bislang projizierten 5,2 Prozent ein Wachstum von jährlich mindestens 7 Prozent erreichen, um die relative Verschuldung trotz der anhaltenden neuen Kreditaufnahme nicht weiter ansteigen zu lassen.

Trotz der ansteigenden Indikatoren betrachtet der IWF das Überschuldungsrisiko Ugandas in seiner letzten Tragfähigkeitsanalyse vom Oktober 2017 weiterhin als „niedrig“. Das liegt vor allem daran, dass er dem Land eine sehr positive institutionelle Ausstattung und Regierungsführung zuerkennt und deshalb die für eine kritischere Bewertung zu überschreitenden Grenzwerte sehr hoch ansetzt.

Die ugandische Regierungen ist eine der wenigen, die in der halbjährlichen Berichterstattung des Finanzministerium die Eventualverbindlichkeiten des Staates für private Schulden (sogenannte Contigent Liabilities) auflistet. Im Dezember 2016 waren das rund 110 Millionen US-Dollar, also keine wirklich substanzielle Bedrohung der Schuldentragfähigkeit.

Politische Empfehlungen

Die Regierung sollte die Warnung vor einer anhaltenden Ausweitung der Auslandsverbindlichkeiten wahrnehmen, und insbesondere bei der nicht-konzessionären Kreditaufnahme aus China vorsichtiger agieren als sie das bislang getan hat.

Zusammen mit seinen ebenfalls noch relativ unkritisch verschuldeten Nachbarn Kenia, Tansania und Ruanda wäre Uganda in einer guten Position für den Krisenfall umfassendere und wirksame Entschuldungsmöglichkeiten zu fordern wie sie etwa von dem afrikanischen Netzwerk AFRODAD propagiert werden.

 

Stand: Juni 2018