Zentralafrikanische Republik

Hat die Zentralafrikanische Republik ein Schuldenproblem?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bescheinigt der Zentralafrikanischen Republik trotz vergleichsweise niedriger Indikatoren ein „hohes“ Überschuldungsrisiko. Das ist vor allem auf die mangelnde politische, wirtschaftliche und soziale Stabilität des Landes zurückzuführen.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)38,840
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)44,349
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)313,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)682,2 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)25 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Daten zu den Exporten der Zentralafrikanischen Republik stehen nicht zur Verfügung.

Wer sind die Gläubiger der Zentralafrikanischen Republik?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Alle Auslandsschulden des Landes gehen zu Lasten des Staates. Private Unternehmen und Einzelpersonen sind nicht im Ausland verschuldet.

Zu 90 Prozent bestehen die Schulden des Landes gegenüber öffentlichen Kreditgebern, und dort fast ausschließlich zu Entwicklungshilfe-Konditionen, also mit langen Laufzeiten und niedrigen Zinsen.

Der gesamte Pariser Club hält bescheidene 2 Millionen US-Dollar Handelsforderungen an die Zentralafrikanische Republik. Deutsche Forderungen sind nicht darunter.

Trend

Alle Indikatoren, für die Daten vorliegen, sind seit 2012 um mindestens 10 Prozent angestiegen.

Der Schuldendienst, der durch die HIPC/MDRI-Entlastung von 31,4 Millionen US-Dollar im Jahr 2009 auf 2,6 Miliionen US-Dollar im Jahr 2010 gefallen war, erreichte 2016 wieder 25 Millionen US-Dollar, wovon allerdings vier Fünftel allein auf den IWF entfallen.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Zentralafrikanische Republik

Zwischen 1981 und 2009 hat die Zentralafrikanische Republik zehnmal im Pariser Club mit ihren staatlichen Gläubigern verhandelt. Die ersten vier dieser Runden waren lediglich Umschuldungen; danach folgten schrittweise ausgeweitete Schuldenerlasse bis zur HIPC-Exit-Regelung im Jahr 2009, die fast alle Forderungen des Pariser Clubs aus der Welt schaffte.

Der Completion Point der HIPC-Initiative wurde erst vergleichsweise spät, nämlich im Jahr 2009, erreicht. Mit privaten Gläubigern wurde bislang nicht umgeschuldet.

Die HIPC-Initiative wurde noch nicht mit allen Gläubigern vollständig umgesetzt, da mit China noch kein Übereinkommen erzielt werden konnte. Alte Forderungen Taiwans aus den Jahren 1991 und 1992 stehen ebenfalls noch aus und wurden 2017 von einem New Yorker Gericht ausdrücklich anerkannt.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Wegen der politischen Instabilität des Landes decken die genannten Indikatoren vermutlich nur einen Teil der wirtschaftlichen Aktivitäten des Landes ab. Es ist davon auszugehen, dass die illegale und die nicht-illegale Schattenwirtschaft sowohl zum Überleben der Bevölkerung erheblich beiträgt, als auch eine ernste Gefahr für die Stabilität des Landes darstellt.

Politische Empfehlungen

Die (Wieder-)Herstellung verlässlicher Staatlichkeit ist die erste Voraussetzung für eine sinnvolle Regelung der wieder ansteigenden Schulden des Landes.

 

Stand: Dezember 2017

 

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